IM KINO: “Paradies: Liebe” auf Irrwegen

Paradies: Liebe (c) Neue Visionen Filmverleih

Paradies: Liebe (c) Neue Visionen Filmverleih

Eine Gastkritik von Nadia Shehadeh

Wider besseren Wissens tut man ja vieles. Zum Beispiel: Ins Kino gehen. Um sich Filme anzugucken, von denen man ahnt, man sollte besser die Augen und Ohren davon lassen. “Paradies: Liebe” ist so ein Film.

Die Story geht so: Die Österreicherin Teresa (im Übrigen grandios gespielt von Margarethe Tiesel) fliegt nach Kenia, um dort nochmal sowas wie Liebe zu erleben. Im Zweifelsfall gegen Bares. Sowas gibt es ja in echt, sagt das Feuilleton, also weibliche Prostitutionskundinnen. Und Ulrich Seidl, der Filmemacher, würde auch zeigen, wie sehr das Ganze Business mit Rassismus durchzogen ist. [Read more...]

 

 

Allein unter unpünktlichen BildungsbürgerInnen
Nun ich, in einem Kino in Deutschland: Warum auch immer habe ich mich also entschieden, mir diesen Film anzugucken. Der Saal ist halbleer oder halbvoll – je nachdem, wie man es nimmt. Ich schaue mich um und bemerke schnell, dass ich von deutschen BildungsbürgerInnen umzingelt bin. Ich bin die Einzige von allen, die sowas hat, was BildungsbürgerInnen im Allgemeinen einen Migrationshintergrund nennen.

Pünktlichkeit funktioniert nicht. Zwischen Filmvorschau, Filmvorschau, Filmvorschau zwängen sich weitere Kino-BesucherInnen durch die Sitzreihen. In der linken Hand vorzugsweise ein Weinglas balancierend, um den rechten Arm beigefarbene Trenchcoats gewickelt. Während mir die nächste Kinogängerin ihren Hintern ins Gesicht hält, herzlich bemüht dabei nicht ihren Cabernet zu verkippen, läuft die Vorschau von “The Beasts of the Southern Wild”, die ich gerade noch so aus den Augenwinkeln verfolgen kann. Der Film, von dem ich da schon weiß, dass ich ihn eigentlich viel lieber gucken würde. Tja.

Kurz vor Filmbeginn ein weiterer unglücklicher Sachverhalt: Der Sitzplatz rechts neben mir wird von einem Herren eingenommen, eingenebelt in “Old Spice”, der direkt die linke Armlehne in Beschlag nimmt und sich gefährlich weit in meinen Tanzbereich herüberlehnt. Zu kurze Reaktionszeit. Nach rechts gibt es kein Ausweichen, und ein Umzug in die vorderen, leereren Reihen wäre zwar noch  möglich, aber, der Filmvorspann läuft bereits, und meine fehlgeleitete Moral verbietet es mir (die ich mich noch über die ganzen Zuspätkommer aufgeregt habe) jetzt nochmal Extraumzugswürste anzustreben.

 

“Endlich mal einer der kapiert, wo es langgeht!”
Ich quetsche mich so gut es geht auf den rechten Bereich meines weinroten Kinositzes und suche für meine Gesichtshaltung jeweils die Milimeter Saalluft, die mir nicht die ganze Flasche Old-Spice-Feeling in die Nase jagen. Ich weiß schon jetzt, dass ich eigentlich gar keinen Bock auf diesen Schwerenöter neben mir habe, wenn spätestens gegen Mitte des Films zu erwartende explizite Sexszenen abgespult werden. Ja, ich bin vielleicht albern, aber, so ist es.

Der Film läuft seit zehn Minuten, und die nächsten zu spät kommenden Weinglashalter entern den Kinosaal, drängen sich durch die Reihe hinter mir, zischeln, als ob es das irgendwie besser machen würde “Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung”, aber so, dass auch alle es hören können. “MEIN GOTT!”, schnaubt eine ältere Dame hinter mir angesichts des durch die Unpässlichen getrübten Film-”Vergnügens” beim Aufstehen und Menschen durchlassen, und eigentlich will ich mich sofort umdrehen und “Check” sagen, und ihr zur Versicherung meiner Solidarität meine High-Five anbieten. Doch das geht ja nicht, der Film läuft ja bereits.

Der Film. Teresa hat grad ihre halbwüchsige Tochter bei der Tante abgeliefert, um ihren Urlaub anzutreten. Und vorab: Margarethe Tiesel spielt super. Durchweg. Teresa kommt in Kenia an. Teresa wird im Kleinbus mit anderen Gästen ins Hotel gefahren und lernt das Wort, das dank Seidl in den nächsten Tagen auch ganz viele andere BildungsbürgerInnen lernen werden: “Jambo”. Dann liegt sie in der nächsten Szene mit ihrer Freundin am Strand, die eingeflochtene Haare hat, damit man merkt, dass bei ihr die Überidentifikation mit Kenia bereits schon volle Pulle eingetreten ist, und die Freundin erzählt Teresa von ihrem Boyfriend, und das ist jetzt “endlich mal einer der kapiert, wo es langgeht, ha!”.

