IM KINO: “Paradies: Liebe” auf Irrwegen

Paradies: Liebe (c) Neue Visionen Filmverleih

Paradies: Liebe (c) Neue Visionen Filmverleih

Eine Gastkritik von Nadia Shehadeh

Wider besseren Wissens tut man ja vieles. Zum Beispiel: Ins Kino gehen. Um sich Filme anzugucken, von denen man ahnt, man sollte besser die Augen und Ohren davon lassen. “Paradies: Liebe” ist so ein Film.

Die Story geht so: Die Österreicherin Teresa (im Übrigen grandios gespielt von Margarethe Tiesel) fliegt nach Kenia, um dort nochmal sowas wie Liebe zu erleben. Im Zweifelsfall gegen Bares. Sowas gibt es ja in echt, sagt das Feuilleton, also weibliche Prostitutionskundinnen. Und Ulrich Seidl, der Filmemacher, würde auch zeigen, wie sehr das Ganze Business mit Rassismus durchzogen ist. [Read more...]

 

 

Allein unter unpünktlichen BildungsbürgerInnen
Nun ich, in einem Kino in Deutschland: Warum auch immer habe ich mich also entschieden, mir diesen Film anzugucken. Der Saal ist halbleer oder halbvoll – je nachdem, wie man es nimmt. Ich schaue mich um und bemerke schnell, dass ich von deutschen BildungsbürgerInnen umzingelt bin. Ich bin die Einzige von allen, die sowas hat, was BildungsbürgerInnen im Allgemeinen einen Migrationshintergrund nennen.

Pünktlichkeit funktioniert nicht. Zwischen Filmvorschau, Filmvorschau, Filmvorschau zwängen sich weitere Kino-BesucherInnen durch die Sitzreihen. In der linken Hand vorzugsweise ein Weinglas balancierend, um den rechten Arm beigefarbene Trenchcoats gewickelt. Während mir die nächste Kinogängerin ihren Hintern ins Gesicht hält, herzlich bemüht dabei nicht ihren Cabernet zu verkippen, läuft die Vorschau von “The Beasts of the Southern Wild”, die ich gerade noch so aus den Augenwinkeln verfolgen kann. Der Film, von dem ich da schon weiß, dass ich ihn eigentlich viel lieber gucken würde. Tja.

Kurz vor Filmbeginn ein weiterer unglücklicher Sachverhalt: Der Sitzplatz rechts neben mir wird von einem Herren eingenommen, eingenebelt in “Old Spice”, der direkt die linke Armlehne in Beschlag nimmt und sich gefährlich weit in meinen Tanzbereich herüberlehnt. Zu kurze Reaktionszeit. Nach rechts gibt es kein Ausweichen, und ein Umzug in die vorderen, leereren Reihen wäre zwar noch  möglich, aber, der Filmvorspann läuft bereits, und meine fehlgeleitete Moral verbietet es mir (die ich mich noch über die ganzen Zuspätkommer aufgeregt habe) jetzt nochmal Extraumzugswürste anzustreben.

 

“Endlich mal einer der kapiert, wo es langgeht!”
Ich quetsche mich so gut es geht auf den rechten Bereich meines weinroten Kinositzes und suche für meine Gesichtshaltung jeweils die Milimeter Saalluft, die mir nicht die ganze Flasche Old-Spice-Feeling in die Nase jagen. Ich weiß schon jetzt, dass ich eigentlich gar keinen Bock auf diesen Schwerenöter neben mir habe, wenn spätestens gegen Mitte des Films zu erwartende explizite Sexszenen abgespult werden. Ja, ich bin vielleicht albern, aber, so ist es.

Der Film läuft seit zehn Minuten, und die nächsten zu spät kommenden Weinglashalter entern den Kinosaal, drängen sich durch die Reihe hinter mir, zischeln, als ob es das irgendwie besser machen würde “Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung”, aber so, dass auch alle es hören können. “MEIN GOTT!”, schnaubt eine ältere Dame hinter mir angesichts des durch die Unpässlichen getrübten Film-”Vergnügens” beim Aufstehen und Menschen durchlassen, und eigentlich will ich mich sofort umdrehen und “Check” sagen, und ihr zur Versicherung meiner Solidarität meine High-Five anbieten. Doch das geht ja nicht, der Film läuft ja bereits.

Der Film. Teresa hat grad ihre halbwüchsige Tochter bei der Tante abgeliefert, um ihren Urlaub anzutreten. Und vorab: Margarethe Tiesel spielt super. Durchweg. Teresa kommt in Kenia an. Teresa wird im Kleinbus mit anderen Gästen ins Hotel gefahren und lernt das Wort, das dank Seidl in den nächsten Tagen auch ganz viele andere BildungsbürgerInnen lernen werden: “Jambo”. Dann liegt sie in der nächsten Szene mit ihrer Freundin am Strand, die eingeflochtene Haare hat, damit man merkt, dass bei ihr die Überidentifikation mit Kenia bereits schon volle Pulle eingetreten ist, und die Freundin erzählt Teresa von ihrem Boyfriend, und das ist jetzt “endlich mal einer der kapiert, wo es langgeht, ha!”.

Und dann sagt sie, dass sie sowieso jetzt zum ersten Mal im Leben den ganzen Quatsch sein lässt, wie rasieren, oder an ihren Haaren rumdoktern, oder sonst was, all den ganzen Scheiß, den sie früher immer gemacht hat um ihren jeweiligen Partnern in Österreich kurzzeitig “zu gefallen”. Das könnte eine empowernde Szene sein – ist es aber nicht, weil der ganze Film die spielenden Frauen zum Opfer der eigenen Optik macht. Der Body-Control-Impetus des Films schreit so hart und laut “Unvorteilhaft! Unvorteilhaft! Unvorteilhaft!”, dass ein paar Sitze weiter die Frau in der vorderen Reihe ihre Schokolade wieder in die Handtasche stopft.

 

Nicht ohne das N-Wort
Mäßigung. Bescheidenheit. Demut. Disziplin. Anti-Aging. Bloß nicht so enden wie Teresa und ihre Hood in Kenia! Die ganze White Male Sexualangst entlädt sich hier in einer nicht enden wollenden Bilderflut. Wohlfrisierte BildungsbürgerInnen im Filmsaal kichern wohlerzogen. So viel Voyeurismus, und das für unter zehn Euro! Das muss Kino sein! Am Strand stehen die männlichen Strandgänger hinter einer Absperrung und warten auf die ganzen Teresas. Das, immerhin, muss man dem Filmteam anrechnen: Es wurde direkt vor Ort gecastet. Und alle engagierten SchauspielerInnen spielen exzellent.

Irgendwann findet Teresa ihren ersten Boyfriend, Munga, und irgendwann geht es dann zur Sache. Mein Sitznachbar atmet schwer. Ein Bildungsbürger-Paar aus der ersten Reihe verlässt entrüstet den Kinosaal, schwungvoll werden die Mäntel auf die Arme bugsiert und im Lahmarschtempo der Saal verlassen, so dass man neben den Filmimpressionen auf der Leinwand auch noch die genervten Schattenfressen zweier Menschen sehen kann. “Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung!”, rufen sie in den Kinosaal, und ich denke mal wieder: “Kannste Dir nicht ausdenken.”

