Diabetesmaker: Bubble Tea

Es ist das Trendgetränk des Sommers: Bubble Tea. Die aus Asien stammenden bunten Getränke kann man inzwischen in jeder Stadt kaufen. Doch Kinderärzte und Gesundheitsexperten schlagen nun Alarm. Mit satten 500 Kalorien pro Becher und lebensbedrohlichen Geleekügelchen sei das Trendgetränk nicht für Kinder geeignet.

Wie Pilze schießen “Bubble Tea Bars” hierzulande aus dem Boden. In jeder Stadt und auf jedem größeren Fest gibt es das bunte Trendgetränk zu kaufen. Auch eine Fastfoodkette hat “Bubble Tea” nun fest im Programm. Vor etwa 30 Jahren wurde das Getränk in Asien erfunden. Über die Trendfabrik USA kam die bunte Brühe schließlich zu uns. Hierzulande stehen vor allem Jugendliche vor den schrillen Stores Schlange. “Bubble Tea” besteht aus herkömmlichem Tee, süßem Sirup und kleinen “Bubbles”, Kügelchen die meist aus Tapiokastärke, Zucker, Farbstoff und Aroma bestehen. Manche Kreationen werden zusätzlich mit Kondensmilch, Sahne und Keksen serviert. Ein halber Liter enthält etwa 500 Kalorien, so viel wie eine Hauptmahlzeit. Dazu kommen 30 Stück Würfelzucker, die ein einziges Getränk enthält. Als Durstlöscher ist “Bubble Tea” damit nicht geeignet. Dass Zucker ungesund ist und nicht nur zu Übergewicht, sondern auch zu Diabetes führen kann, ist bekannt. Hier könnte man nun noch an den Verstand appellieren, das Trendgetränk als Süßigkeit zu behandeln und in Maßen zu genießen. [Read more...]

Doch Experten wollen “Bubble Tea” nun aus einem anderen Grund für Kinder unter sieben Jahren verbieten. Die etwa fünf bis acht Milimeter großen Geleekügelchen, welche durch einen übergroßen Strohalm aufgesaugt werden, könnten versehentlich eingeatmet werden. Blieben sie in der Lunge unbemerkt, könnten sie zu Entzündungen oder einem Lungenkolapps führen. Prof. Matthias Kopp, Leiter der Kinder-Pneumologie der Uniklinik Lübeck spricht von einer “erheblichen Gefahr”. Er warnt: “Bubble Tea gehört unter keinen Umständen in die Hände kleiner Kinder.” Erste Fälle, in denen Kindern “Bubbles” aus der Lunge entfernt werden mussten, sind in Deutschland bereits bekannt.

Neben Kinderärzten und Verbraucherschützern, diskutieren inzwischen auch Politiker darüber, Warnschilder an “Bubble Tea Stores” zur Pflicht zu machen. Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen hat im Juli bereits eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Die Fraktion möchte von der Bundesregierung unter anderem wissen, welche Informationen über den Verkauf sowie den Absatz vorliegen. Außerdem interessiert die Grünen, ob es sich bei der Bezeichnung „Bubble Tea“ um eine Verbraucherirreführung handelt, weil der Tee in den allermeisten Fällen nicht Hauptbestandteil des Getränks sei.

Bunte Getränke kommen vor allem bei Kindern und Jugendlichen gut an, sind aber auch auf Partys gern gesehen. Wer auf Nummer Sicher gehen und sich den Gefahren von “Bubble Tea” nicht aussetzen will, kann alternativ Eistee oder Bowle selbst herstellen. Hierfür sind keine Farbstoffe, keine Unmengen Zucker und auch keine “Bubbles” nötig. Farbenfroh wird das Ganze mit verschiedenen Fruchtsaft-Eiswürfeln oder Obstspießen. Auch frische Pfefferminzblätter kommen gut an. Für die großen Schleckermäuler darf auch ein Schuss Sekt dazugegeben werden.

Mit diesen einfachen Zutaten gelingt eine erfrischende Alternative zu “Bubble Tea”:
- 5 Teebeutel (z. B. Kräutertee oder Früchtetee)
– 1,5 Liter Wasser
– Zitronenscheiben
– Honig
– Eiswürfel
– 200 ml Wasser aufkochen, über die Teebeutel gießen und etwa acht Minuten ziehen lassen. Honig darin auflösen und restliches Wasser dazugeben, das Ganze abkühlen lassen und mit Eiswürfeln und Zitronenscheiben servieren. Altzernativ zu Honig kann auch Agavendicksaft oder Stevia verwendet werden.

Hilfe, meine Gallenblase platzt!

Von Arzu Karabag

Wenn die 29-jährige Ayla T. von ihrer „geplatzten Gallenblase“ spricht, muss kein Notarzt gerufen werden. Denn Ayla T.s Erstsprache ist Türkisch und mit der geplatzten Gallenblase ist nichts Anderes gemeint als Angst zu haben. Es ist eine Besonderheit der türkischen Sprache, emotionales Empfinden in Chiffren auszudrücken.

Versteht ein ArztIn oder TherapeutIn diese Chiffren nicht, kann es durchaus Missverständnisse geben. Besonders körperliche Beschwerden, die auf psychische Erkrankungen wie z.B. einer Depression zurückzuführen sind, erschweren die Diagnose bei Zugewanderten verschiedenster Herkunft. Oft werden gerade sie jahrelang auf körperliche Beschwerden behandelt, ohne dass die Depression erkannt wird“, weiß Meryem Schouler-Ocak, leitende Oberärztin an der psychiatrischen Uniklinik der Charité in Berlin, zu berichten.