Und dann sagt sie, dass sie sowieso jetzt zum ersten Mal im Leben den ganzen Quatsch sein lässt, wie rasieren, oder an ihren Haaren rumdoktern, oder sonst was, all den ganzen Scheiß, den sie früher immer gemacht hat um ihren jeweiligen Partnern in Österreich kurzzeitig “zu gefallen”. Das könnte eine empowernde Szene sein – ist es aber nicht, weil der ganze Film die spielenden Frauen zum Opfer der eigenen Optik macht. Der Body-Control-Impetus des Films schreit so hart und laut “Unvorteilhaft! Unvorteilhaft! Unvorteilhaft!”, dass ein paar Sitze weiter die Frau in der vorderen Reihe ihre Schokolade wieder in die Handtasche stopft.

 

Nicht ohne das N-Wort
Mäßigung. Bescheidenheit. Demut. Disziplin. Anti-Aging. Bloß nicht so enden wie Teresa und ihre Hood in Kenia! Die ganze White Male Sexualangst entlädt sich hier in einer nicht enden wollenden Bilderflut. Wohlfrisierte BildungsbürgerInnen im Filmsaal kichern wohlerzogen. So viel Voyeurismus, und das für unter zehn Euro! Das muss Kino sein! Am Strand stehen die männlichen Strandgänger hinter einer Absperrung und warten auf die ganzen Teresas. Das, immerhin, muss man dem Filmteam anrechnen: Es wurde direkt vor Ort gecastet. Und alle engagierten SchauspielerInnen spielen exzellent.

Irgendwann findet Teresa ihren ersten Boyfriend, Munga, und irgendwann geht es dann zur Sache. Mein Sitznachbar atmet schwer. Ein Bildungsbürger-Paar aus der ersten Reihe verlässt entrüstet den Kinosaal, schwungvoll werden die Mäntel auf die Arme bugsiert und im Lahmarschtempo der Saal verlassen, so dass man neben den Filmimpressionen auf der Leinwand auch noch die genervten Schattenfressen zweier Menschen sehen kann. “Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung!”, rufen sie in den Kinosaal, und ich denke mal wieder: “Kannste Dir nicht ausdenken.”

Eine Szene an der Hotelbar: Zwei Frauen versuchen, den Barkeeper zu bezirzen, und zwar mit Sprüchen, die so unlustig sind, dass sie sogar noch die Faustregel “So schlecht, dass es schon wieder witzig ist” torpedieren. Sie müssen dabei natürlich auch ganz oft das N-Wort sagen. Vielleicht ist das eine der Szenen, in denen Seidl “diesen Rassismus” zeigen wollte. Ist natürlich missglückt, erstens, weil man sich diesen Scheiß dramaturgisch genauso wie Blackfacing sparen kann, und zweitens, weil bei den anderen Kinobesuchern sowieso keine der subtilen Botschaften ankommen würde, weil sie sich ausgerechnet bei dem schlechtesten Witz der ganzen Szene (Barkeeper setzt sich Sonnenbrille auf. Urlauberin sagt: “Oh, coool, Man in Black!”) totlachen. Die reine Reproduktion des Rassismus. Ich wünsche mir eine Ladung Cabernet, literweise, intravenös, und am liebsten direkt ins Gehirn.

 

“So is das da halt in Afrika, schon schlimm”
Die Kenia-Impressionen: Slums und arme Leute. Noch mehr arme Leute, noch mehr Slums. Ach ja, und dann noch: Slums und arme Leute. “So is das da halt in Afrika, schon schlimm, ne”, flüstert ein Mann irgendwann seiner Begleitung zu. Ich erinnere mich an den letzten Kackfilm über Kenia, “Die weiße Massai”. Auch ein schlimmes Artefakt weißer Kolonialisierung der Neuzeit – nicht zuletzt deswegen, da Corinne Hoffmann aus ihrem Ex-Mann der Einfachheit halber einfach mal einen Massai gemacht hat, obwohl er Samburu ist. Corinne Hoffmanns Lebensgeschichte kommt mir auf einmal vor wie eine detaillierte, aufrichtige und ehrenwerte Fallstudie. Irgendwas stimmt hier nicht.

Die Kinobesucher müssen inzwischen auch kapiert haben, was “Hakuna Matata” heißt. Einige flüstern es nämlich zwischendurch und kichern dann wie bekloppt. Die Last des ansonsten spaßbefreiten Lebens fällt ihnen hier von den Schultern. Meine Spaßbefreiung läuft auf vollen Touren. Teresa, die sich ein paar Bier in einer Kneipe genehmigt hat, geht zurück zu Mungas Wohnung (aka Zimmer), mit dem sie sich vorher gestritten hat. Er ist nicht da. Also geht sie zu seiner Schwester. Die weiß nicht wo Munga ist und motzt Teresa an, sie solle verschwinden. Ein Raunen im Kinosaal, als die Schwester Teresa noch ein Schimpfwort hinterherruft, dass die Weiße nicht verstehen kann. Ich denke: Vielleicht kommt ja jetzt noch die große Wende.

