„Frauengesundheit“ – #06 Brustkrebs

Die Medizin hat sich in den letzten Jahren aufgrund intensiver nationaler und internationaler Forschungsaktivitäten erheblich weiterentwickelt. Dennoch erreichen viele medizinische Verbesserungen trotz ihrer Verfügbarkeit noch nicht alle Frauen. Information und Wissen sind die Grundpfeiler für eine aktive Einbindung der Frau in den medizinischen Entscheidungsprozess.

Daher haben wir die Serie „Frauengesundheit“ ins Leben gerufen. Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie der Berliner Charité, Frauenarzt und renommierter Krebsspezialist. beantwortet hierzu in der Gazelle exklusiv die wichtigsten Fragen. gerne können Sie uns Anregungen zu den nächsten Themen und Ihre Fragen an die Redaktion zusenden. Heute sprechen wir über Brustkrebs.

Dr. Jalid Sehouli ist Direktor der Frauenklinik an der Berliner Charité und Schriftsteller

Dr. Jalid Sehouli ist Direktor der Frauenklinik an der Berliner Charité und Schriftsteller

 

Wieviele Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs?
Etwa 65 000 Frauen erkranken jedes Jahr an Brustkrebs, der mittlere Altersgipfel liegt etwa bei 64 Jahren, jede vierte Betroffene ist aber jünger als 55 Jahren, jede zehnte jünger als 45 Jahren. Brustkrebs stellt in nahezu allen Industriestaaten die häufigste Krebserkrankung der Frau dar. Etwa eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.

Von welchen Faktoren hängt die Prognose bei Brustkrebs ab?
Aufgrund der Möglichkeiten der Molekularbiologie und klinischen Forschung ist in den letzten Jahren das Wissen und die Behandlungsmöglichkeiten des Brustkrebs rasant gewachsen.
Beim Brustkrebs werden verschiedene Typen unterschieden, die sich in ihrem biologischen Verhalten und dem Gewebemuster erheblich unterscheiden. Ausserdem werden auch gutartige Tumore und Krebsvorstufen (z.B. Ductales Carcinoma in situ = DCIS) unterschieden. Neben der Tumorgrösse und dem Lymphknotenstatus haben die Ergebnisse am Tumorgewebe zu den Hormonrezeptoren, der Wachstumsgeschwindigkeit und zum sog. Her2-Status, ein Tumorwachstumsfaktor, eine besondere Rolle bei der Prognoseeinschätzung und beeinflussen die Anschlusstherapie. Erfreulich ist, dass die Überlebenschancen auf Basis von nationalen und internationalen Studien sich in den letzten Jahren erheblich verbessert haben und die allermeisten Frauen mit Brustkrebs geheilt werden können.

 

Was sind die Symptome bei Brustkrebs, worauf sollte eine Frau besonders achten?
Häufig und lange gibt es gar keine Beschwerden beim Brustkrebs, daher sind die Vorsorge und das Screening so wichtig. Wichtig ist dass, man auf seinen Körper achtet und auch alle Veränderungen im Bereich der Haut oder des Brustgewebes bemerkt und der Frauenärztin bzw. dem Frauenarzt mitteilt. Brustkrebs muss auch keine Schmerzen verursachen.
Die meisten Veränderungen der Brust sind aber gutartiger Natur, daher muss nicht jede Veränderung gleich mit einem Verdacht auf Brustkrebs in Zusammenhang gebracht werden.
Bei allen Unklarheiten empfiehlt es ich aber ärztliche Beratung aufzusuchen.
Folgende Beschwerden sollten grundsätzlich abgeklärt werden:
Neu aufgetretene narbenartige Hauteinziehungen, Schwellungen, Rötungen, Grübchen oder vergrößerte Poren (sog. Apfelsinenhaut)

 

Wann sollte die Brustkrebsvorsorge wahrgenommen werden?
Wichtig zu betonen ist, dass auch die positive Beeinflussung des Lebensstils, wie Ernährung und Bewegung zu allen Vorsorgestrategien gehören sollten, das wird leider in der Diskussion häufig vernachlässigt obwohl es hierfür wirklich gute und belastbare wissenschaftliche Argumente existieren.
In Deutschland existiert eine gesetzlich von den Krankenkassen getragenes Früherkennungs- und Screeningsystem.
Je nach Alter greifen verschiedene Untersuchungsverfahren.
In welchen Intervallen und was genau untersucht wird, ist abhängig vom Alter der Frauen, so werden bei Frauen zwischen 30 und 49 und ab 70 Jahren die einmal jährliche Untersuchung der Brustdrüsen und den Lymphknoten der Achselhöhlen zum Programm, Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden zusätzlich zu dieser Untersuchung zum Mammographiescreening alle zwei Jahren eingeladen.

 

Man versucht ja grundsätzlich eine Strahlenbelastung zu vermeiden, wie ist die Strahlenbelastung bei der Mammographie?
Das ist auch absolut richtig, wobei dies gilt sowohl für die Indikation von medizinischen Massnahmen als auch für die natürliche Strahlung aus Gesteinen oder dem Weltall. Die Strahlendosis bei einer Mammografie beträgt im Allgemeinen etwa 0,2 – 0,3 Milli-Sievert. Es wird davon ausgegangen, dass der Mensch über die natürliche Strahlung, die aus dem Weltraum, aus Gesteinen und natürlichen Gasen stammt, im Durchschnitt pro Jahr etwa 2,4 Milli-Sievert ausgesetzt sind, also etwa einem Zehntel der durchschnittlichen jährlichen Strahlenbelastung, wobei die Strahlenbelastung der Mammografie nur das Brustgewebe betrifft.

 

Was kann eine Frau selbst tun um Brustkrebs vorzubeugen?

Frauen mit einem genetischen Risiko sollten ein spezielles Brustkrebsvorsorgeprogramm erhalten, welches frühzeitig regelmässige Untersuchungen unter Einsatz zusätzlicher Untersuchungsverfahren, wie Magnetresonanztomographie (MRT) erhalten.
Ein Teil der Frauen mit Brustkrebs entwickelt Brustkrebs aufgrund von einer genetischen Vorbelastung (z.B.: BRCA Gene), die auch je nach Mutation ein Risiko für Eierstockkrebs in sich tragen. Das sind etwa 5- 10% aller Betroffenen mit Brustkrebs.
Um diese Frauen besser identifizieren zu können wurden vom Deutschen Konsortium für familiären Brust- und Eierstockkrebs (www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de ) Checklisten entwickelt, die auf ein erhöhtes genetisches Risiko hinweisen können.

 

Vielen Dank für das Gespräch!