Fehldiagnosen, unangemessene diagnostische und therapeutische Maßnahmen sowie die Verschreibung von Medikamenten ohne sachliche Rechtfertigung sind die Folgen. Hierauf weisen Dr. med. Michael Knipper und Dr. med. Yasar Bilgin in ihrer Studie „Migration und Gesundheit“ hin.

Besonders bei Patienten mit psychischen Störungen, die der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind, gibt es Versorgungsmängel. Es fehlt an muttersprachlichen Angeboten und entsprechendem Fachpersonal. Das Beispiel der Einstellung einer türkischstämmigen Ärztin in der Universitätsklinik Gießen belegt die große Nachfrage. Innerhalb kurzer Zeit verzehnfachte sich die Zahl deutsch-türkischer Patienten.

Allerdings spielen in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient jeden Alters wesentlich mehr Aspekte eine Rolle als nur die Sprache. Auch Patienten mit guten Deutschkenntnissen berichten von Schwierigkeiten, die mit der allgemeinen medizinischen Versorgung zusammenhängen. Wie viel Zeit nimmt sich ein Arzt für einen Patienten? Inwieweit lässt sich der Arzt vom sozialen Status seines Patienten beeinflussen? Wie sehr ist der Arzt von kulturellen Stereotypen geprägt? Als ein Beispiel sei das sogenannte „Mittelmeer-Syndrom“ genannt, wonach Einwanderer erhöhte Somatisierungstendenzen haben sollen.

Ob Einwanderer häufiger psychisch erkranken, lässt sich nicht sagen. Widersprüchliche Studien erschweren klare Aussagen. Es gibt migrationsbedingte Stressfaktoren wie Diskriminierung, Statusverlust, Identitätskonflikte, Assimilationsdruck und Ausgrenzung. Ob diese aber psychische oder psychosomatische Erkrankungen auslösen, lässt sich nur im Einzelfall sagen.

Migration selbst ist keine Krankheitsursache. Eine migrationsbedingte Erkrankung hängt vom Verlauf der Migration selbst ab. Auch die psychische Widerstandskraft sowie das Zusammenwirken komplexer Faktoren sind entscheidend. Besondere Bedeutung kommt den Lebensumständen im Aufnahmeland zu. Somit gilt: Der sogenannte Migrationshintergrund ist und kann nur ein Aspekt von vielen bei der Diagnose und Behandlung von psychosomatischen und psychischen Krankheiten sein. Eine differenzierte Betrachtung ist immer erforderlich.

 

Nützliche Links zum Thema:

http://www.kas.de/wf/doc/kas_16451-544-1-30.pdf?100422141713

http://www.kohneninc.de/DrKohnen/Interview_DrGuen.pdf

Vegan kochen – So klappt die Umstellung

"Vegan kochen" von C. Steen und J. M. Newman, Dorling Kindersley Verlag, 2012

"Vegan kochen" von C. Steen und J. M. Newman, Dorling Kindersley Verlag, 2012

 

Von Bettina Scriba

Letzte Woche habe ich an einer Hotelrezeption nach einem vegetarischen Restaurant gefragt. Mir wurde eines im Nachbarort genannt. „Die haben auch frischen Fisch – essen Sie Fisch?“ Ich antworte mit nein, und die Rezeptionistin seufzte: „Ach, es gibt inzwischen so viele verschiedene Wege, da blickt man nicht mehr durch“.
Sie hat Recht. Es gibt viele verschiedene Ernährungsformen und vor allem was Veganer angeht, tappen viele im Dunkeln. Dabei ist es gar nicht schwer: Veganer verzichten auf alles, was vom lebenden und toten Tier stammt. Dazu gehören tierische Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Eier, Milch, Honig, und darüber hinaus auch Lederprodukte, Seide, Wolle, Pelze, Gelatine, der Farbstoffe Karminrot, der aus weiblichen Schildläusen gewonnen wird  usw.

[Read more...]

Nur Körner und Grünzeug?
Die Lieblingsfrage von Skeptikern zum Thema Veganismus lautet: „Was kann man denn dann überhaupt noch essen?“ Jede Menge! Wenngleich die Umstellung vielen schwer fällt. Wie soll man einen Kuchen ohne Eier backen, auf Käse verzichten, Latte Macchiato ohne Milch zubereiten? Dass es wunderbar funktioniert, zeigt die Vielzahl an Menschen, die sich vegan ernähren. Im Bericht „Vegan Leben in Deutschland“ des Sender DW-TV vom Mai 2012 geht man inzwischen von 600.000 Veganern in Deutschland aus. Die Zahl habe sich in den letzten drei Jahren verachtfacht.

Rezepte „veganisieren“
Das Buch „Vegan kochen. So klappt die Umstellung“ greift das populäre Thema Veganismus auf und enthält 200 Rezepte und eine ausführliche Liste mit veganen Alternativen. Darüber hinaus ist es ein Ratgeber, der ganz konkret erklärt, wie man ein veganes Rezept zubereitet. Wie man dabei auf Produkte, die man seit vielen Jahren verwendet hat und die einem daher selbstverständlich erscheinen, verzichten kann, wird genau beschrieben. In jedem Kapitel wird anhand eines Beispielrezepts gezeigt, wie man eine Speise „veganisieren“ kann. Brownie-Schokoladenkuchen ohne Milch? Ganz einfach. Steak mit süßer Paprikasauce? Hier wird das Fleisch durch große Champignons oder Seitan-Schnitzel ersetzt. Käse-Polenta ohne Ei und Käse? Wenn man weiß, wie man Ei und Käse durch vegane Zutaten ersetzen kann, ist auch das kein Problem.