Die kommt nicht. Aus Ermangelung an Munga sucht sich Teresa den nächsten Gefährten, und entdeckt dann an einem anderen Tag Munga mit seiner vermeintlichen Schwester, die eigentlich seine Ehefrau ist, am Strand. Die Frau hält das gemeinsame Kind auf dem Arm, während Teresa Munga an den Haaren aus dem Wasser an den Strand zieht, um ihm ein paar Backpfeifen zu geben. Unterwürfig entschuldigt er sich. Das Publikum macht erleichtert “Puh”, denn so geht`s ja nicht, und jetzt hat sie`s ihm ordentlich zurückgegeben. Die Kolonialisierung ist jetzt weiblich, wenn sie dem Schwarzen Mann was auf die Fresse geben kann – das soll wohl die Botschaft sein. Der männliche Protagonist bleibt selbst in seiner Rolle das kolonialisierte Objekt, als Schauspieler wird ihm nicht einmal der Raum geboten, den er durchaus füllen könnte. Ich möchte gerne kotzen.

 

Progressiv und feministisch ist was anderes
Irgendwann am Ende des Films läuft die Szene, die die Feuilletonisten (ja, ich weiß: “Hahaha!”) im Zuge von “Frauen holen nach, was Männer sich immer schon geholt haben!” als super-progressiv und feministisch feiern: Eine Orgie von vier Frauen mit einem Mann, der auf keine der Beteiligten Bock hat. Das hat nix mit Feminismus zu tun, und progressiv ist es auch nicht: Da zeigt sich nur der alte Scheiß, dass wer genug Kapital hat – oder, in diesem Fall: vielleicht auch noch weiß genug ist um mit seiner ansonsten bescheidenen Gehaltsklasse anderswo den Zampano zu machen, und zwar aufgrund verschiedener Lebenshaltungskosten – sich eben nimmt was er will. Keine Pointe.

Was “Paradies: Liebe” zumindest geschafft hat: Dass sich zum Beispiel die WELT mit Headlines á la “Suche flotten Afrikaner, bezahle für Sex” schmücken kann. Hahahaha!  “Ulrich Seidl ist bekannt für seine schonungslose Analyse sozialer Verhältnisse”, sagt man. Das schonungslose Analysieren sozialer Verhältnisse sollte man dann zukünftig lieber wieder den Geisteswissenschaftlern vor Ort überlassen. (Erstmals erschienen am 04.01.13 auf shehadistan.wordpress.com)

Paradies: Liebe seit 3. Januar 2013 im Kino.

ADVITORIAL: Mit Dekoartikel das eigene Heim gemütlich machen!

Warum Dekoartikel?
Das eigene Zuhause sollte im Idealfall ein Ort zum Zurückziehen, Entspannen und Kraftschöpfen sein. Dazu gehört natürlich, dass dort ein gewisser Wohlfühlfaktor herrscht; und den erreichen wir nur, indem wir unsere Persönlichkeit und unsere Bedürfnisse in die Räume mit einfließen lassen.
Möbel sind dabei natürlich die entscheidenden Stilelemente, um den vier Wänden Gemütlichkeit einzuhauchen. Eine große Couch an der Wand oder ein Esstisch, an den man Freunde einlädt, bewirken schon sehr viel. [Read more...]

Aber den letzten Schliff verleihen erst Dekoartikel

Bereits eine Vase mit einem frischen Blumenstrauß darin bringt Lebendigkeit ins Heim. Bilder und Kunstgegenstände wiederum geben einer Wohnung Individualität und eine persönliche Note. Es können aber auch Erinnerungsstücke sein. Dinge, die für uns bestimmte Aspekte des Lebens verkörpern.
Ob die Dekoartikel nun dazu dienen den eigenen Geschmack einfach nur zu untermauern oder erst durch ihre gezielte Platzierung die richtige Atmosphäre schaffen – vielleicht sogar für permanente Abwechslung sorgen – liegt ganz im Auge des Betrachters und spielt lediglich eine untergeordnete Rolle.
Der entscheidende Vorteil ist nämlich, dass Dekoartikel weit flexibler eingesetzt und unserem Geschmack oder unserer Stimmung individuell angepasst werden können als beispielsweise Möbel.

Kleiner Aufwand, unübersehbare Wirkung

Manchmal müssen es nicht einmal auf den ersten Blick erkennbare Dekoartikel sein. Hier und da fügt sich ein Farbtupfer auch ganz unaufdringlich ins Gesamtbild. Oftmals reicht es vollkommen aus, auf einen Online-Shop wie depot-online.com zu gehen und ein hübsches Kissen oder ein farbenfrohes Bild zu kaufen.
Wichtig ist vor allem, dass man sich selbst in seinem Zuhause wohl fühlt. Sich in den kleinen und großen Besonderheiten wieder findet und zur Ruhe kommt. Gemütlichkeit entsteht schließlich im Kopf – und der wird vor allem durch den Eindruck unserer Augen gesteuert.

Hautaufhellung: Ein Trend zwischen Schönheitswahn und Existenzängsten

Screenshot vom Werbeclib Emami Skin Bleaching Cream mit Shah Rukh Khan

Screenshot vom Werbeclib 'Emami Skin Bleaching Cream' mit Shah Rukh Khan

Man sollte meinen, Menschen werden ausgeschlossen und abgegrenzt, weil sie anders als man selbst oder die breite Masse sind. Unterschiede im Status, der Religion und Hautfarbe führen oft zu Konflikten. In einem Fernsehspot mobbt aber Bollywood-Liebling Shah Rukh Khan seinen Landsmann singend wegen seiner dunklen Haut. Er empfiehlt ihm eine Bleachingcreme. In Indien verwenden 60 Millionen Menschen Whiteningprodukte in Form von Lotionen, Seife und Peelings. In Asien und Amerika finden sie ebenfalls großen Anklang. In Asien ist der Puppenteint „in“ und in den USA möchte man eher die Hautfarbe von Rihanna, als die von Wesley Snipes. Auch das Interesse im Mittleren Osten wächst. Eine Überlegung zum Thema Hautaufhellung von Jessica Guaia.

