“Pakistan ist halt nix zum Essen oder zum Anziehen”

Ein Gastkommentar von Nadia Doukali

Flutkatastrophe in Pakistan/Foto: Ishq
Flutkatastrophe in Pakistan/Foto: Ishq

 

Die Welt und ihre Sorgen, das ist wie ein Shoppingcenter mit tollen Angeboten und gut platzierten Schaukästen. Im Moment kommt man durch den Mediensupermarkt und hat gleich ein besonderes Angebot in Form von Ballack und so einer Lästerschwester, die ihm das Leben demnächst sehr schwer machen wird. Dann gibt’s noch, aber nur diese Woche!! Starke Regenfälle und Flussübertretungen in Polen, die auch viele Teile Deutschlands betreffen. Auch schön aufgestellt, die super Hitze im superreichen Staat Russland. Dort bedroht die Natur, die so lange und schön gebauten super Atomkraftwerke und das radioaktive Zeug, könnte dann nach oben abdampfen. Über Medienlautsprecher wird noch schön Panik gemacht, ob die Seuche noch hierher, zu uns nach Deutschland rüberzieht. Da fühlt man sich gleich ein wenig unsicherer und weiß gar nicht, wie man mit diesen ganzen Angeboten umgehen soll. Doch ganz hinten im Lager, auf dem letzten Regal, steht noch eine verstaubte Auslage. Da geht es um eine wahnsinnige Überschwemmungskatastrophe in Pakistan. So mancher denkt nun: Pakistan? Hmm…, Pakistan da kann ich jetzt nix mit anfangen. Da war keiner von meinen Freunden im Urlaub und es bringt mir jetzt auch keine Payback-Punkte. Also weiter im Geschäft.

Dass diese Information für die Bewohner der Welt, falls sie nicht schleunigst aufgenommen und bearbeitet wird, zu einer wirklichen Katastrophe werden könnte, daran denken die wenigsten. Ist ja jetzt auch kein Promi vor Ort und es hat auch noch keiner einen coolen Tränendrüsen-Killer-Spot gedreht. Wir können nicht überall sein und außerdem möchte man ja für sein Geld auch etwas geboten bekommen. Ein paar einsame und verzweifelnd weinende Kinder wären fürs Erste schon mal nicht schlecht. Die sollten dann aber auch so aussehen, dass man sich mit den Eltern identifizieren kann oder süß zerstrubbelte Haare haben. Sonst macht ja eine Spende oder Patenschaft keinen Sinn.

Es ist zum Läusemelken, wie es um die Menschen steht. Wir werden, wie Pakistan von der Macht der Natur, mit der Macht der Medien überschwemmt. Das Bewusstsein für einen selbst ist bei vielen schon angekommen und man hinterfragt beim Gang durch den Einkaufsladen die Herkunft der Nahrung, die man sich einverleibt, so sollte man es auch mit seinem Wissen und seinen Aktionen handhaben. Eine Hand wäscht die andere und da hat keiner von einer bestimmten Hand gesprochen. Helfen heißt nicht warten, bis ein gutes Hilfsangebot mit Leuchtreklame vor einem steht. Die Natur sucht sich auch nicht einen bestimmten Feiertag aus, um die Menschen wieder daran zu erinnern, wie mickrig sie eigentlich sind.

Die Politiker sind jetzt dann auch mal aus dem Urlaub zurück und reißen sich darum Pakistan mit Staatsgeldern zu helfen. Ein Schelm wer da Böses denkt denn die Taliban, die nie Urlaub machen und auch ordentlich Kohle zur Seite gelegt haben, retteten zuvor schon ein paar von den 15 Millionen Opfern. Wer demjenigen, der in der Hölle ist, das Paradies verspricht, der gewinnt. Es sollte jedem klar sein, dass wir die Sicherheit nicht sicher haben und das Bewusstsein entwickeln müssen, niemals in der Nähe einer verheerenden Naturkatastrophe zu sein, denn dann wünschten wir auch wie die Menschen in Pakistan, es würde jemand aus dem Nichts kommen und helfen, statt ignoriert zu werden.

 

Links zu Hilfsorganisationen, die Betroffenen in Pakistan helfen:

http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/

http://www.medico.de/themen/nothilfe/dokumente/nothilfe-fuer-die-opfer-der-flutkatastrophe-in-pakistan/3850

http://www.muslimehelfen.org/projekte/laenderprojekte/pakistan.html?tx_nxsmh_pi2
Per SMS kann man hier spenden:
http://www.aktion-deutschland-hilft.de/index.php

Bei Fragen zu den Hilfsorganisationen:
Spendenberatung: Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), Berlin,

Tel. 030 / 839 001-0; www.dzi.de; sozialinfo@dzi.de.

 

Autoreninfo:

Nadia Doukali *1971 in Marrakesch. Sie ist Kinderbuchautorin und lebt mit ihren beiden Söhnen in Frankfurt am Main. Die gebürtige Marokkanerin pendelt zwischen der Mainmetropole und ihrer Heimatstadt Marrakesch, um sich Inspiration für ihre märchenhaften Bücher zu holen. Sie schreibt Geschichten für und über Kinder, die besonders sind und sich in ihren Geschichten wiederfinden.