Was für Alternativen kommen rein ins Essen
Das Buch verdeutlicht, unterteilt in einzelne Kapitel, wie man Milchprodukte, Eier, Käse, Fleisch und Fisch ersetzen kann. Man könnte statt 250 ml Kuhmilch die gleiche Menge Soja-, Reis-, Hanf-, Kokos- oder Mandelmilch verwenden. Bei Eiern geht es zunächst darum, für was das Ei im Originalrezept verwendet wird, also zum Beispiel als Binde- oder Triebmittel, um Feuchtigkeit in die Backwaren zu bekommen etc. Hier gibt es dann als Alternative eine ganze Reihe von Vorschlägen: Ei-Ersatz, Maisstärke, Pfeilwurzelmehl, Apfelmus, Pflanzenmilch, pflanzlicher Joghurt, Nussbutter, Agar-Agar, Tofu etc. Fleisch wird durch Tofu, Seitan, Soja, vegane Fleisch- und Fischalternativen ersetzt. Praktisch: Auf vier Seiten am Ende des Buches kann man alle Alternativen in einer Tabelle nachschlagen.

„Vegan kochen“ bietet darüber hinaus auch Vorschläge für Allergiker, die auf Soja und Gluten verzichten müssen. Und für Menschen, die sich nicht nur vegan sondern auch besonders gesund ernähren möchten, werden Alternativen zu raffiniertem Zucker und Fetten genannt.

Was steckt drin im Buch
Folgende Rezepte warten auf Sie:
•    Pikantes Käsedressing (ohne Käse!)
•    „Eier“-Salat
•    Kürbis-Eiscreme
•    Schokoladenpudding
•    Cranberry-Bananen-Kuchen
•    Fleischlose Hackbällchen
•    „Western Bacon“-Cheeseburger
•    Sesam-Orangen-Pizza mit karamellisierten Zwiebeln
•    Kichererbsensuppe
•    Göttlicher Obstsalat
•    Tempeh-Mais-Rucola-Gemüse
•    Gemüse-Ragout mit Rotwein
•    Reissalat mit Roter Bete
•    Carob-Dessert
•    Brot nach Graham-Art

Anordnung Querbeet
Die Rezepte sind nach der traditionellen Zutat sortiert, die durch eine vegane Alternative ersetzt werden soll. Daher stehen dann Salat und Keksrezept nebeneinander, folgen Potato-Wedges auf Seitan-Schnitzel. Das macht die Suche nach einem Auflauf, einer Suppe, einem Gemüsegericht oder einem Kuchen etwas mühsam. Natürlich gibt es ein Register, dieses ist aber nur alphabetisch sortiert. Ein Register nach Gruppen wäre bei „Vegan kochen“ noch wünschenswert gewesen.

„Vegan kochen“ soll ab Ende Juni wieder lieferbar sein. Link zu buecher.de.

Celine Stehen und Joni Marie Newman
Vegan kochen. So klappt die Umstellung
272 Seiten, gebunden, mit 56 Abbildungen
Verlag Dorling Kindersley, € 14,95
ISBN 978-3-8310-2115-4

Altern in der neuen Heimat Deutschland

Erst kürzlich feierte Deutschland gemeinsam mit der Türkei das 50-jährige Jubiläum des Deutsch-Türkischen Anwerbeabkommens. Millionen von arbeitswilligen Frauen und Männer brachen auf in ein neues und vor allem temporäres Leben in Deutschland. Nicht erst seit heute wissen wir, dass aus dem sogenannten Gastarbeiter ein deutscher Bürger geworden ist. Mit einem festen Platz in der Gesellschaft und Teil des deutschen Wirtschaftswunders.

So medienwirksam über das Jubiläum auch berichtet wurde, wir wissen heute noch immer wenig über diese erste Generation. Was haben sie wie erlebt in diesem Deutschland der 1960er und heute 2012er? Wie sieht ihr Leben, ihr Alltag heute aus? Und vor allem, wie altern und erleben sie Pflegebedürftigkeit in Deutschland?
Letztere Frage ist kürzlich das Zentrum für Qualität in der Pflege nachgegangen. Diese gaben die Studie „Alters- und Pflegevorstellungen von Menschen mit Migrationshintergrund“ in Auftrag, die sich mit dem älter werden in der neuen Heimat von Türkeistämmigen sowie Russlanddeutschen beschäftigt.

[Read more...]

Mit 2 Mio. sogenannten Migranten werden die Pflegeinstitutionen im Jahr 2020 voraussichtlich konfrontiert sein. Ein wichtiger Impuls den das ZQP hiermit gegeben hat, sich konkreter mit den Bedürfnissen und Herausforderungen in diesem Bereich auseinanderzusetzen. Vorgestellt wurden die Studienergebnisse von Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, der Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und der Charité Berlin sowie Dr. Liane Schenk, Leiterin der Abteilung medizinische und pflegerische Versorgung des Instituts für Medizinische Soziologie an der Charité. Die Studie ergab, dass unter den befragten Einwanderergruppen noch Unwissenheit über das Pflegesystem vorherrschen. Die sprachlichen Hürden verstärken die Auseinandersetzung mit dieser Thematik. Doch auch Scham bei der täglichen Reinigung, Stichwort Geschlechteridente Pflege oder der Wunsch nach Religionsausübung können große Unsicherheit auslösen.