Für viele Europäer hört es sich absurd an, hell sein zu wollen. Die meisten liegen in der Sonne oder im Solarium, mit dem Ziel urlaubsverwöhnt und braun auszusehen. Sie mobben ebenfalls, aber mit den Worten „Bist du käsig“. Eigentlich ist braun sein auch nur eine Mode. Vor 90 Jahren kehrte Coco Chanel gebräunt aus ihrem Urlaub zurück und setzte damit erstmals diesen Trend.

 

Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Woher kommt der Trend der Hautaufhellung in den erwähnten Regionen? Es ist derselbe Grund, wie in europäischen Ländern vor 1920. Helle Haut stand für Adel, Geld und Anmut, deshalb auch der Ausdruck „noble Blässe“ oder „blaublütig“, weil die Venen durch die weiße Haut schienen. Die gebräunten Menschen arbeiteten auf dem Feld und waren der Sonne ausgesetzt. In Indien und Asien kann man sehen, dass Reiche eine hellere Haut haben als Arme. Außerdem werden indische Gottheiten größtenteils mit heller Hautfarbe dargestellt und Indiens Herrscher waren immer weiß. Bleichen nun Inder, egal ob männlich oder weiblich, ihre Haut, haben sie gar bessere Chancen auf dem Arbeits- und Heiratsmarkt. Aber nicht ohne dabei einen gewissen Preis zu zahlen.

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Abgesehen vom finanziellen Preis, der für viele schon ein großes Opfer darstellt, gibt es beim Bleichen Gefahren. Viele Produkte enthalten die hochgiftigen Chemikalien Quecksilber und Kortison. Sie führen zum gewünschten Aussehen – übrigens ist der Effekt verschwunden, sobald man sich wieder in die Sonne begibt. Die Wirkstoffe rufen aber auch Hautirritationen und dauerhafte Pigmentstörungen hervor. Im Extremfall verursachen sie schwere körperliche Schäden, wie Nierenschädigungen. Wer sich hierzulande nicht mit seiner Haut wohl fühlt und darüber nachdenkt etwas zu unternehmen, sollte das wissen. Denn die meisten Produkte bestellt man sich im Ausland. Es gibt kaum Produkte auf dem deutschen Markt. Der deutsche Hersteller Beiersdorf verdient zwar im Ausland mit Bleichcremes, vertrieben werden sie hierzulande nicht. Der Markt beschränkt sich hier meistens auf die Gothikszene und Menschen mit Hautproblemen. Deshalb gibt es in Deutschland nur Produkte, die für die großflächige Benutzung nicht gedacht sind. Eher für den Bereich der Sommersprossen und dunkler Flecken.

 

 

Die Nachfrage regiert den Markt

Am liebsten möchte man den Frauen, die das vorhaben, raten: „Ihr seid schön. Schön, wie ihr seid“. Gekontert wird von ihnen:„Weiße verändern ihren Teint auch und es ist ungesund“. Tatsächlich wird es als schlimmer angesehen, sich die Haut zu bräunen als zu bleichen. Michael Jacksons Aufhellung, auch wenn man nicht weiß ob sie krankheitsbedingt ist, lehnten zum Beispiele viele ab. Warum ist man also kritischer gegenüber Hautaufhellung als Bräunung? Erstens: die Sonne steht für etwas natürliches, was man von Bleichmittel nicht behaupten kann. Zweitens: Wer größere Anstrengungen gegen etwas unternehmt, um etwas zu ändern, wird kritisiert. Besonders wenn es mit gesundheitlichen Risiken zusammenhängt. Beispielsweise Schönheitsoperationen. Wir sind gewohnt, dass jeder das möchte, was er nicht hat. Wer kleine Brüste hat, wünscht sich große und vice versa. Wer Locken hat, greift zum Glätteisen. Und zu guter Letzt, wünscht man sich Vorbilder. Menschen, die Vorurteilen gegen Dunkelhäutige entgegen wirken und zu sich selbst stehen.

Die indische Regierung verbat vor einiger Zeit eine ähnliche Werbung eines anderen Herstellers. Das Produkt ist Marktführer und heißt „Fair and Lovely“ und gehört zum Konzern Unilever, die in Deutschland beispielsweise für ihre DOVE Kampagne für viel positive Reaktionen gesorgt hat, weil sie in der Produktvermarkung die Natürlichkeit und Individualität betont.

Das Wort „fair“ scheint nicht angebracht, heißt aber auf Englisch „hellhäutig“. Im Spot ging es um Eltern, die sich um ihr Schicksal beklagten, ein dunkelhäutiges Kind zu haben, und das Kind dadurch nie eine Arbeitsstelle bekäme. Erst als sie es bleichten, sah die Welt besser aus. Indische Frauen demonstrierten dagegen. Sie fühlten sich gedemütigt. Nicht nur indische Frauen.