Eine Szene an der Hotelbar: Zwei Frauen versuchen, den Barkeeper zu bezirzen, und zwar mit Sprüchen, die so unlustig sind, dass sie sogar noch die Faustregel “So schlecht, dass es schon wieder witzig ist” torpedieren. Sie müssen dabei natürlich auch ganz oft das N-Wort sagen. Vielleicht ist das eine der Szenen, in denen Seidl “diesen Rassismus” zeigen wollte. Ist natürlich missglückt, erstens, weil man sich diesen Scheiß dramaturgisch genauso wie Blackfacing sparen kann, und zweitens, weil bei den anderen Kinobesuchern sowieso keine der subtilen Botschaften ankommen würde, weil sie sich ausgerechnet bei dem schlechtesten Witz der ganzen Szene (Barkeeper setzt sich Sonnenbrille auf. Urlauberin sagt: “Oh, coool, Man in Black!”) totlachen. Die reine Reproduktion des Rassismus. Ich wünsche mir eine Ladung Cabernet, literweise, intravenös, und am liebsten direkt ins Gehirn.

 

“So is das da halt in Afrika, schon schlimm”
Die Kenia-Impressionen: Slums und arme Leute. Noch mehr arme Leute, noch mehr Slums. Ach ja, und dann noch: Slums und arme Leute. “So is das da halt in Afrika, schon schlimm, ne”, flüstert ein Mann irgendwann seiner Begleitung zu. Ich erinnere mich an den letzten Kackfilm über Kenia, “Die weiße Massai”. Auch ein schlimmes Artefakt weißer Kolonialisierung der Neuzeit – nicht zuletzt deswegen, da Corinne Hoffmann aus ihrem Ex-Mann der Einfachheit halber einfach mal einen Massai gemacht hat, obwohl er Samburu ist. Corinne Hoffmanns Lebensgeschichte kommt mir auf einmal vor wie eine detaillierte, aufrichtige und ehrenwerte Fallstudie. Irgendwas stimmt hier nicht.

Die Kinobesucher müssen inzwischen auch kapiert haben, was “Hakuna Matata” heißt. Einige flüstern es nämlich zwischendurch und kichern dann wie bekloppt. Die Last des ansonsten spaßbefreiten Lebens fällt ihnen hier von den Schultern. Meine Spaßbefreiung läuft auf vollen Touren. Teresa, die sich ein paar Bier in einer Kneipe genehmigt hat, geht zurück zu Mungas Wohnung (aka Zimmer), mit dem sie sich vorher gestritten hat. Er ist nicht da. Also geht sie zu seiner Schwester. Die weiß nicht wo Munga ist und motzt Teresa an, sie solle verschwinden. Ein Raunen im Kinosaal, als die Schwester Teresa noch ein Schimpfwort hinterherruft, dass die Weiße nicht verstehen kann. Ich denke: Vielleicht kommt ja jetzt noch die große Wende.

Die kommt nicht. Aus Ermangelung an Munga sucht sich Teresa den nächsten Gefährten, und entdeckt dann an einem anderen Tag Munga mit seiner vermeintlichen Schwester, die eigentlich seine Ehefrau ist, am Strand. Die Frau hält das gemeinsame Kind auf dem Arm, während Teresa Munga an den Haaren aus dem Wasser an den Strand zieht, um ihm ein paar Backpfeifen zu geben. Unterwürfig entschuldigt er sich. Das Publikum macht erleichtert “Puh”, denn so geht`s ja nicht, und jetzt hat sie`s ihm ordentlich zurückgegeben. Die Kolonialisierung ist jetzt weiblich, wenn sie dem Schwarzen Mann was auf die Fresse geben kann – das soll wohl die Botschaft sein. Der männliche Protagonist bleibt selbst in seiner Rolle das kolonialisierte Objekt, als Schauspieler wird ihm nicht einmal der Raum geboten, den er durchaus füllen könnte. Ich möchte gerne kotzen.

 

Progressiv und feministisch ist was anderes
Irgendwann am Ende des Films läuft die Szene, die die Feuilletonisten (ja, ich weiß: “Hahaha!”) im Zuge von “Frauen holen nach, was Männer sich immer schon geholt haben!” als super-progressiv und feministisch feiern: Eine Orgie von vier Frauen mit einem Mann, der auf keine der Beteiligten Bock hat. Das hat nix mit Feminismus zu tun, und progressiv ist es auch nicht: Da zeigt sich nur der alte Scheiß, dass wer genug Kapital hat – oder, in diesem Fall: vielleicht auch noch weiß genug ist um mit seiner ansonsten bescheidenen Gehaltsklasse anderswo den Zampano zu machen, und zwar aufgrund verschiedener Lebenshaltungskosten – sich eben nimmt was er will. Keine Pointe.

Was “Paradies: Liebe” zumindest geschafft hat: Dass sich zum Beispiel die WELT mit Headlines á la “Suche flotten Afrikaner, bezahle für Sex” schmücken kann. Hahahaha!  “Ulrich Seidl ist bekannt für seine schonungslose Analyse sozialer Verhältnisse”, sagt man. Das schonungslose Analysieren sozialer Verhältnisse sollte man dann zukünftig lieber wieder den Geisteswissenschaftlern vor Ort überlassen. (Erstmals erschienen am 04.01.13 auf shehadistan.wordpress.com)

Paradies: Liebe seit 3. Januar 2013 im Kino.

Buchtipps von Gazelle-Leserinnen – Von Maria – DIE STADTWÖLFIN

Liebes Gazelle-Team!
Ich heiße Marie und komme aus Friedrichshafen. Meine Hobbys sind Natur, Kräuter und Lesen, wozu ich immer wieder reichlich Informationen in der Gazelle finde.
Als Leserin möchte ich heute meinen ganz persönlichen Buchtipp für andere Leserinnen abgeben:
Die Stadtwölfin” von Sylvie Wolff ist eine freche, spritzige Werwolfkomödie um die unscheinbare BWL-Studentin Eva, die bei einem harmlosen Flirt in der Bonner Altstadt mit Lykanthropie infiziert wird und sich von da an langsam aber sicher in einen Werwolf verwandelt. Besser gesagt: Ihr Körper bereitet sich darauf vor, beim nächsten Vollmond vorübergehend zu einem Wolf zu werden. Das ist an sich nichts Neues, aber diese tollpatschige und etwas naive junge Frau dabei zu begleiten, wie sie von einem Fettnäpfchen ins andere stolpert (Warum findet sie Meerschweinchen plötzlich nicht mehr süß sondern lecker? Und was zum Kuckuck soll man beim Geschäftsessen bestellen, wenn man keine Lust mehr auf Salat hat?), macht wirklich Laune, ich habe Tränen gelacht.
Gibt es als TB und E-Book.
Liebe Grüße, Marie

Nadia Kailouli auf den Spuren der Liebe und warum Markus Lanz kein Gottschalk ist

Moderatorin Nadia Kailouli-Taulli (c)WDR Thomas Kierok

Moderatorin Nadia Kailouli (c)WDR Thomas Kierok

Eine dynamische Frau, die weiß was sie will.
Die Rede ist von Nadia Kailouli. Moderatorin der Sendung Einsweiter bei einsfestival. Ihre aktuelle Sendung heißt „Nadia auf den Spuren der Liebe“, die gleich für das „Eurovision Creative Forum“ nominiert war. Es geht um Liebe und Sexualität in unserer heutigen Gesellschaft mit Gästen wie Lady Bitch Ray oder einer Managerin.

