Praktischer Mittelklässler mit sportlichen Genen – BMW Touring 330i

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Von Solveig Grewe

Ein BMW 330 war mal die beste Nummer, die man in der kompakten Premium-Mittelklasse wählen konnte. Sie stand für einen längs eingebauten Dreiliter-Motor mit sechs Zylindern, die sich in Reihe sortierten und die Hinterräder mit seidig-kraftvoller Leistung bedienten. Benchmark würde man das heute wohl nennen. Nur, dass die Nummer 330 allein heute nichts mehr aussagt, außer, dass es sich um einen 3er BMW handelt. Was es mit dem Motor auf sich hat, verrät die Modellbezeichnung erst weiter hinten und nur grundsätzlich. Steht hinter der 330 ein „d“, dann stimmt das alte Muster vom Dreiliter mit sechs Zylindern noch. Steht hinten ein „i“, geht die alte Logik in die Irre.

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Sound und Performance harmonieren

Unser Testwagen der Woche, ein BMW 330 i – interne Bezeichnung G21 – ist ein Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum, dessen Leistung von 258 PS um 7 PS unter dem bleibt, was ein 330d auf die Straße bringt. Also fast gleiche Leistung mit einem Drittel weniger Hubraum und zwei Zylindern weniger – das klingt nach viel Motortuning mit Turboladung. Apropos Klang. Der hat es in sich. Auch da hat BMW viel unternommen, um seinen Vierzylinder akustisch in eine andere Liga zu liften. Was ganz okay ist, denn der aufgearbeitete Sound und die Fahrzeug-Performance harmonieren. Das Ansprechverhalten ist weitgehend turbofrei, will sagen, der Motor nimmt jede Leistungsanforderung sofort an und dreht gehorsamst willig auf, die Achtgang-Automatik sortiert die Gänge wachsam und blitzsauber. Sofern gewünscht, sind bei einem maximalen Drehmoment von 400 Nm aus dem Stand 100 km/h in 5,9 Sekunden zu schaffen und in der Spitze 250 km/h.

 

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Kraftstoffverbrauch bleibt auf Linie

Gleiten und Sprinten sind für den 330i keine Frage von entweder oder. Der Vierzylinder ist mithin alles andere als ein Blender. In Sachen Verbrauch besticht der 330i sogar. In der Woche, die wir den Touring fahren durften, genehmigte er sich im Durchschnitt, der überwiegend auf Autobahnen gefahren wurde, 6,9 Liter Super. Das liegt erfreulich dicht an den von BMW ausgewiesen 6,8 Litern (nach WLTP) und untermauert, dass die Richtgeschwindigkeit, die während des Tests als Leitlinie diente, auch den Verbrauch auf Linie hält.

 

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Direkte Lenkung, ohne dass Hektik aufkommt

Um das Fahrzeug in Gänze auf Linie zu halten, hat BMW eine ziemlich straffe Abstimmung gewählt. Wir empfanden nur den Komfortmodus des M- Sportfahrwerks als „normal“ und den Rest als übersportlich straff, aber das ist Geschmackssache und bei BMW offenbar im Rahmen der (Kunden-) Erwartungen. Lenken lässt sich der Heck getriebene Kombi wie ein Sportwagen, schon minimales Anticken wird sofort aufgenommen, ohne dass das auch nur im Ansatz auf Hektik hinausläuft. In Summe genau jene Sportlichkeit, die seit sieben Generationen den Modellkern ausmacht.

 

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Das Cockpit nimmt einen auf wie ein gut passender Handschuh

Zu dem gehört auch, dass BMW nicht den größten Ehrgeiz entwickelt, in Sachen Platzangebot die Haupt-Konkurrenten aus Stuttgart und Ingolstadt zu übertrumpfen. Dabei bleibt es auch beim G21, der Kombivariante, die im Herbst 2019 neu auf den Markt gebracht worden ist. Zwar wuchs die Gesamtlänge des Fahrzeugs (4, 71 Meter) um 8 Zentimeter und der Radstand des G 21 (2,85 Meter) übertrifft den Vorgänger gleich um 4 Zentimeter. Dennoch stellt sich in der Greenhouse genannten Fahrgastzelle nie das Gefühl von Opulenz ein, eher das Gegenteil. Man begibt sich auf einen Platz im Cockpit, der passt wie ein Handschuh. Das Ensemble an digitalisierten Anzeigen hat weiterhin seine klare Orientierung auf den Fahrer zu und ein Blick reicht, um sich mit den Bedienelementen vertraut zu machen. Das digitale Kombiinstrument kommt ohne Rundinstrumente, aber mit L-förmigen Anzeigen für Tacho und Drehzahlmesser. Eine superbe Auf- und Verteilung, die ergänzt wird durch Bedienung per Sprache, wie man sie erwarten soll, wenn das die Lösung der Zukunft sein soll.

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Sprachsteuerung ohne Missverständnisse

„Hey BMW“ und der Dreier spitzt die Ohren, um ohne weitere Nachfragen und Missverständnisse, die anderswo noch nicht ausgemerzt sind, Einstellungen zu ändern oder Navigationsziele „auf Zuruf“ anzusteuern. Vorausgesetzt, man entscheidet sich für das in unseren Testwagen integrierte Life Cockpit Professional mit dem 12,3 Zoll-Instrumentendisplay und einem Zentralmonitor mit 10,25 Zoll Display. Ab Werk muss man sich mit einem 5,7 Zoll Display, analogen Anzeigen und einem 8,8 Zoll großen touchmonitor zufriedengeben. Über das (optionale) Headup Display lassen sich gestochen scharfe und farblich unterlegte Informationen, projiziert in die Windschutzscheibe, ablesen. Die Verkehrszeichenerkennung registriert neben herkömmlichen Verkehrsschildern auch Vorfahrts – und Stoppschilder sowie rote Ampeln. Apropos Stopp. Der Einstieg in die Welt des BMW 330 i Touring beginnt zwar mit sozial verträglichen 45 050 Euro. Vorschnelles Ankreuzen bei den Sonderausstattungen kann den Preis aber mühelos auf stolze 71 120 Euro hochschnellen lassen. Dafür ließ unser Testwagen aber auch keine Wünsche offen.

Datenblatt: BMW 330 i M Sort Touring;  Motor: Vierzylinder-Turbobenziner, Hubraum: 1.998 ccm,  Leistung: 190 kW/258 PS,  max.Drehmoment: 400 Nm bei 1.550 U/min,  8-Stufen-Automatikgetriebe,  0 bis 100 km/h : 5,7 Sekunden, Spitze: 250 km/h, Normverbrauch: 5,8 l/100 km (NEFZ),  CO2-Emissionen: 131 g/km,  Preis: ab 40.050 Euro