 

Mehr als nur Angst

Im Anschluss der Präsentation diskutierten unter Leitung des Deutsche Welle Moderators Ali Aslan, Emine Demirbüken-Wegner, Staatssekretärin für Gesundheit und Soziales der Stadt Berlin; Elisabeth Scharfenberg, Sprecherin für Pflege und Altenpolitik der Bundesfraktion B90/Grünen; Reinhold Pulcher, Generalbevollmächtigter des Altersheim Goldenherz im Wedding/Berlin; Monika Wagner, Dozentin am Campus Berufsbildung Berlin e.V. und Prof. Dr. Kuhlmey.

Im Gespräch ist vor allem deutlich geworden, wie groß der Informationsbedarf auf allen Seiten nach wie vor noch ist. Demirbüken-Wegner, selbst Tochter türkischer Einwanderer, forderte mehr Engagement bei den einzelnen Einwanderergruppen, die das Thema professionelle Pflege besser verbreiten müssten. Besonders an die Töchter und Schwiegertöchter richten sich die Erwartungen der späteren Pflege. Emotional und körperlich eine große Herausforderung, die in unserer heutigen Zeit durch kleinere Familien und den Bedarf von medizinischer Versorgung kaum zu bewerkstelligen ist. Elisabeth Scharfenberg sprach sich klar für eine stärkere Reform im Pflegebereich aus. Besonders die ambulante Pflege, die Familienangehörige wie Pflegebedürftige unter die Arme greift, müsse verbessert und in größerer Zahl angeboten werden. Dies beinhaltet ebenfalls die Modifizierung des Zeitmanagments des Personals – nach 8 Jahren im Pflegeberuf leidet meist die körperliche und psychische Verfassung des Personals. Angesichts des Fachkräftemangels bedarf es dringenden Handlungsbedarf. Dies unterstrichen auch Reinhold Pulcher und Monika Wagner.

 

Interkulturell verstehen

Auch das Thema kultursensible Pflege stand auf der Tagesordnung. Besonders in der Ausbildung scheint es hier noch gewisse Schwierigkeiten zu geben. Denn wer interkulturell verstehen will, muss zu einer eigenen Selbstreflextion fähig sein. Empathie ist eine Grundvoraussetzung. Monika Wagner betonte, dass es in heterogenen Gruppen, wo nicht nur die Vielfalt der Nationen zusammenkommen, sondern auch Geschlecht und Alter gut durchmischt sind, das Erlernen der kultursensiblen Pflege besser vermittelt werden kann. Deutlich wurde aber auch, dass mehr Personal ausgebildet werden muss – besonders jene, die über Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Wer Russisch, Arabisch, Türkisch oder Vietnamesisch spricht, kann bei den Pflegenden für Geborgenheit und Vertrauen sorgen.

Hoffnung, dass in Zukunft diese Thematik größere Beachtung erfährt, weckte jene Person, die am Abend das Grußwort sprach und damit auch die Bundesregierung vertrat. Honey Deihimi, Referatsleiterin im Arbeitsstab der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration war in Vertretung der Staatsministerin Maria Böhmer gekommen. Es bleibt daher zu hoffen, dass auch auf Bundesebene das Thema seinen Platz findet und medial größere Bedeutung erlangt. Ohne Häme, Respektlosigkeit und Sensationsgier sollte auch hier Verantwortung und Respekt vor dem Alter gelten. Egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Denn die Bedürfnisse der Bedürftigen sind dieselben, die Ängste andere, die sich aber überwinden lassen.

Wer mehr über die Studie erfahren möchte, kann sie hier bequem runterladen:
http://www.zqp.de/upload/content.000/id00015/attachment00.pdf

Mehr Infos zum Zentrum für Qualität finden Sie unter: www.zqp.de

Ein Leben im falschen Körper

Miriam Kassner

Miriam Kassner

Nur wenige Menschen können sich vorstellen, wie es einem täglich ergeht, wenn man im falschen Körper geboren worden ist und mit diesem Gefühl versucht zu Leben. Die Realität vieler Transsexueller ist uns heute noch unbekannt. Einen Einblick in eine persönliche und wahre Geschichte gewährt uns Miriam Kassner, die über ihr Leben und ihre Entscheidung das Buch Option B bitte geschrieben hat. Ein Gastbeitrag von Miriam Kassner.

‚Wie ich mich fühle‘, werde ich oft gefragt. Immer und immer wieder. Woran das liegt? Ich lebte einst im falschen Körper, ehe ich mich 2007 vor Familie und Freunden outete. 15 Jahre Geheimhaltung waren genug, mehr schauspielerische Begabung einen ‚Mann‘ vorzugaukeln war mir nicht vergönnt. Nachdem die Gespräche mit meinen Liebsten mehr als nur positiv verliefen, schöpfte ich neuen Mut und wurde von sämtlichen Seiten mit offenen Armen empfangen. [Read more...]

Ich rechnete nicht damit, dass es so einfach werden würde, meinem alten Dasein ‚Ade’ zu sagen. Ende 2007 begann ich eine Hormonbehandlung, beantragte meinen neuen Vornamen und ließ an mir 2009 eine geschlechtsangleichende Operation durchführen. Und so kann ich die Frage stets grinsend mit „Mir geht es sehr gut“ beantworten. Denn ich lebe seitdem mein wahres zwangloses Leben.