Nadia Kailouli wurde im Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen geboren. Ihre Eltern kommen aus Marokko. Nadia Kailouli liebt ihre Kulturvielfalt. Den Bambi für Integration möchte sie dafür aber auf keinen Fall bekommen. Denn ihr, genau wie ihren Eltern, so sagt sie, war es immer wichtig, dass sie und ihre Geschwister sich in Deutschland und in Marokko zu Hause fühlen.
Sie selbst beschreibt sich als neugierig, lebensfroh und wenn es ans Diskutieren geht, nicht mehr zu bremsen. Zu diskutieren hat Nadia Kailouli sicher viel in ihrem Job als Fernsehmoderatorin. Was sie sonst noch erlebt, wie sie überhaupt Moderatorin geworden ist, was sie von der Zukunft erwartet und der neuen “Wetten, dass…” Sendung mit Markus Lanz  hat sie unserer Autorin Anne Moll im Interview verraten. [Read more...]

 

Du hast einen Job, von dem viele träumen und der auch für viele ein Traum bleibt. Wie hast Du den Sprung ins Fernsehn geschafft? Wie bist Du Moderatorin geworden?

Ich habe 2007 ganz spontan an einem Casting im Auftrag des Bayerischen Rundfunks teilgenommen. Damals wurden neue Moderatoren für ein neues Jugendformat gesucht. Unverhofft kommt oft: Plötzlich war ich Live-TV-Moderatorin der Sendung Südwild.

 

Und wie kam der Wechsel vom Bayrischen Rundfunk zu Einsfestival ARD zustande?

Als ich beim BR aufgehört habe und mich nach einem neuem Projekt umgesehen hatte, sagte meine Schwester: „Bewirb dich doch bei Einsweiter!“ Die Sendung Einsweiter kannte ich schon länger und sie hat mir gut gefallen.
Warum nicht, ich kann es ja mal probieren, dachte ich. Ich bewarb mich also und wurde zu einem Casting eingeladen. Kurz vor Weihnachten 2010 hatte ich die Zusage als Moderatorin bekommen. Ich kann mich noch ganz genau an diesen Abend und den Anruf erinnern. Ich habe mich so gefreut und war absolut glücklich.

 

Was ist wichtig, wenn man Moderatorin werden möchte? Muss man einem bestimmten Typ entsprechen?

Neugierig sein und immer Interesse daran haben Neues zu lernen. Offen und ohne Scheu auf Menschen zugehen können gehört dazu, denn man trifft unglaublich viele unterschiedliche Menschen.
Sich auf sein Gegenüber einstellen. Aber auch richtig Lust drauf haben vor der Kamera zu stehen. Im Einzelnen zählt natürlich auch für welches Format man moderiert.

 

Die meisten Moderatoren im TV sind ja sehr schlagfertig. Ist Schlagfertigkeit eine Voraussetzung, kann man das trainieren?

Es ist bestimmt keine schlechte Eigenschaft, aber nicht die Wichtigste. Schlagfertig-Sein sollte, kann man meiner Meinung nach nicht trainieren. Es wirkt nicht echt und kann im schlimmsten Fall nach hinten losgehen. Warum sollte man sich in eine Richtung trimmen, die man nicht ist. Geistesgegenwart ist der Schlüssel.

 

Was magst Du am meisten an deinem Job?

Ich liebe meinen Job. Einfach so. Ich kann es wirklich nicht anders sagen. Es ist toll, immer wieder Neuland betreten zu dürfen.

 

Und was nervt Dich am meisten?

Jeder Job, auch der als Moderator, hat mal Tage an denen es nicht so gut läuft.

 

Wie soll es beruflich für Dich weitergehen? Hast Du bestimmte Vorstellungen oder Wünsche?

Ach, Wünsche habe ich viele. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann: Mein Job ist genau das, was ich machen will. So gut und so lange wie möglich. Ich halte Augen und Ohren offen.

 

Was sagst Du zum deutschen Fernsehprogramm? Würdest Du etwas verändern oder besser machen?

Ich bin ein Mensch, der sehr gerne fern sieht. Ich bin immer neugierig, was die unterschiedlichen Programme anbieten. Klar, zwischendrin bin ich schon etwas erschrocken, was für Sendungen so im deutschen Fernsehen laufen, ich bin aber noch mehr darüber erschrocken, dass diese Sendungen gute Einschaltquoten haben. Das deutsche Fernsehen bietet einen guten Mix zwischen Bildung und Unterhaltung. Wir haben tolle Nachrichten-Magazine und Politiktalkshows, auch gute Unterhaltungsformate und gute Comedy. Ich bin auch kein Feind von Model-Contests im Fernsehen. Das kann durchaus unterhaltsam sein. Das italienische Fernsehen finde ich um einiges bedenklicher als das deutsche Fernsehen.

 

Wie erklärst Du Dir, dass die öffentlich-rechtlichen Sender Schwierigkeiten haben junges Publikum zu gewinnen. Wird Deiner Meinung nach genug getan um junges Publikum zu begeistern?

Ich finde schon, dass die öffentlich-rechtlichen Sender Angebote für das junge Publikum haben, aber zu wenig. Wenn man sich das Programm von rbb, mdr oder BR anschaut merkt man natürlich, dass diese verstärkt älteres Publikum bedienen. Was ja auch irgendwie klar ist, weil ältere Leute die Haupteinschaltquote ausmachen. Um ein junges Publikum anzusprechen, reicht es natürlich nicht aus, die eine oder andere Sendung mit einem unter 30 jährigen Moderator zu besetzten. Allein das Studio-Design und die Outfits machen schon viel aus. Kochen, Reisen, Diskussionen, Magazine usw. interessieren auch Menschen unter 55, aber Sendungsaufbau und Moderator müssen modern sein. Man muss auch sagen, dass das Internet für das junge Publikum immer mehr zum Ersatz für das Fernsehen wird und da finde ich sind die öffentlich-rechtlichen Sender gut mitgezogen und bieten einen guten Internetauftritt wie z.B. die Mediathek.

 

Aktuell will das ZDF mit „Wetten, dass…“ und Markus Lanz als neuer Moderator des Formats, das jüngere Publikum erreichen. Ist es ZDF und Lanz deiner Meinung nach gelungen?