Die Whitening-Industrie hat trotzdem nichts zu befürchten: Auf den Vorwurf des Rassismus antworteten sie nüchtern: „Es ist genug Nachfrage da und wir reagieren darauf“. Die indische Nachfrage in Geld ausgedrückt also: 200 Millionen Dollar pro Jahr.

BERLIN: Weltmusik spielen lernen – Workshops in der Global Music Academy

25. & 26. februar (zwei workshops parallel):

wann: an beiden tagen von 14-17h

was: griechischer rembetiko & musik aus der ägäis

&

einführung in die nordindischen rhythmen der tabla

wieviel: für beide tage 50 €, 40 € ermäßigt (minderjährige & hartz IV empfänger)

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03. & 04. märz (drei workshops parallel):

wann: an beiden tagen von 14-17h

was: mridangam trommeln – die faszinierenden rhythmen südindiens

&

hands on harmony – eine reise zum urpsrung des klangs

&

die bunte welt brasilianischer rhythmen – samba, ijexá & maracatu

wieviel: für beide tage 50 €, 40 € ermäßigt (minderjährige & hartz IV empfänger)

 

10. & 11. märz (zwei workshops parallel):

wann: an beiden tagen von 14-17h

was: flamenco für alle instrumente – einführung in die 12er rhythmen

&

das tor zur musik – das indische solfeggio system sargam

wieviel: für beide tage 50 €, 40 € ermäßigt (minderjährige & hartz IV empfänger)

 

17. & 18. märz (drei workshops parallel):

wann: an beiden tagen von 14-17h

was: venu ghanam – eine einführung in die südindische bambusflöte

&

afrikanische gitarre – auf 6 saiten von kongo nach kapstadt

&

Flamencogesang – die Ursprünge andalusischer leidenschaft

wieviel: für beide tage 50 €, 40 € ermäßigt (minderjährige & hartz IV empfänger)

Flamencogesang 90 €, 70 € ermäßigt

 

Mehr zur Global Music Academy unter www.global-music-academy.net

Kinopremiere: RAB NE BANA DI JODI mit Shah Rukh Khan und Aditiya Chopra

Shah Rukh Khans neuer Film RAB NE BANA DI JODI wird ab dem 11. Dezember noch vor dem offiziellen indischen Kinostart auch in Deutschland zu sehen sein. Rapid Eye Movies bringt den turbulenten Liebesfilm des Erfolgsregisseurs Aditya Chopra (”DDLJ“) mit deutschen Untertiteln in die Kinos. RAB NE BANA DI JODI ist die lang ersehnte neue Zusammenarbeit des Dream-Teams Shah Rukh Khan und Aditiya Chopra, das in den 90er-Jahren mit DILWALE DULHANIA LE JAYENGE – WER ZUERST KOMMT KRIEGT DIE BRAUT den Meilenstein und Evergreen des modernen Hindi-Kinos hervorbrachte.Shah Rukh Khan ist dieses Mal als schnauzbärtiger, unglamouröser „Normalo“ zu sehen, der um die Gunst seiner ungleich jüngeren und quirligeren Herzensdame buhlt. Dabei lässt er nichts unversucht und schlüpft schließlich sogar in die Rolle eines hippen Frauenhelden – nur um seine Angebetete letztlich doch mit seinen bodenständigen Eigenschaften zu überzeugen. RAB NE BANA DI JODI ist eine Geschichte über einfache und ehrliche Gefühle, eine Mischung aus Cinderella und Saturday Night Fever. Bollywood auf hohem Niveau, mit viel Romantik, Humor und schwelgerischen Tanzszenen.

Die ersten Szenen können auf der Webseite zum Film.

In folgenden Städten und Kinos ist RAB NE BANA DI JODI zusehen:
Berlin, CineStar (Potsdamer Str. 4) ab 11.12.2008, www.cinestar.de
Babylon Berlin:Mitte (Rosa-Luxemburg-Str. 30) ab 11.12.2008, www.babylonberlin.de
Frankfurt a.M., Turmpalast (Bleichstr. 57) ab 11.12.2008, www.cinestar.de
Hamburg, Metropolis im Savoy (Steindamm 52-54)11.-17.12.2008, www.metropoliskino.de
Wiesbaden, FilmBühne Caligari (Marktplatz 9)3.1.2009, www.wiesbaden.de/caligari
A-Wien, UCI Kinowelt, Millenium City (Am Handelskai)ab 11.12.2008www.uci-kinowelt.at

VERLOSUNG. Gazelle verlost 1×2 Karten für den Film im Kino in Ihrer Nähe. Schicken Sie uns bis zum 06.12.08 eine Email mit Ihrem Namen und einer der obengenannten Stadt. Betreff: Gewinnspiel RNBDJ. Viel Glück!