Die Offenbarung
Sie schlief neben mir ein, so lieblich und wild zugleich. Ich schaute zu ihr hin und verliebte mich Hals über Kopf. Binnen Stunden schien es derart bergauf zu gehen. Ein perfektes Empfinden bis, ja bis ich innerlich vom Blitz getroffen wurde.

Und so übermannte mich ein Gefühl, eine Wahrnehmung, welche so stark in der Form noch nie aufgetreten war. Ich sah sie an, und war ich auch noch so begeistert von ihr, kam es schnell und unaufhaltsam in mir hoch. Die Offenbarung in Form von unerklärlichem Neid. Ich verspürte Missgunst und realisierte erst nach einigen Minuten, was da soeben wirklich mit mir geschah. Es prasselten so viele Datenmengen auf mich ein, ich war regelrecht überfordert. Ich wehrte mich nicht mehr dagegen und fügte mich dem, was nun folgen sollte. Ich war neidisch auf Jessica, neidisch auf ihre Figur, auf ihren ganzen Körper. Neidisch auf ihr Aussehen, neidisch auf ihr ‚Frau sein‘. Es zerriss mich, mir platzte sinnbildlich der Kopf. Was geschah mit mir? Wieso plagten mich diese Gedanken? Und wieso
steigerten sich die, naja, nennen wir es mal Symptome? Wieso an einem so unglaublich schönen Abend? War diese Nacht denn nicht schon einschneidend genug? Wieso ich? Fragen über Fragen. Doch die Antworten sollten nicht lange auf sich warten lassen. Wie eine Flutwelle kamen sie bei mir an. Sekunden reichten aus, um mir einen Katalog voller Enthüllungen zu liefern. In dieser Nacht wurde mir eindrucksvoll klar, dass ich niemals zu einem Mann heranwachsen sollte. Ich war derart durcheinander, das wohligste Erlebnis gepaart mit grundsätzlichem Unwohlsein. Ich erkannte, diese Nacht würde mich für immer in meinem Handeln verändern. Der innerliche Wendepunkt war in vollem Gange. Völlig erschöpft schlief ich ein. Mit dem Wissen: Ich lebte im falschen Körper!

Ich habe dieses Buch geschrieben, um selbst mit dem Thema abzuschließen und zugleich Betroffenen und Angehörigen eine Art Leitfaden zu geben. Mit der Hoffnung, einen Teil dazu beizutragen, dem Schubladendenken entgegenzuwirken.

 

‚Miriam Kassner – Option B bitte: Einzelfahrschein‘ ist als Buch und eBook im Handel erhältlich. Infos unter www.option-b-bitte.de

 

Miriam Kassner ist 33 Jahre alt. Wohnhaft in Ennepetal. 2001 machte sie ihr Fachabitur. Nach ihrer Wandlung hat sie sich der Autorenschaft und dem Theater gewidmet.

 

 

 

 

 

 

Weiter zum Thema erschienen:

Gazelle No.6

Ich war Mann und Frau

„Stress kann in Burn-out oder Depression münden“

Kristina Schlecht - Diplompsychologin aus Berlin

Von Filiz Keküllüoglu

Die Diplompsychologin Kristina Schlecht entwickelt Coachings zur Stressreduktion. Sie erklärt, wie Stress entsteht und wie man damit umgehen kann. Wenn man sich zu sehr belastet und die Signale des Körpers nicht wahrnimmt, kann der Übergang zu einem Burn-out oder einer Depression fließend erfolgen.

[Read more...]

Wie entsteht Stress?

Einige Situationen können jeden von uns beanspruchen. Man wird bestimmten Anforderungen nicht gerecht – seien es berufliche oder private, informationelle oder emotionale. Die ständige Anpassung an wechselnde Rollen kann uns ebenfalls überlasten. Dabei geht es nicht um objektiv belastende Ereignisse, sondern vielmehr um die eigene Reaktion darauf. Den einen belastet beispielsweise ein Auftritt vor einem Publikum stark, den anderen lässt es kalt. Dafür ist es hilfreich, das eigene Stressmuster zu kennen und solche Situationen für sich zu erkennen.

 

Was sind die Symptome von Stress?

Stress äußert sich sehr individuell. Dabei muss man zwischen akutem und chronischem Stress unterscheiden. In einer akuten Situation spüren wir Herzrasen, der Mund wird trocken; wir schwitzen oder verspüren Magenschmerzen. Hormone spielen einfach verrückt. Wenn Stress in eine chronische Phase übergeht, kann er sich als starke Müdigkeit, Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen äußern.

 

Welche Folgen hat Stress?

Auch hier ist die Unterscheidung sehr wichtig. Akuter Stress kann sehr anregend und motivierend wirken, etwas in Angriff zu nehmen. Es ist evolutionär bedingt: In einer bedrohlichen Situation (oder Stress) wird Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet, der uns zum Handeln anregt. Oder wer kennt den Flow nicht? Man fühlt sich energiegeladen und kann so vieles schnell anpacken, was unter stressfreien Umständen nicht so gut klappt. Doch zu viel Stress kann zu chronischen Reaktionen führen, wie Erschöpfung und Lustlosigkeit. Schließlich kann chronischer Stress in Burn-out und Depression münden.

Auch auf der physiologischen Ebene wirkt sich chronischer Stress sehr negativ aus. Studien haben ergeben, dass die durch Stress entstandene Energie nicht abgebaut und das Immunsystem geschwächt wird. Das kann sogar zu Krebs führen. Die Ungleichheiten im vegetativen Nervensystem begünstigen weiterhin Infarktrisiko und wirken negativ auf den Magen-Darm-Trakt aus.

