„Frauengesundheit“ – #05 Gebärmutterkrebs und Gebärmutterhalskrebs

Die Medizin hat sich in den letzten Jahren aufgrund intensiver nationaler und internationaler Forschungsaktivitäten erheblich weiterentwickelt. Dennoch erreichen viele medizinische Verbesserungen trotz ihrer Verfügbarkeit noch nicht alle Frauen. Information und Wissen sind die Grundpfeiler für eine aktive Einbindung der Frau in den medizinischen Entscheidungsprozess.

Daher haben wir die Serie „Frauengesundheit“ ins Leben gerufen. Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie der Berliner Charité, Frauenarzt und renommierter Krebsspezialist. beantwortet hierzu in der Gazelle exklusiv die wichtigsten Fragen. gerne können Sie uns Anregungen zu den nächsten Themen und Ihre Fragen an die Redaktion zusenden. Heute sprechen wir über den Gebärmutterhals und Gebärmutterkrebs.

Dr. Jalid Sehouli ist Direktor der Frauenklinik an der Berliner Charité und Schriftsteller

Dr. Jalid Sehouli ist Direktor der Frauenklinik an der Berliner Charité und Schriftsteller

Warum wird zwischen Gebärmutterhalskrebs und Gebärmutterkrebs unterschieden?

Der Gebärmutterhals besteht aus einem anderem Gewebe als die Gebärmutterschleimhaut, also biologisch sind diese Strukturen also völlig unterschiedlich, auch die Tumoren entwickeln sich völlig anders, trotz der engen anatomischen Verbindung.

Die Krebsvorsorge mit den Zellabstrichen hat sich ja seit Jahren etabliert, kann man damit beide Tumorerkrankungen vorbeugen bzw. früh entdecken?

Der Pap-Test wurde nach dem griechischen Arzt George Papanicolaou benannt. Der Test beruht auf der Beurteilung von gefärbten Zellabstrichen vom Muttermund und dient der Erkennung von  Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses, sogenannte Dysplasien. Die Zellbefunde werden insbesondere hinsichtlich der Aussagefähigkeit der Gebärmutterhalskrebs in verschiedene „Gruppen“ nach der Münchner Nomenklatur III klassifiziert:

Pap 0 Zellabstrich unzureichend
Pap I Normalbefund, unauffällig
Pap II Befunde mit eingeschränkter aussagefähigkeit
Pap III Unklare bzw. zweifelhafte Befunde
Pap IIID Dysplasie-Befunde mit größerer Regressionsneigung
Pap IV Unmittelbare Vorstadien des Gebärmutterhalskrebs
Pap V Malignome

Die Zellen der Gebärmutterhalsregion lassen sich relativ leicht wegen ihrer Gewebecharakter mittels dem Abstrich nachweisen, das gilt nicht für die Gebärmutterschleimhaut. Selbst der Gebärmutterkrebs, das sogenannte Endometriumkarzinom, zeigt unauffällige Zellveränderungen.

Beim Gebärmutterhalskrebs spielen ja die verschiedenen Viren die sogenannten Humanen Papilloma Viren (HPV) eine entscheidende Rollen bei der Entstehung von Zellveränderungen, trifft dies auch für Endometriumkarzinom?

Nein, die HPV-Viren spielen beim Endometriumkarzinom keine Rolle. So hat auch die empfohlene HPV Impfung der Mädchen zwischen 9 bis 14 Jahren (spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr) nur Einfluss auf den Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und nicht auf den Gebärmutterkrebs.

Was sind die Symptome bei Gebärmutterhals- und Gebärmutterkrebs?

Das Endometriumkarzinom hat als typisches Symptom, die sogenannte postmeonpausale Blutung, d.h. dass ältere Patientinnen von einer Schmier- oder regelstarken Blutung aus der Scheide berichten, nachdem schon Jahren die „normale“ Regelblutung ausgeblieben ist. Das hat damit zu tun, dass die Zellen der Gebärmutterschleimhaut sehr verletzlich sind und die Blutung meist ein Frühsymptom beim Endometriumkarzinom darstellt. Aber auch ein wiederkehrender Ausfluss kann ein Symptom sein. Beim Gebärmutterhalskrebs, kann auch die außerplanmässige Blutung, z.B. beim Geschlechtsverkehr ein Hinweis auf eine Zellveränderung sein oder Schmerzen zur Diagnose führen.

Grundsätzlich sollten Frauen bei derartigen Symptomen zu ihren Frauenärzten gehen und das Vorsorgeprogramm zur Erkennung der Zellveränderungen zur Vermeidung des Gebärmutterhalskrebs in Anspruch nehmen und wie für alle Krankheiten alles tun um ihren Gesundheitsstatus zu stärken. Dazu gehört natürlich neben Aspekte der Ernährung und Sport/Bewegung auch der Verzicht auf das Rauchen, denn Vorsorge ist immer besser als Behandlung!

 Das Interview führte der Journalist Ahmed Abida.

Die bisher erschienen Beiträge der Serie „Frauengesundheit“:

Teil eins: Eierstockkrebs
Teil zwei: Myome
Teil drei: Endometriose
Teil vier: Unterbauchscmerzen

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