Ich glaube nicht, dass durch das neue “Wetten dass…” ein jüngeres Publikum erreicht wird, zumindest nicht nach der ersten Sendung. Aber ich denke, dass am Anfang natürlich einige neue Zuschauer dazu kommen sind, die neugierig auf den neuen Showabend im ZDF sind. Aber gut, kein Gottschalk ist vom Himmel gefallen. Ich denke, wenn das ZDF mehr junge Zuschauer erreichen möchte, hätte es kein neues “Wetten dass…” sondern eher ein neues Format geben müssen.

 

Liebe Nadia, wir danken für das Gespräch.

BUCHTIPP: Sitzen vier Polen im Auto von Alexandra Tobor

von Bettina Scriba

Alexandra Tobor, Sitzen vier Polen im Auto, Ullstein Verlag, 2012

Alexandra Tobor, Sitzen vier Polen im Auto, Ullstein Verlag, 2012

Die Geschichte, wie das Buch „Sitzen vier Polen im Auto“ zu mir fand, könnte man im 21. Jahrhundert wohl kaum schöner erzählen. Seit einiger Zeit folge ich Alexandra Tobor alias @silenttiffy auf Twitter und erfreue mich an ihren Tweets. So wurde ich auch auf ihr Buch „Sitzen vier Polen im Auto“ aufmerksam. Selten habe ich so viele positive Rückmeldungen zu einem Buch gelesen. Begeisterung, die via Twitter kommuniziert wurde. Das hat mich neugierig gemacht, und ich wurde nicht enttäuscht.

Wie alles begann
Kater Leon, erst vor kurzem dank Oma‘s Hilfe in hohem Bogen aus dem Osterglockenbeet und über den Zaun geflogen, war schon wieder im Gefahrenbereich unterwegs. Alexandra rennt aus dem Haus und rettet den Kater, indem sie ihn durch ein offenes Kellerfenster von Omas Haus wirft – und klettert selbst hinterher. Dort entdeckt sie Ouelle, einen Quellekatalog. „Das Wort, falls es überhaupt ein Wort sein sollte, ergab keinen Sinn. Durch das O schob sich von rechts eine kleine Hand“. In diesem Katalog entdeckt sie eine Art Parallelwelt, die sie völlig verzaubert. Und die „B, R, D“ wird zum Wunschziel Nr. 1. Coca-Cola, Schulranzen und Capri-Sonne grüßen in den Erzählungen der Klassenkameradinnen und Onkel Marek ist ja auch schon „rausgefahren“. [Read more...]

Weihnachten steht Marek dann mit einem großen Auto mit silbernem Stern und jeder Menge Geschenke vor der Tür. Er schwärmt von seiner neuen Heimat Deutschland. Im August 1989 ist es dann soweit. Mit ihren Eltern und ihrem Bruder zwängt sich Alexandra, damals acht Jahr alt, in einen kleinen senfgelben Fiat Polski. Zwei Wochen wollen sie in Dojczland verbringen und sehen, ob sie in diesem Land glücklich sein könnten. Das Abenteuer beginnt.

Eingewöhnen in einem fremden Land
„Ich war durch einen magischen Spiegel getreten. Ich befand mich in einer verzauberten Welt.“ Nach einem kurzen Besuch bei Onkel Marek beginnt die Realität. Untergebracht sind sie zunächst in einer Turnhalle für Aussiedler, dann teilen sie sich zu viert ein Zimmer in Unna-Massen. Und das Leben in Deutschland wird entdeckt. Die Bürgersteige sind intakt, die Menschen tragen kaputte Jeans und essen Pizza. Die Geschäfte haben verwirrende Namen. „Ein Schuhgeschäft hieß nicht einfach „SCHUHE“, sondern beispielsweise „Deichmann“, was, wie Papa im Wörterbuch nachgeschlagen hatte, womöglich etwas mit Deichen, aber rein gar nichts mit Schuhen zu tun hatte.“ Ihrer Oma berichtet sie von den lustigen Süßigkeiten: „Wenn man den Schnullerzipfel abbeißt, werden HARIBO Klobrillen draus.“

Schule ist das, was man draus macht  
In der Schule wird Alexandra gehänselt, die Klassenkameraden machen ihre Späße, und dann ist da noch Dominik, der ihr den Mars-Riegel klaut. So eine Gemeinheit. Beide treffen sich im Förderunterricht wieder und werden Freunde. Als eines Tages Oma Greta vor der Tür steht, reißt sie das Zepter an sich. Als Dominik zu Besuch ist, kocht sie einen Topf voller kisiel. „Boah, grüner Mutantenschleim!”, rief er und klatschte in die Hände wie ein erfreutes Kind. Der kisiel in den Schüsseln war grün, weil er Apfelgeschmack hatte.“

Deutsche Heimat
Schließlich, auch dank der witzigen Tatkraft von Oma Greta, zieht die Familie in eine 4-Zimmer-Wohnung. „Als vor drei Monaten die Möbelpacker von OTTO mit meinem «Jugendzimmer» gekommen waren, wäre ich vor Stolz beinahe geplatzt.“ 1991 folgt Alexandra‘s Erstkommunion mit Höhen und Tiefen: „Die Realität ließ sich nicht länger verleugnen: Ich war einfach keine Prinzessin und würde nie mehr sein als eine polnische Gans, die sich in eine alter Gardine wickelt, um mit auf den Ball zu dürfen.“

Lohnt es sich?
Die „teutonischen Abenteuer“ von Alexandra Tobor machen richtig Spaß. Es gibt viel zu schmunzeln über Klischees, Vorurteile und die großen und kleinen Dinge, die einem in einem fremden Land passieren können – und werden!

Meine Lieblingstextstelle ist die erste Essensausgabe in der Turnhalle: „Jeder von uns bekam eine silbern umhüllte Schale in die Hände gelegt, die aussah wie ein Raumschiff. Sobald man den silbernen Deckel abzog, wurde man von einem außerordentlichen Anblick überrascht: Die Nahrung dampfte aus drei Einzelkammern, drei Raumkapseln aus perlweißem Plastik. Der Luxus eines eigenen Zimmers, für die meisten polnischen Kinder ein ferner Traum, wurde in Deutschland sogar Erbsen, Kartoffeln und Würstchen zuteil!“

Alexandra Tobor’s Roman „Sitzen vier Polen im Auto“ ist die ideale Sommerlektüre für Balkonien, den Strand, den Badesee. Die Sprache ist witzig, so wie man es von den Tweets von @silenttiffy auch gewohnt ist. Es sind die Eindrücke einer jungen Frau, die ihre ersten acht Jahre in Polen verbrachte, bevor sie mit der Familie aussiedelte. Eine Geschichte von Hoffnung, Träumen, Entbehrungen und skurrilen Eindrücken.