 

Wie ist Stress von einer Depression zu unterscheiden?

Grob kann man eine Depression als eine Folge dauerhafter Beanspruchung sehen. Doch nicht bei allen kommt es zu einer Depression. Bei der Entstehung depressiver Symptome reicht der Stress allein selten aus. Eine gewisse Sensibilität oder Vulnerabilität im wissenschaftlichen Jargon muss gegeben sein. Menschen, die diese Sensibilität in sich haben, sind mehr gefährdet, eine Depression zu bekommen. Beispielsweise hat eine pessimistische Weltsicht in ruhigen Zeiten vielleicht einen gewissen Charme. Doch wenn nicht alles rund läuft, verschlimmert der Pessimismus die Situation und versperrt einem die Möglichkeit, die Situation zu bewältigen. Was diese ausmacht, ist sehr individuell, das auf erlernte Reaktionsmuster und Einstellungen zurückzuführen ist.

 

Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit 4150 Beschäftigten ist nur jeder Siebte zufrieden mit seinem Job und ein Drittel bewertet seinen Arbeitsplatz sogar als „schlecht“. Welche Auswirkung hat die Unzufriedenheit mit dem Job auf das Wohlbefinden?

Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz und den Arbeitsprozessen kann zusätzlichen Stress verursachen. Manche Autoren bezeichnen diese Art der Unzufriedenheit sogar als erstes Anzeichen des Burn-outs. Und ein Burn-out wirkt sich bekanntlich sehr negativ auf unser Befinden aus. Wir sollten mit dem Begriff natürlich sehr vorsichtig umgehen, denn nicht jede kritische Phase im Leben ist krankhaft. Erst wenn man eigene Bedürfnisse stark vernachlässigt und kaum zur Erholung kommt, idealistische Vorstellungen von dem eigenen Job hat und letztendlich enttäuscht wird, dann hat Burn-out ein leichtes Spiel.

 

Wie unterscheidet sich Stress zwischen Männern und Frauen? In welchen Situation sind die einen und in welchen die anderen eher gestresst?

Stresserleben ist höchst subjektiv. Doch man konnte feststellen, dass sich Frauen eher schneller für emotional erschöpft bezeichnen als Männer. Dabei distanzieren sich Männer schneller von ihrem sozialen Umfeld, wenn der Stress sie überwältigt. Solche Tendenzen kann man allerdings auch an durch die gewohnte Rollenverteilung erklären: Frauen dürfen Emotionen zeigen, aber sollten weiterhin sozial verträglich bleiben, wobei bei Männern das Umgekehrte akzeptiert wird.

 

Welche Methoden gibt es, um mit Stress umzugehen?

Ein verbreitetes und bewährtes Vorgehen bei Stressbewältigung ist der Ressourcen-Ansatz. Man geht davon aus, dass der Mensch alle Lösungen und Ressourcen für den Umgang mit unerwarteten, tragischen oder lästigen Ereignissen bereits hat. Diese müssen nur systematisch aktiviert werden.

Wenn der Stress im überschaubaren Umfang unser Leben beeinflusst, kann Selbsthilfe noch sehr nützlich sein. Dafür sollte man mit der Selbstbeobachtung anfangen und eigene Stresssituationen und Reaktionen erkennen. Dafür sind niedrigschwellige Interventionsmaßnahmen sehr geeignet. Ihr Vorteil ist, dass sie für alle zugänglich sind. Um diese in Angriff zu nehmen, müssen keine großen Hürden überwunden werden – wie es der Fall bei einer Psychotherapie sein kann. Zu den typischen niedrigschwelligen Interventionen gehören Ratgeber, Selbsthilfe-Bücher oder internetbasierte Programme.

Online-Programm, wie zum Beispiel der HausMed Coach Stressfrei, sind insbesondere hilfreich für Personen, die in sich noch den Antrieb verspüren, alleine mit ihrem Stress umgehen zu können. Oft reicht es für sie, dass sie genau auf ihre Bedürfnisse angepasste Informationen und Hinweise erhalten und Übungen ausprobieren, die ihr Potenzial zum Stressmanagement fördern. Die Grundlage eines gezielten Stressmanagements bildet eine umfassende Stress-Analyse. Internetbasierte Coaches können durch gezielte Übungen einem dabei helfen, Antworten auf folgende Fragen zu finden: Wo liegen die Ursachen meiner Belastung? Wie kann ich mit dieser Belastung umgehen bzw. sie überwinden?

Bei fortgeschrittenen Stress-Stadien sind niedrigschwellige Maßnahmen in der Regel nicht ausreichend. Oft ist es notwendig, Empfehlungen vom Arzt einzuholen oder einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Bei Stress-Folgen wie Burn-out oder Depression ist bereits professionelle Hilfe erforderlich.

 

Weitere Infos:

Stressbewältigungsmaßnahmen: Coaching/Supervision oder Beratung in Lebenskrise
Selbsthilfe: Durch Online-Programme z.B. HausMed Coach Stressfrei
Literatur: “Stress im Beruf? Wenn schon, dann aber richtig!”
Psychotherapie: Therapeuten-Suche online: http://www.bptk.de/service/therapeutensuche.html

HANNOVER: Tagung MigrantInnen im deutschen Gesundheitswesen am 02./03.09.2011

Die Tagung ‘Migrantinnen und Migranten im deutschen Gesundheitswesen’ findet am 02./03.09.2011 in der MHH statt.

