Das nicht nur ein Protest, das ist Bürgerkrieg

VON: SAHAR SARRESHTEHDARI

Die Nachrichten berichteten nach dem Aschura-Fest, es gebe „zur Zeit“ wieder Unruhen im Iran. Das stimmt so nicht. Seit der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad gibt es durchgehend Proteste. Auch die Zahl der Toten und Gefangenen ist weitaus größer, als die sie in den Medien dargestellt werden. Die Regierung geht immer schärfer gegen die Demonstranten vor, selbst ihre eigenen Anhänger sind erschüttert über die massenhaften Folterungen und Vergewaltigungen im Iran. Doch die Menschen lassen sich nicht einschüchtern, sie gehen immer wieder auf die Straße und demonstrieren gegen die „islamische Republik“.

 

Es geht darum, das System abzuschaffen

Die Schreie der Demonstranten werden lauter, es geht nicht darum, das System zu verbessern, es geht darum, das System abzuschaffen. Was die Menschen wollen, ist ganz klar: sie wollen Rechte. Das Recht auf Leben wird ihnen seit mehr als 30 Jahren aberkannt. Die Iraner sind dieses Regime satt, das zeigt vor allem ihr Mut: Obwohl jeder befürchten muss, ins Gefängnis zu kommen, weil er demonstriert oder währenddessen einfach erschossen zu werden, gehen die Proteste weiter. Besonders bewundernswert ist, dass vor allem viele Frauen an den Märschen teilnehmen, haben sie doch am meisten unter der Regierung zu leiden.

Erst schießen sie, dann machen sie sich feige aus dem Staub

Die Anhänger Ahmadinedschads versuchen die Demonstrierenden aufzuhalten, in dem sie von ihren Mofas aus auf die Menschen schießen. Feige und schnell machen sie sich wieder aus dem Staub, wenn sie einfach in die unbewaffnete Menge ballern. Doch die Menschen wissen sich zu wehren. Viele Demonstranten sind mit Handykameras ausgestattet und schicken ihre Aufnahmen an unabhängige Fernsehsender, die die wackeligen Filme dann ausstrahlen. Das ist ein Segen, vor allem für die Exil-Iraner rund um den Globus. Auf den Filmen sehen sie, wie ihre mutigen Landsleute die Basij-Milizen von ihren Mofas reißen und auf sie einprügeln.

Selbst Ahmadinedschads Anhänger zweifeln

Es ist offensichtlich, dass auch den Anhängern des Präsidenten deutlich wird, dass seine Diktatur mit einer nach islamischen Maßstäben geführten Republik nichts mehr zu tun. Vor kurzem gab es eine Demonstration von Regierungsanhängern. Mit mickriger Beteilung. Absolut nicht vergleichbar mit der Zahl derer, die sich gegen die brutale Herrschaft Ahmadinedschads aufbäumen.

Die Opposition ist klar überlegen

Man kann den Zustand im Iran durchaus als einen Bürgerkrieg bezeichnen. Auf der einen Seite stehen die Menschen, die unter diesen Umständen nicht mehr leben können, die Freiheit für sich, ihre Meinung und ihre Religion fordern, die endlich anfangen wollen, ohne Druck, Angst und Zwang zu leben. Und auf der anderen Seite, die Befürworter Ahmadinedschads. Zahlenmäßig ist die erstere Gruppe überlegen, sie besteht aus vielen intelligenten jungen Menschen.
Eine Prognose lässt sich schwer erstellen. Klar ist, dass sich diese Regierung nicht lange halten kann. Doch was ist dann? In den Menschen besteht die Hoffnung, dass dann endlich etwas besser kommt, dass der Tod so vieler Menschen nicht umsonst war.