„Und wenn ich zu Hause vorwurfsvoll berichtete: «Patrizia hat eine Hose von Levis», konterte Mama: «Und du hast eine Hose von Sonderangebot.»“

Das Buch „Sitzen vier Polen im Auto“ ist seit Juni 2012 im Handel erhältlich. Die 1. Auflage hat es direkt auf die Spiegel Taschenbuch-Bestsellerliste Sachbuch geschafft.

Alexandra Tobor
Sitzen vier Polen im Auto
Ullstein Verlag, € 9,99
268 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978-3-548-28374-6

KINO: Wer ist Starbucks ab 16.08.12 im Kino

(c) Mediaworx

(c) Mediaworx

David Wozniak (Patrick Huard) benimmt sich auch mit seinen 42 Jahren wie ein unreifer Teenager. Ausgestattet mit einem großen Herzen aber ohne jegliches Verantwortungsgefühl manövriert er sich mit geringstem Widerstand durch sein überschaubares Leben. Als seine Freundin Valerie (Julie LeBreton) ihm eröffnet, dass sie schwanger von ihm sei und ihm gleichzeitig den Laufpass gibt, schwört David sich, sein Leben endlich auf die Reihe zu bekommen und ein guter Vater zu werden. Just zu diesem Zeitpunkt erfährt er, dass er bereits Vater ist. Und zwar von 533 Kindern. Vor 20 Jahren hat David sein Leben durch – offensichtlich sehr viele – anonyme Samenspenden finanziert. 142 seiner 533 Töchter und Söhne strengen nun eine Sammelklage an, durch welche die Identität ihres biologischen Vaters offengelegt werden soll, den sie aus den Unterlagen der Samenbank nur unter dem Pseudonym „Starbuck“ kennen….
Hier gehts zum TRAILER

Mehr Infos gibt es auf der Webseite www.weriststarbuck.de

BUCHTIPPS: Sachbuch – Biografie – Unterhaltung – Bildung

Mal wieder in der Buchhandlung oder Online erschlagen von all dem Bücherangebot? Gazelle versucht zu helfen!

 

*BIOGRAFIEN*

how to be a woman (c) Ullstein

how to be a woman (c) Ullstein

Caitlin Moran – how to be a woman (Wie ich lernte, eine Frau zu sein)
Ullstein, 16,99€, 383 Seiten

Der Bestseller aus England erzählt die Geschichte der 15-Jährigen Caitlin Moran, die im wahrsten Sinne des Wortes nullkommanull Freunde hatte. Aber viel Zeit ihren ersten Roman zu schreiben, ‘Die Chroniken von Narnmo’. Mit 16 fing sie an für die Musikzeitschrift Melody Maker zu schreiben und mit 18 moderierte sie für kurze Zeit auf Channel 4 die Popsendung Naked City.
Daraufhin arbeitete sie 18 Jahre lang als Fernsehkritikerin für THE TIMES. In ihrem aktuellen Buch how to be a woman erzählt sie ihren Weg zur Emanzipation und stolzen Feministin. Sehr unterhaltsam, erfrischend und mit Haltung. [Read more...]

 

Serena (c) Brockmeyer

Serena (c) Brockmeyer

Gisela Knaup – Serena (Ein halbes Leben in Deutschland)
Brockmeyer Verlag, 19,90€, 211 Seiten

So mancher denkt hierzulande: Was haben diese vielen Ausländer eigentlich in Deutschland zu suchen? Serena erzählt die Lebensstationen einer brasilianischen Einwandererin mit deutschem Pass: Stolpersteine und Schwierigkeiten, Erfolge und Perspektiven.

1990 fährt eine junge Frau von Brasilien, wo sie als Lehrerin gearbeitet hat, nach Deutschland, um dort zwei bis drei Jahre zu studieren. Sie kommt zum Studium ins Ruhrgebiet und lebt hier nicht zwei, sondern mehr als 20 Jahre. Sie heiratet einen Südafrikaner und in zweiter Ehe einen tamilischen Flüchtling mit zwei deutschen Kindern. Jahrelang kämpft sie mit Behörden und mit interkulturellen Konflikten, erreicht aber letztendlich den ersehnten Studienabschluß, einen deutschen Pass und eine Stelle als Pädagogin. In ihrer neuen Heimat wider Willen führt Serena ein anstrengendes Leben mit vielen Schwierigkeiten, Umwegen, Widerständen und Rückschlägen, aber auch mit Unterstützung durch Freunde und Fremde. Die Lebensgeschichte einer jungen Frau, die oft zwischen zwei Stühlen sitzt und doch nicht aufgibt, bis sie sich, erfolgreich integriert, im Ruhrgebiet zu Hause fühlt. Eine romanhafte Biographie über ein halbes Leben in Deutschland intensiv, turbulent, ungewöhnlich.
Neben all den muslimisch-türkisch-arabischen Biografien eine interessante Abwechslung.

 

Bossypants (c) Rowohlt

Bossypants (c) Rowohlt

Tina Fey – Bossypants (Haben Männer Humor)
Rowohlt Polaris, 13,95€, 281 Seiten

Die erfolgreichste Comedy-Frau der Welt erzählt ihre Geschichte. Die Geschichte eines schüchternen, wenig selbstbewussten Mädchens aus der Vorstadt, das als Kind nicht sehr ansehnlich war, als Studentin immer mit den Schwulen rumhing, mal zu dünn war, mal zu dick, aber nie richtig, und sich dann vornahm, die letzte Männerbastion zu knacken: die Welt der Comedy.
Tina Fey hat gekämpft und auch gesiegt – und doch ist ihr klar, dass selbst die emanzipierteste Frau der Welt die Waffen strecken muss, wenn es um Themen wie «zu breite Hüften» oder «Winkfleisch» geht.
Köstliche Pointen mit einem klugen Blick auf die amerikanische Gesellschaft und Medienwelt.

 

 

 *SACHBUCH*

Weiblich, Jung, Flexibel (c) Herder

Weiblich, Jung, Flexibel (c) Herder

Felicitas Pommerening- Weiblich, Jung, Flexibel (Von den wichtigen Momenten im Leben und wie man sie am besten verpasst)
Herder, 14,99€, 178 Seiten

Die Freundinnen Carlynn und Ellen haben ihren Universitätsabschluss in der Tasche und stehen vor den großen Fragen: Was wollen wir eigentlich? Wie sieht die Zukunft aus? Traummann? Kinder? Job? Bei ihrer Suche nach Antworten stoßen sie auf die Schwierigkeiten, die viele haben: Beruflicher Druck steht gegen eigene Wünsche; persönlicher Ehrgeiz gegen die Einflüsse von Freunden und Familie. Und die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung muss immer wieder abgewogen werden gegen die Erwartungen der Gesellschaft.
Felicitas Pommerening schreibt über eine Generation, die mehr Möglichkeiten hat als jede andere zuvor, und über die Schwierigkeiten, dabei das eigene Glück zu finden.
Das Buch gibt Einblicke über die Gedanken der heutigen Frauengeneration in Deutschland.