Der Blick richtet sich auf Ärztinnen, Ärzte, Studierende, Mitarbeiter/innen in der Pflege und Patientinnen und Patienten. ‘Geschlecht’ wird als Querschnittskategorie mit den Themen Gesundheitswesen und Migration zusammengebracht.

Progamm als PDF zum Herunterladen hier.

Endometriose: Wenn sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut verirren

Von Barbara Crombach

Alle Monate wieder… Johannas Unterleib krampft sich schmerzhaft zusammen, deutlich schmerzhafter als „normale“ Regelschmerzen. Vor gut einem Jahr hat Johanna die Diagnose „Endometriose“ erhalten.

[Read more...]

Zuerst konnte Johanna mit dieser Diagnose gar nichts anfangen. Erst nach und nach lernte sie so viel wie möglich über diese chronische und vor allem schmerzhafte Erkrankung.

Endometriose ist eine gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut an der falschen Stelle. Endometrium ist der medizinische Name für die Gebärmutterschleimhaut und die Endung –ose (oder –osis) kommt aus dem Griechischen und bedeutet krankhaft oder krankhafter Zustand. Bei der Endometriose siedeln sich also verirrte Zellen der Gebärmutterschleimhaut irgendwo im Bauchraum an, zum Beispiel an den Eileitern oder den Eierstöcken. Es wurden aber auch schon Herde in der Lunge und ganz selten im Gehirn gefunden.

Während des Menstruationszyklus bauen sich diese Endometrium-Zellen zeitgleich mit der Gebärmutterschleimhaut auf und ab, was zu krampfhaften Schmerzen führen kann. Oft kommt es auch zu Zystenbildungen, da das Gewebe – genauso wie die Gebärmutterschleimhaut – bluten kann, wobei das Blut allerdings an manchen Stellen keinen natürlichen Abfluss besitzt.

Leider sind Regelschmerzen nicht die einzigen Symptome. Die Schmerzen hängen natürlich mit der Lokalisation der Endometrium-Zellen zusammen. Oft werden allgemeine Unterleibsschmerzen, Kreuzschmerzen und auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr beschrieben. Aber auch das Wasserlassen kann zur Qual werden. Insgesamt ist den Symptomen eines gemeinsam:

Sie sind zyklusabhängig und kurz vor der monatlichen Blutung am schlimmsten. Selbstverständlich gibt es viele Frauen, die praktisch keine Symptome haben. Das ist auch der Grund, warum über die Häufigkeit dieser Krankheit keine verlässlichen Aussagen gemacht werden kann. Die Angaben schwanken zwischen 5% bis 15%. Allerdings sollten sich Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch auch auf Endometriose hin untersuchen lassen. Laut medizinischer Fachliteratur, sind viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch von Endometriose betroffen.

Zu den Ursachen der Erkrankung gibt es verschiedene Theorien. Bei der Transplantationstheorie wird vermutet, dass Endometrium-Zellen zum Beispiel mit dem Blut- oder der Lymphflüssigkeit an den „falschen Ort“ transportiert werden und sich dort ansiedeln. Die Metaplasietheorie geht davon aus, dass sich schon vorhandenes Gewebe in Endometrium-Zellen umwandelt (Metaplasie). Die tatsächliche Entstehungsursache ist aber immer noch unklar. Allerdings sind familiäre Häufungen auffallend.

Da keine direkte Ursache der Endometriose bekannt ist, sind die Therapiemöglichkeiten so individuell wie die Betroffenen. Neben der klassischen Hormonbehandlungen und der operativen Entfernung der Wucherungen gibt es vielfältige alternative Ansätze. Die Betroffenen sollten sich eingehend von ihrem Gynäkologen oder ihrer Gynäkologin beraten lassen. Weitere Informationen bietet das Internet. Hier finden sich eine Menge an Informationen von Universitäten, Selbsthilfegruppen, Gesundheitsportalen und natürlich von vielen Frauenvereinen.

Auch Johanna hat sich durch unzählige Seiten geklickt und hat mittlerweile einen guten Weg gefunden, mit ihrer Krankheit zu leben.

“Verstehen Sie unsere Sprache?”

Soheila Mojtabaei

Soheila Mojtabaei

„Kennen Sie denn überhaupt unsere Kultur?“ – „Haben Sie auch deutsche Teilnehmerinnen?“ – „Verstehen Sie unsere Sprache?“ – Manchmal sind es sehr irritierte Fragen, mit denen die Heilpraktikerin für Psychotherapie Soheila Mojtabaei am Telefon konfrontiert wird, wenn ein Anrufer ihren Namen oder ihren persischen Akzent hört.

„Kennen Sie denn überhaupt unsere Kultur?“ – „Haben Sie auch deutsche Teilnehmerinnen?“ – „Wie lange sind Sie denn schon in Deutschland? Verstehen Sie unsere Sprache?“ – Manchmal sind es sehr irritierte Fragen, mit denen Soheila Mojtabaei am Telefon konfrontiert wird, wenn ein Anrufer ihren Namen oder ihren persischen Akzent hört.

„Das sind keine rassistischen Ressentiments“, sagt sie verständnisvoll, „sondern dahinter steckt Unsicherheit gegenüber dem Fremden. Immerhin muss jemand, der Unterstützung sucht, Vertrauen zu mir gewinnen.“

[Read more...]

