Weihnachten mit iranischem Leberkäs´
VON: SAHAR SARRESHTEHDARI
Bald ist der 24. Dezember, Heiligabend, ein Abend, der auf der ganzen Welt bekannt ist und in vielen Teilen der Welt gefeiert wird. Aber wie wird er gefeiert? Das Fest der Liebe feiert jeder auf seine Weise. Die Familie von Gazelle-Autorin Sahar Sarreshtehdari feiert bajuwarisch-iranisch, mit Safran und Leberkäse.
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Als Christin freue ich mich natürlich sehr auf Weihnachten. Als Christin in einer iranischen Familie, in der die Angehörigen nur auf dem Blatt Moslems sind, noch mehr. Meine iranische Familie liebt Weihnachten. Das liegt weniger daran, dass sie sich an der Geburt Jesu freuen, sondern eigentlich daran, dass sie Einkaufen gehen können. Schon Wochen vorher bereitet meine Mutter alles für Heiligabend vor, an dem sich meine gesamte Verwandtschaft bei uns versammelt.
Ganz traditionell ist am 24. der Tisch über und über mit persischen Köstlichkeiten gedeckt. Joghurt mit Spinat, Joghurt mit klein geschnittenen Gurken, Auberginen, Kräutereintopf, Oliven, Essiggurken, Knoblauch, Zwiebeln, Salat und natürlich Reis: Reis mit Safran und eine Kreation, die unsere deutschen Freunde gerne als „verbrannten Reis“ bezeichnen, den wir genau so aber lieben. Das warme Essen bringen für gewöhnlich meine Verwandten aus München mit. Denn dort gibt es einige gute iranische Lokale. Die Bestellung ist jedes Jahr die gleiche: einige Spieße mit barg (Lamm), mit kubideh (Hackfleisch) und einige Spieße mit schutsche (Huhn).
Der Lebensgefährte meiner Tante ist Deutscher, dennoch hat er sich so perfekt in unsere kleine iranische Community integriert, dass er durchaus als Orientale durchgehen könnte. Nur seine Vorliebe zu Leberkäse verrät, dass Hağği-Heinz (wie wir ihn heimlich auch nennen) eben doch ein typischer Bayer ist. Und das nennen wir perfekte Integration: Heinz isst seinen geliebten Leberkäs zusammen mit Safran-Reis und Senf.
Perserteppiche und blinkende Lichterketten
Unsere Wohnung ist an Weihnachten natürlich auch geschmückt, wir haben sogar einen Weihnachtsbaum. Böse Zungen könnten vielleicht auch behaupten, wir übertreiben es ein klein wenig mit dem Schmuck in der Wohnung. Aber man muss schon zugeben, dass unsere original Perserteppiche durch die ständig blinkende Lichterkette noch besser zur Geltung kommen.
Ich lege Wert darauf, an Heiligabend zur Weihnachtsmesse zu gehen. Sonst gehe ich weniger gern in die Kirche, ich fühle mich dort nicht besonders wohl und ich bin auch der Meinung, dass ich überall mit Gott kommunizieren kann – und nicht nur in der Kirche. Doch die Weihnachtsmesse bei uns ist sehr schön. Meine Verwandtschaft kommt meiner Bitte, an diesem Abend in die Kirche zu gehen, mehr oder weniger gerne nach und nutzt den Ausflug, sich vom üppigen Essen zu erholen.
Laut, bunt und anstrengend – eben typisch persisch
Nach der Messe ist Bescherung. Auch hier zeigt sich die iranische Mentalität meiner Verwandten. Nicht nur die Kinder werden reich beschenkt, sondern auch die Erwachsenen beschenken sich. Und dass obwohl sich alle a u s d r ü c k l i c h darauf geeinigt haben, dass jede Person über 18 ihr Recht auf ein Geschenk verwirkt hat. Es werden Klamotten, Schmuck, Bücher und Parfüms ausgetauscht. Aber eigentlich ist es mir egal, was mir meine Verwandten schenken. Ich freue mich jedes Jahr wieder auf Weihnachten, weil es bedeutet, dass wir uns alle sehen, zusammen essen und einen wunderbaren Abend miteinander verbringen. Für mich bedeutet Weihnachten, dass man Heiligabend und die darauf folgenden Tage mit der Familie verbringt und sich Zeit für einander nimmt. So war es die letzten Jahre und so wird es sicherlich auch dieses Jahr.
Ich würde fast behaupten, dass wir ein entspannteres und schöneres Fest miteinander verbringen, eben weil wir nicht den Druck haben, dass es perfekt werden muss. In meinen Erinnerungen ist der 24. laut, bunt und anstrengend – eben typisch persisch.