 

 

Die Feigheit der Frauen (c) C. Bertelsmann

Die Feigheit der Frauen (c) C. Bertelsmann

Basch Mika – Die Feigheit der Frauen
C.Bertelsmann, 14,99€, 254 Seiten

Die Autorin Bascha Mika sagt: Genug mit dem Geschlechtertheater! Frauen betrügen sich selbst. Geben wir es zu: Wir Frauen haben es vermasselt und pflegen unsere Geiselmentalität. Wir fordern ein eigenes Leben und stolpern doch in die selbstverschuldete Unmündigkeit. Wir reden von Selbstbestimmung und erliegen doch der Faszination traditioneller Rollen. Rhetorisch sind wir emanzipiert, doch in der Praxis versagen wir jämmerlich. Wir ordnen uns unter. Freiwillig. Weil es bequem ist, weil wir Konflikte scheuen, weil wir davon profitieren. Frauen sind zu feige.
Sie fordert von sich und anderen Frauen den Mut, dem selbstgewählten Rückfall in alte Rollenmuster zu widerstehen und sich vom Selbstbetrug zu verabsichtigen. Ein Debattenbuch, was ein Nachdenken über weibliches Leben in Deutschland anregt.

 

 

 

Danke, emanzipiert sind wir selber (c) Piper

Danke, emanzipiert sind wir selber (c) Piper

Kristina Schröder – Danke, emanzipiert sind wir selber! (Abschied vom Diktat der Rollenbilder)
Piper, 14,99€, 240 Seiten

Die Autorin meint, Feministinnen wie Alice Schwarzer und Strukturkonservative wie Eva Herman haben eines gemeinsam: Sie wissen genau, wie das richtige Frauenleben auszusehen hat. »Hört auf damit!«, sagt Kristina Schröder. »Wir brauchen keine Rollendiktate, weder von der einen noch der anderen Seite, und auch nicht von der Politik.«
Kristina Schröder hat Karriere gemacht und gerade ein Kind bekommen. Steht sie deshalb für ein Leitbild, an dem junge Frauen sich orientieren sollen? Nein, sagt sie, die Frauen von heute brauchen keine Leitbilder! Feministinnen machen den gleichen Fehler wie die Strukturkonservativen auf der anderen Seite des politischen Spektrums: Beide schreiben vor, wie das ideale Frauenleben auszusehen hat. »Gefährlich und falsch!«, sagt Kristina Schröder. Frauen (und Männer!) sollen endlich frei wählen können, wie sie ihr Leben gestalten wollen, ob mit oder ohne Familie, mit oder ohne Karriere. Diese Entscheidungen sind privat. Politik sollte keine Leitbilder vorgeben, sondern sicherstellen, dass alle Männer und Frauen Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben und ihrer Verantwortung in Familie und Partnerschaft gerecht werden können. Welche Wege dahin führen zeigt sie in diesem zugleich politischen und persönlichen Buch.
Ein Buch voller Wohlstandsklagen ohne konkrete Lösungsvorschläge. Lohnt nicht wirklich.

 

*UNTERHALTUNG*

 

Das WG-Lexikon (c) Eichborn

Das WG-Lexikon (c) Eichborn

Markus Henrik – Das WG-Lexikon (Partys, Protest und Prokrastinieren)
Eichborn, 10,00€, 155 Seiten

Was ist eine WG? Eine Keimzelle für politische Agitation? Eine Keimzelle für Keime? Oder doch nur die Anlaufstelle für die Liebe des Lebens und das gleich mehrmals hintereinander mit verschiedenen Personen? Dieses Buch gibt auf all diese und noch viel mehr Fragen ganz besondere Antworten. Und wer genau hinschaut, wird außerdem einige außergewöhnliche Tipps finden, die das WG-Leben von Grund auf bereichern werden!
Ob in einer WG lebend oder nicht, auf jeden Fall ein Lexikon indem das Nachschlagen einen Mordsspaß macht.

 

*BILDUNG*

 

Der Apparat (c)Brunnen Verlag

Der Apparat (c)Brunnen Verlag

Jeannette Schweitzer – Der Apparat (Meine Jahre bei Scientology)
Brunnen Verlag, 9,95€, 128 Seiten

Tom Cruise und Katie Holmes haben sich scheinbar schnell im Scheidungsverfahren geeinigt. Doch können Holmes und ihre Tochter Suri den Scientologen so einfach den Rücken kehren? Welche Gefahr droht Katie durch Scientology? Jeannette Schweitzer hat ihre eigenen Erfahrungen mit Scientology gemacht. Als jahrelanges Mitglied der Organisation wurde sie Opfer psychischer Manipulation, Erpressung und krimineller Machenschaften. Erst als sie sozial völlig isoliert und finanziell ruiniert war, schaffte sie den Ausstieg aus dem System.
In ihrem Buch „Der Apparat – Meine Jahre bei Scientology“ schildert Schweitzer das Innenleben der Organisation und ihre Erlebnisse.

 

 

 

 

Wegweiser (c) Wochenschau Verlag

Wegweiser (c) Wochenschau Verlag

Hsg. Stephan Bundschuh, Ansgar Drücker, Thilo Scholle – Wegweiser „Jugendarbeit gegen Rechtsextremismus“
Wochenschau Verlag, 19,80€

Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts kann als Jahrzehnt der „Normalisierung“ von Rechtsextremismus und einer ihn kritisierenden gesellschaftlichen Praxis bezeichnet werden. Dazu gehört die Einsicht, dass das Thema Rechtsextremismus dauerhaft auf der pädagogischen und politischen Agenda bleibt. Die Zeit scheint daher reif für ein Zwischenfazit, zumal durch das Bekanntwerden der NSU-Morde eine neue und vermutlich wiederum vorübergehende Welle der öffentlichen Aufmerksamkeit auf das Thema Rechtsextremismus gerichtet ist, die für Weichenstellungen in der Gesellschaft, aber auch in der Jugendarbeit genutzt werden kann.
Der Wegweiser „Jugendarbeit gegen Rechtsextremismus“ stellt die Standards der Jugend(sozial)arbeit, zentrale Aspekte einer Pädagogik in Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und aktuelle Diskussionen um Demokratie- und Menschenrechtspädagogik vor. Praxisreflexionen und ein Planspiel leuchten das Spektrum dieser Jugendarbeit aus. Das Buch bündelt aktuelle Forschungsperspektiven und bietet eine reflektierte und praxisorientierte Handreichung für Akteure der Jugendarbeit und der politischen Bildung. Der Praxisteil der Buchveröffentlichung enthält beispielsweise das von IDA e. V. entwickelte Planspiel „Braucht Cityville eine Bürgerwehr?“ mit Anleitungen und reflektierten Praxiserfahrungen.

Fast verheiratet: Ab 12. Juli 2012 im Kino

© Universal Pictures, Fast verheiratet

© Universal Pictures, Fast verheiratet

Von Bettina Scriba
Es fängt alles rosarot an. Nicht nur, weil es zwischen Violet und Tom auf einer Silvesterparty funkt und Liebe auf den 1. Blick ist. Sondern auch, weil Tom an diesem Abend als rosaroter Hase verkleidet ist. Violet verbringt die letzten Stunden des alten Jahres als Prinzessin Diana.

