Roc(k)en am Limit – Erste Ausfahrt mit dem VW T-Roc R

Gazelle-Autorin konnte den T-Roc R in Südfrankreich unter die Lupe nehmen.

Gazelle-Autorin Solveig Grewe konnte den T-Roc R in Südfrankreich unter die Lupe nehmen.

 

 

Von Solveig Grewe

 

Im Zuge des Klimawandels hat eine verschärfte Treibjagd auf das Auto begonnen. Besonders die SUV haben Aktivisten und Medien im Visier. Sie gelten als Abgasschleudern und sollen ein höheres Unfallrisiko in sich ragen. In den Städten okkupieren sie überdies ohnehin schon raren Parkplatz oft doppelt. Die Gemüter weiter erhitzen wird die Tatsache, dass Volkswagen dem angesichts Größe und Verbrauch eigentlich verträglichen T- Roc jetzt das R- Enblem verpasst und ihn damit zum Sportwagen geadelt hat.

 

Das R-Logo wurde inzwischen überarbeitet und zeigt sich künftig klarer und puristischer.

Das R-Logo wurde inzwischen überarbeitet und zeigt sich künftig klarer und puristischer.

 

300 PS sind reichlich für ein SUV der Kompaktklasse.

300 PS sind reichlich für ein SUV der Kompaktklasse. Foto: VW

 

Im T- Roc R arbeitet ein 2,0 Liter Turbobenziner mit 300 PS

 

Unter seiner Haube arbeitet der aus dem R-Golf bekannte 2,0 Liter Turbobenziner mit 221kw/300 PS und 400 Nm, der den ab Werk stets mit Allrad angetriebenen Wolfsburger auf – abgeregelte – 250 km/h katapultiert. Dass der Spurt von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden ohne durchdrehende Räder abgeht, dafür sorgt die sogenannte Launch-Control, bei der nach Ausschalten des ESP die Überdosis Kraft über den Allradantrieb in Millisekunden zwischen Vorder- und Hinterrädern verteilt wird. Beim Austoben seiner Performance in den mit Kurven und Kehren reich gesegneten französischen Seealpen gönnte sich der T- Roc R gerne mehr als zwölf und und auch sonst reichlich mehr als die angegebenen 7,5 Liter auf 100 km/h.

 

Die optionale Rückfahrkamera weiß man auch im T-Roc R schnell zu schätzen.

Die optionale Rückfahrkamera weiß man auch im T-Roc R schnell zu schätzen.

 

 

WTCR-Pilot Benny hat bei der Fahrwerksabstimmung Hand angelegt

Wer jetzt die Stirn runzelt – warum auch immer – dem sei gesagt, dass das zugegebenermaßen viel Kraft für ein relativ kleines Auto ist und ein SUV oder CUV, wie die Wolfsburger den auf der MQB-Plattform aufbauenden T- Roc auch nennen, eigentlich eine problematische Basis für derartig ambitionierte Hochleistungen ist. Volkswagen hat den T- Roc deshalb um zwei Zentimeter tiefer gelegt und ihm ein straffes Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern mit auf den Weg gegeben. Bei dessen Auslegung hat WTCR-Pilot Benny Lichter mit Hand angelegt. „Uns war es wichtig, den Spagat zwischen Sportsgeist und Alltagstauglichkeit hinzukriegen“, erklärt Lichter. Lange wurde auf der Nordschleife des Nürburgrings an einer perfekten Abstimmung gefeilt. Dass die Dachlast von 75 Kilogramm weiterhin im Lastenheft blieb, machte die Sache nicht unbedingt leichter. „Ein zentraler Schalthebel bei der Verschiebung der Dynamik-Grenze des SUV nach oben war der Allradantrieb mit der speziell abgestimmten Haldexkupplung“ fügt Lichter, den alle nur Benny nennen, hinzu. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Stoßfänger im R-Styling und Lufteinlässe mit Lamellen in Schwarz betonen die Sportlichkeit.

Stoßfänger im R-Styling und Lufteinlässe mit Lamellen in Schwarz betonen die Sportlichkeit.

 

Lasst uns doch einmal unvernünftig sein im ,‚Race“ – Modus

Im Fahrmodus „Comfort“ bügelt das Fahrwerk selbst auf schlechten Fahrstecken wie Ortsdurchfahrten mit den tückischen „Schlafenden Polizisten“ trotz der 19-Zoll-Reifen Unebenheiten sauber weg. Nein, es gehört sich eigentlich nicht, jetzt die Einstellung „Race“ zu wählen, das Gaspedal bis zum Boden durchzudrücken, alle Argumente hinter sich zu lassen und sich am kernigen Klang des 2,0 Liter TSI zu ergötzen. Aber in den Tunneln auf der einsamen südfranzösischen Nationalstraße warten weder Richter noch Henker. Geht man doch mal vorsichtshalber vom Gas, wird das mit bollernden Salven quittiert. Schnell vergisst man, dass man in einem SUV sitzt. Lastwechselreaktionen wie Wankbewegungen sind dem T- ROC R fremd.

 

 

Auch im Cockpit geht es mit dem unten abgeflachten Lenkrad sportlich zur Sache.

Auch im Cockpit geht es mit dem unten abgeflachten Lenkrad sportlich zur Sache. Foto: VW

 

Die bissige Hochleistungsbremse packt zuverlässig zu

Wenn es doch mal eng wird beim Überholen und plötzlichem Gegenverkehr, garantiert die bissige Hochleistungsbremsanlage eine effektive Verzögerung. Der Bremspedaldruck bleibt dank des neu abgestimmten Bremskraftverstärkers wie beim Motorsport dabei durchgehend konstant. Das Schalten übernimmt ausschließlich ein 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe mit angepassten Schaltzeitpunkten und Schaltgeschwindigkeiten. Wer unbedingt selbst agieren will, der sei auf die Schaltwippen am gut in der Hand liegenden und unten abgeflachten Sportlenkrad verwiesen.

Mindestens 43 995 Euro sollte man für den T-Roc R parat halten.

Mindestens 43 995 Euro sollte man für den T-Roc R parat halten.

 

43 995 Euro sollte einem die Leidenschaft für den „R“ schon wert sein

Äußerlich macht der T- Roc R da weiter, wo die optionale R-Line aufgehört hat. Von der zusätzlichen Potenz sprechen vier große Auspuffrohre, das steil stehende Tagfahrlicht an den beiden vorderen Lufteinlässen mit ihren schwarzen Lamellen und das – inzwischen überarbeitete – R-Logo im schwarzen Kühlergrill und auf der Heckklappe. Neue Schürzen und Schweller lassen den T- Roc R bulliger als seinen zivilen Bruder erscheinen. Der dynamischere und leidenschaftlichere Auftritt des T-Roc R fordert natürlich preislich seinen Tribut: Mindestens 43.995 Euro sollte man dafür parat halten.

 

Text und Fotos : Solveig Grewe und Hersteller