Pegah Ferydoni: „Solche Fragen bringen uns nicht weiter“

Pegah Ferydoni

Pegah Ferydoni

Von Sarah Khayati

Pegah Ferydoni ist den meisten als Darstellerin der Yagmur in der ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“ bekannt. 2009 kommt sie gleich mit mehreren Filmprojekten in die Kinos. Privat engagiert sich die 26 jährige für die gesellschaftliche Wahrnehmung von Migranten außerhalb gängiger Klischees. Auch im Interview mit Gazelle zeigt sie die Problematik einer ständigen Bezugnahme auf einen solchen Hintergrund auf und bezieht klar Stellung.

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Du spielst seit 2005 in der ARD-Erfolgsserie “Türkisch für Anfänger” und bist auch in weiteren Formaten wie “Tatort” oder “Soko 5113″ zu sehen. Wie kamst Du zur Schauspielerei?

Ich spiele seit ich denken kann.

 

“Türkisch für Anfänger” ist mehrfach ausgezeichnet und hochgelobt worden, ein Kinofilm ist in Planung. Trotzdem wurde die Serie im TV nach der dritten Staffel wegen rückläufiger Quoten eingestellt. Hätte man dem Deiner Meinung nach entgegenwirken können?

Bei TfA waren von Anfang an nur drei Staffeln geplant. Daher überraschte es mich nicht, als es vorbei war mit den Schneider-Öztürks. Ebenfalls war klar, dass der Sendeplatz am Vorabend recht schwierig ist. Wir waren da nicht die einzigen, die an der Gesamtquote gescheitert sind.

 

Neben der Yagmur in Türkisch für Anfänger nehmen auch andere Rollen z.B. im Tatort „Baum der Erlösung” starken Bezug auf Deinen so genannten Migrationshintergrund.  Fühlst Du Dich manchmal auf die Rolle der “Ausländerin” reduziert?

Ich empfinde meine Besetzungen für “migrantische” Charaktere als einen recht unbedarften Rassismus, da man mich einerseits mit interessanten Projekten adelt, andererseits völlig ausblendet, dass ich mit der dargestellten “Integrationsproblematik” nichts zu tun habe. Aber ich erlebe momentan eine positive Entwicklung. In “Zweiohrküken”, dem neuen Film von Til Schweiger, spiele ich zum ersten Mal eine Figur, die ohne Herkunftserklärungen auskommt.

 

Wie gehst Du persönlich mit derartigem Klischeedenken – der Tatsache, dass sobald man einen Migrationshintergrund erkennt, man auch nahezu ausschließlich über diesen definiert wird – um?

Ich gehe einfach gar nicht damit um. Ich bin eine Deutsche, die zufällig dunkler geraten ist. Im Strassenbild der Zwanziger Jahre wäre ich nicht sonderlich aufgefallen.

 

Du bist zwar in Teheran geboren aber schon mit zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Inwiefern haben Dich Deine iranischen Wurzeln überhaupt geprägt?

Solche Fragen im Kontext bringen uns nicht weiter.

 

Auf der CDU Medianight 09 in Berlin hast Du Dich für mehr Normalität und Lässigkeit im Umgang mit dem Islam und Migration ausgesprochen. In einem älteren Interview erklärst Du: „Ich weiß nicht, was der Begriff Integration vermitteln soll. Ich kenne nur Dialog.“ Ist das vielleicht ein generelles Problem der Integrations-und Migrationsdebatte in Deutschland? Zu viel komplizierte Formalität & Begrifflichkeit, zu wenig zwanglose Gespräche?

Die Debatte an sich ist das Problem.

 

Du singst in einer Band. Ausgleich zu Deinen vielen Engagements oder zweites Standbein?

Die Band heisst Shanghai Electric. Die Musik war, ist und wird immer mein erstes Standbein bleiben. Da komme ich her, dahin gehe ich auch immer wieder zurück.

 

Wie sehen Deine Pläne für dieses Jahr aus, welche aktuellen Projekte stehen an?

2009 wird mein Kinojahr. Bis zum Ende des Jahres werde ich in drei Filmen zu sehen sein: Die Literaturverfilmung “Women without Men/Summer 1953“ der iranischen Künstlerin Shirin Neshat, der deutsche Debutfilm “Ayla” und “Zweiohrküken”, die Fortsetzung von “Keinohrhasen”. Demnächst beginnen für mich die Dreharbeiten zu “Hexe Lilli 2”.