Soheila Mojtabaei lebt seit 25 Jahren in Deutschland. 1985 kam sie als Flüchtling aus dem Iran; inzwischen besitzen sie und ihre erwachsene Tochter die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie hat einen langen Berufsweg hinter sich, über verschiedene Stationen im kaufmännischen Bereich und in der IT-Branche bis hin zur Geschäftsführerin einer Weiterbildungseinrichtung in Bonn. Aber nach einigen Jahren genügte ihr das nicht mehr: „Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass meine eigentliche Berufung darin liegt, Menschen in ihrem Entwicklungsprozess zu sich selbst zu begleiten.“

Sie begann mit der Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie; 2007 schloss sie diese beim Gesundheitsamt Dortmund ab. Seit 2008 hat sie nun ihre eigene Praxis – und ist damit als Iranerin eine große Ausnahme, nicht nur in Köln, sondern wohl bundesweit.

In ihrer Stellung zwischen den beiden Kulturen sieht sie keinen Nachteil, sondern einen Reichtum: „Durch meine Lebenserfahrung und die Herausforderung, unter schwierigen Umständen in einem für mich zunächst fremden Land mein Leben neu zu gestalten und mich in diesem Kulturkreis zu Hause zu fühlen, kann ich Menschen in Krisensituationen viel besser beraten und begleiten. Außerdem schöpfe ich aus der Erfahrung von zwei einander nicht ausschließenden, sondern ergänzenden Kulturen.“

Aber was macht eine Heilpraktikerin für Psychotherapie eigentlich? Wer sucht sie auf, und was erwartet den Ratsuchenden?: “Wer zu mir kommt, findet eine engagierte Zuhörerin”, erklärt Mojtabaei. “Er erfährt Entlastung und Verständnis, lernt neue Wege kennen, lernt auch, sie zu gehen und weiß nachher mehr über sich”

„Es sind Konflikte in verschiedenen Lebensbereichen, in einer Partnerschaft, in der Familie, am Arbeitsplatz, in sozialen Bindungen aller Art, bei denen wir gemeinsam nach Wegen suchen. Das kann ein Coaching sein oder eine lösungs- und zielorientierte Kurzzeittherapie.“ Außerdem bietet sie Seminare zu Themen wie „Mutter-Tochter-Beziehung“, „Sich selbst besser verstehen“ und „Sei Dein bester Freund“ an.

Es geht dabei nicht darum, fertige Lösungen anzubieten, sondern den Ratsuchenden zu unterstützen, diese Lösung für sich selbst zu finden – „in der tiefen Überzeugung“, so sagt Soheila Mojtabaei, „dass der Mensch bereits alles in sich trägt, was er braucht.“

Genitalverstümmlung: Europäisches Parlament spricht sich für breitere Schutzmaßnahmen aus

Von Sunya Baaroun

Explizit verboten ist die weibliche Genitalbeschneidung in vielen Ländern Europas nicht. Das soll sich laut Pressebericht des Europäischen Parlaments jedoch bald ändern. Die Mitglieder sprachen sich in großer Zahl für ein schärferes Vorgehen gegen das archaische Ritual aus. Am 24. März 2009 wurde deshalb ein entsprechender Bericht verabschiedet: Prävention durch Aufklärung und ein stärkerer Schutz von gefährdeten Migrantinnen sollen in Zukunft Abhilfe versschaffen. Außerdem empfiehlt die Kommission, die Beschneidung weiblicher Genitalien konsequent strafrechtlich zu verfolgen.

 

[Read more...]

Allein Europa beherbergt eine halbe Millionen Frauen, die dem menschenunwürdigen Brauch zum Opfer gefallen sind; von der Dunkelziffer ganz zu schweigen. Laut UN-Menschenrechtskonvention untersteht die weibliche Genitalbeschneidung als Verletzung der  körperlichen Unversehrtheit dem Strafrecht. Spezielle Gesetze gegen die Verstümmlung gib es bisher aber nicht in allen europäischen Ländern. Zur Anklage kommt es zudem nur selten. Der Ritus findet so gut wie immer im Verborgenen statt. Aus Scham und Angst vor familiärer Ächtung bewahren die Opfer meist Sillschweigen. Darum fordert die Kommission eine „umfassende und eindeutige Strategie“. Dazu gehöre eine flächendeckende Überwachung, so die EU-Abgeordnete Cristiana Muscardini (UEN Italien). Diese sei aber schwer umsetzbar. Der Einfachheit wegen findet die Beschneidung auch oft im Heimatland der Migrantinnen statt. Bestraft werden sollen deshalb auch die, die sich außerhalb der europäischen Grenzen als Vollzieher der Verstümmlung betätigten. Ziel ist es zudem, das Beschneidungsverbot  für künftige Abkommen und Kooperationsverhandlungen mit Drittländern als Klausel aufzuführen. Asyl als Grund einer bevorstehenden Beschneidung wird dagegen auch in Zukunft ein schwieriges Thema bleiben. Man wolle aber versuchen, die jeweiligen Anträge nach bestem Wissen auf Wahrhaftigkeit zu prüfen.

 

Ein gemeinsames Signal gegen die Genitalverstümmlung setzt die FDP Hamburg in Kooperation mit TERRE DES FEMMES. An der Front steht Dr. Najib Karim, EU-Beauftragter der FDP Hamburg. Mit viel Engagement setzt er sich für ein effektiveres Vorgehen in Sachen Prävention ein. Vor allem die Großstädte mit ihrem hohen Ausländeranteil müssen bereits direkt bei der Einwanderung gezielt an gefährdete Migrantengruppen herantreten. Diese Form von Vorbeugung sei erfolgsversprechend, da zukünftige Opfer hier ganz klar über ihre Rechte und Schutzmöglichkeiten informiert würden.