BERLIN: Ruß von Feridun Zaimoglu am 29.09.11

Ruß von Feridun Zaimoglu

Ein Kiosk in Duisburg ist der Ausgangspunkt einer rasanten Geschichte, die ihren Held durch den Ruhrpott, nach Warschau und bis auf die Großglocknerstraße führt – und an die Grenzen seiner Liebes- und Leidensfähigkeit. Der Ruhrpott, eine Region die deutscher kaum sein könnte, wandelt sich: aus Industriebrache wird prosperierende Dienstleistungsregion. Die Gegend ist im Umbruch. Ebenso das Leben von Arzt Rentz, dessen Welt zerbricht, als seine Frau von einem Einbrecher ermordet wird. Von Liebe, Trauer und Vergeltung im Ruhrpott erzählt Feridun Zaimoglus deutsche Saga. Feridun Zaimoglu zeigt das Drama eines Menschen, den kaum noch etwas im Leben hält, vor dem Hintergrund einer Welt, die durch eine lange Tradition geprägt ist und sich nicht zuletzt mit ihrer Einwanderungsgeschichte gerade dabei ist sich neu zu erfinden.

 

 

Ruß von Feridun Zaimoglu

Lesung
Donnerstag, 29. September 2011 – 19.00 Uhr
Auswärtiges Amt
Werderscher Markt 1
10117 Berlin
(U-Bahnhof Hausvogteiplatz)
Besucherzentrum „Fritz-Kolbe-Saal“
in Zusammenarbeit mit „Buch und
Service“ im Auswärtigen Amt

Eintritt frei

 

 

Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im westanatolischen Bolu, lebt
seit mehr als 35 Jahren in Deutschland. Er studierte Kunst und
Humanmedizin in Kiel, wo er als Schriftsteller, Drehbuchautor
und Journalist lebt. Seine Romane »Zwölf Gramm Glück«, »Kanak
Sprak«, »Liebesbrand« und »Hinterland« sind preisgekrönt und
wurden mehrfach ausgezeichnet. Feridun Zaimoglu gehört zu
den bedeutendsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur.

Moderiert wird die Veranstaltung von Ali Aslan. Er studierte internationale
Politik und Journalismus an der Georgetown University
und der Columbia University, arbeitete als Fernsehreporter für
ABC News in New York und als Internationaler Korrespondent für
Channel News Asia in Istanbul, Barcelona und Berlin. Von 2006 bis
2010 war Ali Aslan im Bundesinnenministerium maßgeblich an
der Konzeption und Durchführung der Deutschen Islam Konferenz
beteiligt. Derzeit ist er im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung tätig.

Linktipps #37. KW

Blog anarchieundlihbe

Dinge, die Leute zu mir beim Kellnern sagen – kleine Auswahl.

ICH: „XY,Z Euro, bitte.“
ER: „Sind Sie sich da wirklich sicher? Euch Frauen kann man nicht vertrauen.“ Mehr -> Hier

 

Berliner Zeitung

Was, du bist links?

Sie heiraten in Weiß, ziehen ins Grüne und überlassen politisches Engagement lieber ihren Eltern. Gedanken über eine konservative Generation. Von Grete Götze . Mehr ->  HIER
Wer nicht mittrinkt, verdient nicht

Phnom Penh -. Siang Seng trägt einen blauen Hosenanzug. Weiße Bluse, Pferdeschwanz, keine Schminke: so konservativ, so züchtig, wie es in Kambodscha zum guten Ton gehört. Vor kurzem noch hat sie bei der Arbeit ein hautenges Minikleid getragen. Das war, als sie in einem Biergarten Bier verkaufte. Von Susanne Lenz. Mehr -> Hier

 

VDZ

Eine neue Generation für eine buntere Medienlandschaft

Die Botschafterin der Deutschlandstiftung Integration wünscht sich mehr Vorbilder mit Migrationshintergrund in den Medien. Mehr -> HIER

 

ESSEN: Sieben Jahre “Literatürk” 14. – 17.Oktober 2011

Im Oktober 2005 veranstaltete das Kulturzentrum GREND e.V. in Zusammenarbeit mit Filiz Dogan, Fatma Uzun und Semra Uzun-Önder das erste türkisch-deutsche Literaturfestival Literatürk in Essen.
Im bereits siebten Jahr führt Literatürk diese Tradition erfolgreich weiter und hat sich damit als eine feste Größe in der kulturellen Landschaft der Region etabliert.
Literatürk ist das renommierteste unter den ganz wenigen türkisch-deutschen Literaturfestivals in der Bundesrepublik, und erfreut sich seit der Gründung über hervorragende Besucherzahlen und öffentliche Resonanz. Mit seinem einzigartigen Programm bereichert Literatürk nicht nur die kulturelle Szene; Literatürk dient gleichzeitig auch als Vorreiter und gern kopiertes Beispiel für andere Veranstaltungen in der Region.

Literatürk 2011: GRENZGÄNGE!

Vom 14. – 17 Oktober beschreitet Literatürk wieder neue Wege und lädt Sie herzlich ein eine Reihe spannender Entdeckungen zu machen: Undercover Reportagen, Lesungen und Autorengespräche mit gefeierten Autoren, klassische Musik, Dokumentarfilm und Regiegespräch, Szenische Lesungen, Kabarett, ElektroLyrik, Neuvorstellungen, eine eigens für Literatürk erstellte Sondersendung des Istanbuler Radiosenders „Acik Radyo” und vieles mehr!

Mehr zum gesamten Programm erfahren Sie hier unter www.literatuerk.de oder entnehmen Sie der PDF

Geld vom Schwarm

Crowdfunding Plattform STARTNEXT in Deutschland

Von Kai Döring

Wer eine Idee umsetzen möchte, aber nicht das nötige Geld dafür hat, kann einen Kredit aufnehmen – oder auf Spender im Internet hoffen. „Crowdfunding“ heißt die neue Form des Mäzenatentums. Erfunden in den USA, ist sie auch in Deutschland auf dem Vormarsch.

