
Ich will Heiraten von Ghasa Abdelaal
Von Dunja Ramadan
Ein Satz wie „Ich will heiraten“ kommt nur selten über die züchtigen Lippen einer ägyptischen Frau. Und wenn, dann nur unter hervorgehaltener Hand. Bevorzugt werden scheue Rehblicke, ineinander gefaltete Hände auf dem jungfräulichen Schoß und – wenn überhaupt – ein zaghaftes Nicken, wenn es um das Thema Heiraten geht. Doch Autorin Ghada Abdelaal hat die Nase gestrichen voll! In ihrem heiß diskutierten Buch „Ich will heiraten!“ zeigt die unverheiratete Autorin mal – ironisch überzeichnet, mal vollkommen ernst – ein Bild unverheirateter ägyptischer Frauen und deren alltägliche Probleme.
Trailer zur Serie “Ich will heiraten!”
Da gibt es den arabischen Mc Dreamy, der mit seinen Grübchen und strahlenden grünen Augen die Frauenwelt zum Schmelzen bringt. Er lädt sie in seine Praxis ein und macht ihr Hoffnungen auf den erwünschten Trauschein. Doch der „Schein“ trügt: Die Praxis gehört seinem Vater, er selbst ist erfolgloser Student und berühmt-brüchtigter Heiratsschwindler. Oder da ist der schicke Anzugtyp, den sie im Bus kennenlernt. Er zahlt für sie die Fahrkarte, schmeichelt ihr, ob denn eine so schöne Frau wie sie noch unverheiratet sein kann, nur um ihr anschließend das Portemonnaie zu klauen. Oder der Bekannte einer entfernten Arbeitskollegin ihrer Mutter (diese Konstellationen sind die Regel und nicht die Ausnahme!), der während des Gesprächs mit ihren Eltern lieber das Fußballspiel im Fernsehen ansieht, als über Hochzeit & Co. zu sprechen. Als dann auch noch der Bruder der Protagonistin auf der Bildfläche erscheint, der genau die andere Mannschaft nämlich Al-Ahly anfeuert, eskaliert der Streit und der Fast-Bräutigam wird mit lautem Fußballgegröle aus der Wohnung gekickt.
„Jungs werden gefragt was sie mal werden möchten. Mädchen wen sie mal heiraten möchten“
Doch in der Komik steckt auch ein wenig Tragik: Wer in Ägypten mit 25 Jahren noch nicht verheiratet ist, gilt als alte Jungfer. Ausziehen und sein Leben leben, ist ohne Ehemann vielerorts undenkbar. Allein auf Männersuche zu gehen, ist noch viel undenkbarer. Im Großen und Ganzen heißt das für die unverheiratete Frau: Tee trinken, abwarten und beten, dass Mr. Right – sowohl gut betucht als auch in stattlicher Erscheinung – auf einem Kamel angeritten kommt.
Ghada Abdelaal kritisiert damit den vorherrschenden Sexismus in der ägyptischen Gesellschaft. Sie schreibt: „Ein kleiner Junge wird gefragt, was er mal werden möchte, während ein kleines Mädchen gefragt wird, ob sie lieber Hamada oder Khaled heiraten möchte.“ Je gebildeter eine Frau ist, desto schwerer hat sie es unter die Haube zu kommen. Die meisten Männer bevorzugen einen mittleren Bildungsgrad und nicht allzu lange Studienzeiten, denn letztendlich wollen sie eine Mutter für ihre Kinder und keine ehrgeizige Karrierefrau, die auf einem Selbstverwirklichungstrip ist. Gleichzeitig kann auch die Autorin – im Buch nennt sie sich „Bride“ – nicht leugnen, dass sie ab und an auch gerne einen Ehemann hätte. Zwar hören sich ihre Gründe eher amüsant als ernstgemeint an, aber ein Fünkchen Wehmut ist dennoch zu spüren. Sie zählt die Momente auf, in denen sie sich wünscht verheiratet zu sein: „Wenn die wahnsinnig schwere Gasflasche erneuert werden muss, rufe ich einfach meinen Mann – das ist eine seiner ehelichen Hauptaufgaben!“ oder „Wenn eine meiner verheiraten Freundinnen von ihrem Ehemann angerufen wird, weil sie vergessen hat den Herd auszumachen und nun die ganze Wohnung brennt, dann will ich gefälligst auch eine Wohnung, die abbrennen könnte.“
Doch es gibt Hoffnungsschimmer am jungfräulichen Himmel: Das Ghada Abdelaal mit einer so umstrittenen Thematik so viele Menschen begeistern konnte, zeigt, dass sich Ägypten – nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich – mitten in einem bedeutenden Wandel befindet.
Das Buch ist auch bei Gazellen-Shoppen.com erhältlich.
Ich will heiraten
Ghada Abdelaal
Lenos Verlag
218 Seiten, 12,50€




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