“Frauengesundheit” – #04 Unterbauchschmerzen

»Was Frauen unbedingt wissen sollten!«

Thema 4: Unterbauchschmerzen

Gespräch mit Krebsspezialist Prof. Dr. Jalid. Sehouli aus der Berliner Charité

Dr. Jalid Sehouli ist Direktor der Frauenklinik an der Berliner Charité und Schriftsteller

Dr. Jalid Sehouli ist Direktor der Frauenklinik an der Berliner Charité und Schriftsteller

Die Medizin hat sich in den letzten Jahren aufgrund intensiver nationaler und internationaler Forschungsaktivitäten erheblich weiterentwickelt. Dennoch erreichen viele medizinische Verbesserungen trotz ihrer Verfügbarkeit noch nicht alle Frauen. Information und Wissen sind die Grundpfeiler für eine aktive Einbindung der Frau in den medizinischen Entscheidungsprozessen.
Daher haben wir nun diese Serie für Sie ins Leben gerufen.
Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie der Berliner Charité, Frauenarzt und renommierter Krebsspezialist beantwortet hierzu in der Gazelle exklusiv die wichtigsten Fragen. Gerne können uns Anregungen und Fragen an die Redaktion zugeschickt werden. Heute sprechen wir über ein Symptom, welches nahezu alle Frauen kennen.

 

Was sind die Ursachen von Unterbauchschmerzen?

Eine Vielzahl von verschiedenen Erkrankungen können Unterbauchschmerzen bei der Frau verursachen. Zum einem können die Organe, die im Unterbauch lokalisiert sind, Beschwerden verursachen, zum Anderem können aber auch weitentfernte Organe oder Organstrukturen z.B. Wirbelsäule, Bandscheiben, Muskeln oder Harnleitersteine in den Unterbauch bzw. in den Unterleib ausstrahlen. Grundsätzlich werden akute Unterbauschmerzen, also die plötzlich auftreten sich von chronischen Unterbauchschmerzen unterschieden, die über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten andauern.
Anatomisch gehören zum Unterbauch neben den inneren Geschlechtsorganen (Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter), auch die Blase, Teile des Dick- und Dünndarms, der Blinddarm und die Harnleiter zum Unterbauch.

 

Was soll man tun, wenn immer wieder Unterbauchschmerzen auftreten?

Als erstes muss geklärt werden, woher die Schmerzen kommen. Dies kann sehr kompliziert sein, da häufig verschiedene Fachdisziplinen zusammenarbeiten müssen, um die verschiedenen Differentialdiagnosen auszuschließen. Wichtig ist die Schmerzen so detailliert wie nur möglich zu beschreiben. Seit wann ist der Schmerz da? Wann tritt dieser auf? Wie lang bleibt der Schmerz? Wie ist die Qualität und Intensität des Schmerzes (Schmerzskala 1-10, dumpf oder stechend)? Wie hat sich die Intensität über die letzte Zeit verändert (gleichbleibend oder zunehmend)? Wo ist der Schmerz genau lokalisiert, strahlt dieser aus? Was hat bisher bei der Schmerzbekämpfung geholfen?
Häufige Diagnosen bei Frauen sind Endometriose, Blasenentzündungen, Eierstockentzündungen (Adnexitis) und gutartige Eierstockzysten. Manchmal stammen die Beschwerden vom Darm ab. Aber auch sog. psychosomatische Beschwerden können die Ursache von Unterbauchschmerzen sein. Unter psychosomatischen Beschwerden werden im Allgemeinen Krankheitsbilder verstanden, die als Ursache psychische Konflikte und Stresssituationen haben, die dann als somatische, also körperlich wahrgenommene Beschwerden, sich bemerkbar machen. Diese Diagnose darf aber nicht leichtfertig gestellt werden und bedarf einer sehr aufwendigen Auseinandersetzung.

 

Was sind die diagnostischen Schritte bei Unterbauchschmerzen?

Der erste und wichtigste Schritt ist, dass ein Arzt aufgesucht wird und die Beschwerden ernst genommen werden. Grundsätzlich empfehlen wir wegen der Häufigkeit der Ursachen aus dem gynäkologischen Bereich einen Frauenarzt aufzusuchen.
In der diagnostischen Abklärung ist die Anamnese, das ärztliche Gespräch das wichtigste Diagnoseverfahren überhaupt. Neben den oben bereits aufgeführten Fragen, werden noch viele weitere Themen abgeklärt. Hierzu zählen zum Beispiel, Begleiterkrankungen (Diabetes mellitus) oder Voroperationen. Nach der allgemeinen körperlichen Untersuchung erfolgt im Allgemeinen die gynäkologische Untersuchung und die Durchführung eines Ultraschalls über die Scheide und des Bauches. Ergänzend können auch bildgebende Verfahren, wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) und Blutabnahmen angezeigt werden.
Die Auswahl der zusätzlichen Untersuchungsverfahren wird je nach Verdachtsdiagnose und Dringlichkeit der Abklärung (akut, chronisch) angepasst.
Weitere Untersuchungen können auch die Analyse von Urin (z.B. Blasentzündung) oder Stuhlproben sein (z.B. Fehlbesiedlung des Darmes) und der Ausschluss von Stoffwechselstörungen (z.B. Laktose-Intoleranz) einschliessen. Auf der Suche nach der Diagnose kann je nach Krankheitssituation auch eine minimal-invasive Laparoskopie angezeigt sein. Hierunter ist die operative Abklärung mittels der Schlüssellochchirurgie gemeint um z.B. Zysten oder Verwachsungen zu bestätigen oder auszuschließen.

 

 

Was soll man tun, wenn trotz intensiver Suche bisher keine Ursache gefunden wurde?

Wie bei jeder anderen Diagnose empfehle ich in solchen Situationen eine Zweitmeinung einzuholen.

 

 

Das Interview führte der Journalist Ahmed Abida.

 

Für weitere Infos: https://frauenklinik-cvk.charite.de/patientinnen/gebaermuttermyome/

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