Der Alltag beginnt
Ein Jahr später macht Tom (dargestellt von Jason Segel) seiner Violet (Emily Blunt) einen Heiratsantrag, bei dem zwar fast nichts wie geplant abläuft, doch das Ja am Ende ist ja das Wichtigste. Und das sagt sie.

Die Verlobungsfeier und das gemeinsame Leben in San Francisco genießen die beiden und beginnen mit den Hochzeitsvorbereitungen. Doch dann ziehen erste Wolken auf. Violet bekommt eine befristete Stelle an der University of Michigan angeboten. Tom, der kurz vor der Beförderung steht, gibt kurzerhand seinen Job auf. Beide ziehen um und schaufeln sich durch die Schneemassen der harten Winter in Michigan. Aus den geplanten zwei Jahren werden vier. Die Tage und Wochen ziehen vorüber, die Hochzeit muss warten und Tom wird zunehmend unzufrieden. Violet erzählt er davon nichts, verändert sich allerdings nicht nur psychisch sondern auch optisch sehr stark. Sie blüht in ihrer Arbeit auf, lernt neue Leute kennen. Und nach und nach schlittern die beiden in eine handfeste Krise. Ob die beiden es am Ende doch noch vor den Traualter schaffen? Ansehen und herausfinden! [Read more...]


Was Sie erwartet

Die Liebesgeschichte „Fast verheiratet“ ist romantisch (schließlich geht es um frisch Verliebte!) und bringt zugleich viele Qualitäten einer Komödie mit. Ein schönes Slapstick-Beispiel: Violet will sich mit Tom in einen Schneehaufen fallen lassen und rumknutschen. Er zögert, lässt sich dann doch überreden, hüpft auch und knallt prompt auf einen Hydranten, der sich unter dem Schnee befindet.

Der Film ist nette Kinounterhaltung mit ein paar Längen, aber kein Must-See und hat weniger Tiefgang als zum Beispiel „Lachsfischen im Jemen“ (ebenfalls mit Emily Blunt). Dafür wirken Blunt und Segel sehr authentisch und sympathisch. Sehr lustig fand ich den Showdown zwischen Krümmelmonster und Elmo.


Das sagt die Filmcrew

© Universal Pictures, Fast verheiratet

© Universal Pictures, Fast verheiratet

Regisseur Nicholas Stoller: „Wir wollten einen Film drehen, der emotional komplex ist, doch natürlich schrieben wir das Ganze als breit angelegte Komödie. Wir wollten kein einziges Problem auslassen, dem man begegnet, wenn man vor hat zu heiraten.“

Emily Blunt: „Die Geschichte handelt von grundlegenden Aspekten einer Beziehung. Sie zeigt, wie die Dynamik sich täglich ändern kann, je nachdem wie eine Person sich fühlt und sich das auf die andere auswirkt. Sie fängt ganz hervorragend das ewige Tauziehen zwischen zwei Personen ein, aber eben auch all die wundervollen Dinge, die sich entwickeln können, wenn man sich liebt.“

Jason Segel: „Tom hat diese Vorstellung im Kopf, dass man in Beziehungen manches einfach aushalten und aussitzen muss. Deine Aufgabe als Mann ist es, die Frau glücklich zu machen. Mehr nicht.“

„Fast verheiratet“ kommt am 12. Juli 2012 in den deutschen Kinos.

 

Originaltitel: The Five-Year Engagement
Darsteller:
Jason Segel (How I Met Your Mother, Nie wieder Sex mit der Ex, Die Muppets, Beim ersten Mal, Slackers)
Emily Blunt (Der Teufel trägt Prada, The Royal Family, Dan – Mitten im Leben!, Young Victoria, Wolfman)
Chris Pratt (Zero Dark Thirty, Ten Year, O.C. California, Everwood)
Alison Brie (Save the Date, Scream 4, Montana Amazon)
Rhys Ifans (Notting Hill, Harry Potter Teil 1, Radio Rock Revolution, Schiffsmeldungen)
Drehbuch: Jason Segel und Nicholas Stoller
Regie: Nicholas Stoller
Den Trailer und weitere Informationen zum Film gibt es unter http://www.fastverheiratet.at/fastverheiratet/ .

KINOTIPP: Cosmopolis

Odyssee im Schritttempo

Von Kai Döring

Macht Geld glücklich? In seinem neuen Film „Cosmopolis“ beantwortet Teenie-Star Robert Pattinson diese Frage nicht überraschend, aber mit erschreckenden Blicken in die menschliche Psyche. Regisseur David Cronenberg ist eine faszinierende Parabel auf die Finanzkrise gelungen.

Es könnten Demonstranten von Occupy sein. In goldene Thermodecken gewickelt und mit Regenschirmen bewaffnet sitzen sie auf dem Boden und belagern den Eingang. Sie lagern jedoch nicht vor den Türen einer Bank, sondern vorm „Kino International“ in der Karl-Marx-Allee im Ostteil Berlins. Und sie warten auch nicht auf die Repräsentanten irgendwelcher globalen Konzerne, sondern auf ihren Star, den Schauspieler Robert Pattinson.

Der ist berühmt geworden durch seine Rolle des Vampirs Edward in der „Twilight“-Saga. In seinem neuesten Film ist der Teenie-Star erwachsen geworden – zumindest auf den ersten Blick. In „Cosmopolis“ spielt Pattinson den 28-jährigen Börsenspekulanten Eric Packer, der an einem Tag im April 2000 ein ganz menschliches Bedürfnis hat: Er möchte zum Friseur. [Read more...]

 

Theaterszenen in der isolierten Limousine

Doch dieser sonnige Frühlingstag ist kein gewöhnlicher: Der amerikanische Präsident ist in der Stadt, gewalttätige Globalisierungsgegner ziehen durch die Straßen und Packers Sicherheitschef wurde vor einem Attentat auf den jungen Unternehmer gewarnt. Der aber lässt sich von seinem Plan nicht abbringen und so setzt sich seine Limousine, eine rollende Festung mit abgedunkelten Scheiben, eingebauter Bar, Toilette und Dutzendenden blinkender Monitore, auf denen im Sekundentakt aktuelle Börsenkurse erscheinen, in Bewegung.

Im Schritttempo geht es durch Manhattan. Begleitet wird Eric Packer auf seiner Odyssee abwechselnd von seiner Frau, seiner Geliebten, seinem Leibarzt oder seiner Cheftheoretikerin. Sie alle steigen zu und ein paar Straßenecken weiter wieder aus. Wie Theaterszenen hat Regisseur David Cronenberg die Begegnungen aneinandergereiht.