 

Nicht nur für „Kleinen Fische“

Vier Tage vor Ablauf der Frist hatte die Produktionsfirma das Geld für ihren Film zusammen. 170 000 Euro musste „Teamworx“, die Filmtochter des riesigen Bertelsmann-Konzerns, sammeln, um mit dem Dreh von „Hotel Desire“ beginnen zu können. Um den Erotikfilm zu realisieren, wählte Dreamworx ein Mittel, das in den USA bereits alltäglich ist, in Deutschland hingegen noch in den Kinderschuhen steckt.

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Auf einer Internetseite erklärte die Firma ihr Vorhaben und rief zu Spenden auf. In 80 Tagen müssten 170 000 Euro zusammenkommen. Ansonsten könne der Film nicht gedreht werden. Crowdfundig – frei übersetzt „Schwarmfinanzierung“ – nennt sich das Modell, bei dem die anonyme Masse der Internetnutzer zweckgebunden Geld für Projekte gibt, die ansonsten nicht umgesetzt werden könnten. Kommt die benötigte Menge nicht in der geplanten Zeit zusammen, bekommen die Spender ihr Geld zurück.

 

Gegenleistung für die Unterstützung

Wie viel die Unterstützer geben, bleibt ihnen meist selbst überlassen. Bei „Hotel Desire“ lag die Mindestbeteiligung bei fünf Euro. Sechs Investoren gaben allerdings sogar mehr als 10 000 Euro. Als Gegenleistung bekommen alle Geldgeber einen Gutschein, um sich den Film kostenlos im Internet anzusehen – die Telekom wird ihn nach Fertigstellung zunächst sechs Monate auf ihrem Videoportal zeigen.

 

Eine Gegenleistung – neben einem Film-Gutschein kann das z.B. auch eine exklusive Vorab-CD oder eine Eintrittskarten für ein Konzert sein – ist ein wichtiger Teil des Crowdfunding-Systems. Und auch wenn „Hotel Desire“ der erste professionelle Film in Deutschland ist, der vollständig über das Internet finanziert wird, zählen Video-Produktionen neben Veranstaltungen und Einzelaktionen zu den beliebtesten Projekten, die bisher in Deutschland via Crowdfunding finanziert wurden.

 

Crowdfunder sind Wiederholungstäter“

Herausgefunden hat dies das „Institut für Kommunikation in sozialen Medien“. Im April 2011 hat es die erste Crowdfunding-Studie für Deutschland veröffentlicht. Die Forscher haben dafür die Aktivitäten der sechs bedeutendsten deutschen Crowdfunding-Plattformen untersucht. Sie fanden dabei heraus, dass jedes zweite Projekt (53 Prozent) erfolgreich finanziert wird und jeder Unterstützer im Schnitt 79 Euro zahlt. Und: „Crowdfunder sind Wiederholungstäter.“ 96 Prozent der Befragten gaben an, wieder ein Projekt finanzieren zu wollen.

 

Für das Institut ist daher klar: „Die Zeichen stehen auf Wachstum.“ An die Zahlen aus dem Mutterland des Crowdfunding, den Vereinigten Staaten, reichen die Werte freilich noch lange nicht heran. Dort wurden allein im vergangenen Jahr 80 Millionen Dollar umgesetzt.

 

Und letztlich liegt es zu einem großen Teil an den Projektinitiatoren selbst, ob sie genug Geld für die Umsetzung zusammenbekommen. „Wer ein Projekt startet, sollte nicht dem Irrglauben verfallen, dass es nur auf einer Plattform eingestellt werden muss und der Rest dann von allein geschieht“, warnt Karsten Wenzlaff vom Institut für Kommunikation in sozialen Medien. Potenzielle Geldgeber müssten auch auf das Projekt aufmerksam werden: Wenn in den Medien über ein Projekt berichtet wurde, stieg auch die Anzahl der Geldgeber, hat das Institut festgestellt. Und Initiatoren sollten gut rechnen: „Viele Projekte scheitern daran, dass sie einen zu hohen Betrag einfordern.“

 

Crowdfunding-PlattformenLinks:

 

Deutschland

http://www.startnext.de

http://www.mysherpas.com

http://www.inkubato.com

http://www.respekt.net

http://www.visionbakery.de

http://www.pling.de

 

International

http://www.sellaband.com

http://www.artistshare.com

http://www.kickstarter.com

http://www.indiegogo.com

http://www.rockethub.com

http://www.fundbreak.com

http://www.sonicangel.com

Yael Deusel und Lea Mühlstein – Rabbinerinnen von morgen

Morgengottesdienst am Abraham Geiger Kolleg mit Rabbinerin Dr. Dalia Marx und Kollegen (c) Barniske / AGK

Eine neue Generation von Frauen entdeckt für sich das höchste religiöse Amt im Judentum. Ein Bericht von Michelle Piccirillo.

Rabbiner sind in der jüdischen Tradition die geistlichen Oberhäupter der Gemeinde, Schriftgelehrte und Seelsorger zugleich. Rabbiner sind belesen, weise, tragen Kaftan, Hut und Bart – so die weit verbreitete Vorstellung. Dieses traditionelle Verständnis wird aber seit einiger Zeit hart auf die Probe gestellt.

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Denn zunehmend entdecken auch Frauen dieses Amt für sich. In Deutschland amtieren etwa eine handvoll weibliche Rabbiner, weitere befinden sich derzeit in Ausbildung. Dass Frauen in der Gemeindearbeit immer mehr Verantwortung übernehmen, ist in den USA schon seit den 1970er Jahren ein stetiger Aufwärtstrend – heute stellen dort Frauen die Mehrheit an religiösen Würdenträgern. In Deutschland sieht dies aktuell noch anders aus, nicht zuletzt weil hier die Reform-Gemeinden, in denen Frauen und Männer in religiösen Belangen gleich behandelt werden, weniger zahlreich vertreten sind. Das Abraham Geiger Kolleg, angesiedelt an der Universität Potsdam, ist die einzige Institution in Deutschland, die auch Frauen zu Rabbinerinen ausbildet.

 

Rabbinerin Alina Treiger bei ihrer Ordination 2010 in Berlin (c) AGK

Dabei gibt es gerade in Deutschland historische Präzedenzfälle, in denen Frauen erfolgreich in die von Männern dominierten Sphären religiöser Gelehrsamkeit vorgedrungen sind. Im Umfeld der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums sprach 1928 in Berlin mit Lily Montagu erstmals eine Frau von der Kanzel einer Synagoge und nur wenige Jahre danach wurde ebenfalls in Berlin Regina Jonas als weltweit erste Rabbinerin ordiniert.

 

Nicht leicht in männlich bestimmten Netzwerken“

In diese Fußstapfen wird noch dieses Jahr Yael Deusel (Jg. 1960) treten, wenn sie zusammen mit vier männlichen Kollegen, im November in Bamberg als erste in Deutschland geborene und ausgebildete Rabbinerin ordiniert wird.

Dr. Deusel, die als Oberärztin für Urologie und Kinderurologie an einer Bamberger Klinik beschäftigt ist und ihre Ausbildung zur Rabbinerin beim Abraham Geiger Kolleg absolviert hat, hätte gerne schon direkt nach dem Abitur diese Richtung eingeschlagen, aber: „Man sagte mir, ich könne gerne Religionswissenschaften studieren und dann als Religionslehrerin arbeiten. Aber eine Ordination als Rabbinerin wäre damals undenkbar gewesen.“ Sie entschloss sich also für das Studium der Medizin und für die – ebenfalls für Frauen untypische – Spezialisierung in der Urologie. Ihre Schwester scherzte, als sie von Yaels Entscheidung erfuhr das Rabbinat anzustreben: „Jetzt wo es in der Urologie mittlerweile einige Frauen gibt, möchtest du Rabbinerin werden!“

Deusel hofft, dass auf weibliche Geistliche in der Jüdischen Gemeinde bald so alltäglich reagiert wird wie in der Medizin auf Ärztinnen. Sie räumt ein, dass es in beiden Bereichen Vorbehalte von männlichen Kollegen gibt und man es als Frau in männlich bestimmten Netzwerken nicht immer leicht hat. Ihr Wunsch ist es als weibliche Kollegin akzeptiert und nicht „vermännlicht“ zu werden, weil dadurch das speziell Weibliche verloren gehe.

Dass Frauen neben der intellektuellen Beschäftigung mit den Quellen des Judentums oft auch besondere Fähigkeiten mitbringen, die sich für das Arbeiten in den jüdischen Gemeinden als vorteilhaft erweisen, bestätigt die in in München aufgewachsene Lea Mühlstein (Jg. 1980), die nächstes Jahr zur Rabbinerin ordiniert werden wird. Nicht nur seien Frauen häufig die besseren Zuhörer und dadurch auch bessere Seelsorger, sie hätten ihrer Meinung nach auch einen eher horizontalen Führungsstil, der für eine inklusive Gemeindearbeit sehr wichtig ist.

Die Gemeindearbeit sieht Mühlstein, die am Leo Baeck College in London studiert, im Zentrum der jüdischen Religion. Sie sei im individualistisch geprägten Alltag ein „positiver Ankerpunkt, einer an dem man merkt, dass es nicht nur einen selber gibt.“ Als Rabbinerin habe man in diesem Rahmen die meisten Möglichkeiten die einzelnen Gemeindemitglieder richtig kennenzulernen, Individuen zu fördern und mittels der Predigt Impulse zu geben.

Mühlstein, die sich nach einem Studium der Naturwissenschaft und ersten Erfahrungen in der chemischen Forschung für das Rabbinat entschied, thematisiert den Gender-Aspekt in ihrer Arbeit nicht explizit.

Sie findet Feminismus und das Zusammenleben der Geschlechter sehr wichtig, möchte hierauf aber nicht reduziert werden: „Ich bin nicht nur Frau. Ich definiere meine Persönlichkeit nicht nur darüber, dass ich eine Frau bin.“

Anderen zu erzählen, dass sie als Frau anstrebt Rabbinerin zu werden, bereitet ihr keine Sorgen: „Viele sind überrascht, einige können es nicht glauben, aber im Großen und Ganzen sind die meisten positiv interessiert.“