Während Packer mit seiner Frau streitet, von seinem Arzt an der Prostata untersucht wird, mit seiner Geliebten schläft und nebenbei auf einen fallenden Yuan wettet, gerät die Welt außerhalb seiner lärmisolierten Limousine aus den Fugen. Demonstranten zünden Mülltonnen an und besprayen Packers Wagen, seine Frau trennt sich von ihm und sein milliardenschweres Finanzimperium zerbricht. Und dann wartet ja noch der Attentäter auf seine Chance, endlich zuzuschlagen.

 

Der rechte Film zur rechten Zeit

Mit der Verfilmung des 2003 erschienenen Romans „Cosmopolis“ des amerikanischen Autors Don DeLillo ist Regisseur David Cronenberg ein grandioser Glücksgriff gelungen. Sein neuestes Werk ist der richtige Film zur richtigen Zeit. Denn obwohl er im Jahr 2000 und damit vor dem 11. September und der Lehman-Pleite spielt, ist er hochaktuell.

Robert Pattinson spielt den zynischen, nach einem Lebenssinn suchenden Spekulanten Eric Packer derart überzeugend, dass man meint, er sei dieser selbstverliebte Yuppie. Seine Rolle folgt dem Motto: Mit Geld lässt sich nicht alles kaufen – eine einfache, aber nach wie vor gültige Weisheit. Packer hat alles, was er sich wünschen kann, doch breitet sich in seiner ach so schönen Welt gähnende Langeweile aus. Nichts scheint diesen höchst kalkulierenden Geist, der ebenso rational über Sex redet wie über den Börsenkurs, aus der Reserve locken zu können. Jeden und alles analysiert er messerscharf, aber er spürt nichts. Wie ein Film treibt Packers Leben an ihm vorbei.

Die Suche nach eigenen, echten Gefühlen führt ihn schließlich in den heruntergekommenen Teil New Yorks und in die Hände des Mannes, der auf ihn lauert. Benno Levin (Paul Giamatti) hat einmal als Währungsanalyst für Packer gearbeitet. Seitdem ist dieser für ihn das unbarmherzige Gesicht des Kapitalismus. „Ich muss Sie erschießen, damit mein Leben einen Sinn hat“, wird Levin am Ende des Films sagen, ein Sinnsuchender auch er. Zu diesem Zeitpunkt hat sich Pattinson/Packer bereits selbst eine Kugel durch die Hand gejagt. Ob er dabei etwas gespürt hat, bleibt offen.

 

Parabel auf die Finanzkrise

„Cosmopolis“ ist eine faszinierende und gleichzeitig erschreckende Parabel auf die Finanzkrise und ihre Akteure. Regisseur Cronenberg wirft wie in früheren Filmen tiefe Blicke in die Abgründe der menschlichen Psyche mit ihren Wünschen und Ängsten. Trotz einiger Längen und mancher Dialoge, die zwischen philosophisch und sinnentleert schwanken, gibt dies dem Film eine innere Spannung, die durch die gut 100 Minuten trägt.

„Es gibt nur ein oder zwei Tatsachen über das Leben – die eine ist der Tod, eine weitere das Leben“, hat Cronenberg einmal in einem Interview gesagt. Ein Motto, das für „Cosmopolis“ ebenso gilt wie es für die „Twilight“-Filme gelten könnte. Den Fans vor dem Kino werden letztere trotzdem besser gefallen.

 

Cosmopolis, Regie: David Cronenberg, mit: Robert Pattinson, Juliette Binoche, Paul Giamatti, Samantha Morton u.a. USA 2012, Kinostart: 5. Juli 2012

KINOTIPP: 2 Tage New York

2 Tage New York 8 (c) Senator

2 Tage New York 8 (c) Senator

Familie. Kann Freude machen, aber auch herausfordern. So wie im aktuellen Film von Julie Delpy, die in 2 TAGE NEW YORK auch gleich die Hauptrolle spielt.Das letzte Mal als Marion bei ihrer Familie in Paris war, ist Jahre her. Genau fünf. Damals mit ihrem amarikanischen Freund, der mittlerweile Geschichte ist, von dem sie aber nach der Trennung ein Kind erwartete. Mittlerweie haben die beiden den gemeinsamen Lebensabschnitt längst hinter sich, Fotografin Marion wohnt jetzt mit Sohnemann im Big Apple und verliebt sich in Mingus (CHRIS ROCK), den alleinerziehenden Vater einer siebenjährigen Tochter. Ist er der Mann fürs Leben? Im Prinzip ja. Doch der Härtetest lässt nicht lange auf sich warten: Diesmal taucht Marions kauziger Vater (ALBERT DELPY) in New York auf – mit ihrer neurotischen Schwester Rose (ALEXIA LANDEAU) und ihrem aufdringlichen Ex-Freund Manu (ALEX NAHON) im Schlepptau. Die Mentalitäten der einzelnen Personen verheddern sich nicht nur in sprachlichen Tücken, sondern eskaliert in skurrilen Marotten und Provokationen, die selbst das scheinbar feste Fundament in Mingus’ und Marions Beziehung bröckeln lassen. Denn auch zwei hektisch kurze Tage bieten leider reichlich Gelegenheit, sich Wahrheiten an den Kopf zu werfen, die man und frau später bereuen … [Read more...]

Ein Film für die ganze Familie. Amüsant und herzlich. Sehr empfehlenswert!

 

Trailer

DVDTIPP: The Ides of March

The Ides of March (c) Tobis

The Ides of March (c) Tobis

Was passiert, wenn der eigene Ergeiz zum Verhängnis werden kann, kann man im Film THE IDES OF MARCH sehen. Der clevere und analytische Stephen Meyers (Ryan Gosling) ist 30 und gilt als politisches Wunderkind. Er  organisiert die Wahlkampagne des US-Präsidentschaftskandidaten Mike Morris (George Clooney). [Read more...]

Meyers ist ein selbstbewusster, dynamischer Karrieretyp. Mit Leidenschaft und genialen Tricks erarbeitet er ausgefuchste Strategien, die nicht nur Gouverneur Morris einen Vorsprung liefern, sondern auch seine Laufbahn steil nach oben bringt. Auch eine Affäre mit der jungen Praktikantin Molly (Evan Rachel Wood), die weit mehr ist als eine Praktikantin, lenkt ihn davon nicht ab. Gerade sein Ehrgeiz stellt sich als Schwachstelle heraus, was ein alter Hase der Gegenseite geschickt auszunutzen weiß. Und so sieht er sich plötzlich zu einer Entscheidung gezwungen: zwischen Karriere und Idealen, Herz und Verstand, Sieg oder Untergang…

Ein spannend gut konstruierter Politthriller von und mit Hollywoods Stars wie George Clooney, Evan Rachel Woods,Marisa Tomei, Philip Seymour Hoffman und Stephen Meyers . Angesichts der bevorstehenden Wahlen in den USA gibt dieser Film Einblicke in Machenschaften und Strategien von US Wahlen. Lohnenswert!

 

The Ides of March
Politthriller
USA 2011, TOBIS
FSK:    12 tbc
Laufzeit:  ca. 97 Min.