“Frauengesundheit” – #03 ENDOMETRIOSE

 »Was Frauen unbedingt wissen sollten!«

Thema 3: Endometrios

Dr. Jalid Sehouli ist Direktor der Frauenklinik an der Berliner Charité und Schriftsteller

Dr. Jalid Sehouli ist Direktor der Frauenklinik an der Berliner Charité und Schriftsteller

In unserer aktuellen Reihe “Frauengesundheit” beantwortet Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie der Berliner Charité, Frauenarzt und renommierter Krebsspezialist exklusiv Gazelle die wichtigsten Fragen zum Thema.

Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie der Berliner Charité, Frauenarzt und renommierter Krebsspezialist beantwortet hierzu für Gazelle exklusiv die wichtigsten Fragen.

Heutige Thema. ENDOMETRIOSE

Was ist Endometriose?

Von Endometriose spricht man, wenn sich Gebärmutterschleimhaut, welche normalerweise in der Gebärmutter zu finden ist, auch außerhalb der Gebärmutter vorkommt. Dieses Gewebe reagiert aber trotz der anderen Lokalisation ähnlich wie normale Gebärmutterschleimhaut und kann z.B. Schmerzen und Blutungen während der Menstruation verursachen.

Was heißt außerhalb der Gebärmutter und wo kann die Endometriose sich ansiedeln?

Prinzipiell kann Endometriose in jedem Organ vorliegen. Meist innerhalb des Beckens, mit Befall der Eierstöcke und Eileiter, aber auch im Oberbauch (z.B. Zwerchfell) und sehr selten sogar in der Lunge oder den Knochen.

Wie häufig ist Endometriose und betrifft das alle Altersklassen?

Die Endometriose ist sogar die zweithäufigste gutartige Erkrankung bei Frauen. Man schätzt, dass etwa 10% der geschlechtsreifen Frauen Endomertriose haben. In Deutschland sind etwa zwei Millionen Frauen von der Endometriose betroffen. Frauen ab der Menopause haben grundsätzlich sehr selten Endometriose. Die größte Auftrittshäufigkeit liegt zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr.

Was ist die Ursache von Endometriose?

Trotz intensiven Forschungsaktivitäten ist noch immer die Ursache von Endometriose unklar.

Verschiedene Theorien werden immer wieder diskutiert, sind aber noch nicht bewiesen, also nur Vermutungen:

Eine Hypothese geht davon aus, dass Anteile der Gebärmutterschleimhaut bei einer „umgekehrten” – Menstruation, also rückwärts, durch die Eileiter in den Bauchraum gelangen sind. Eine andere Theorie besagt, dass die Endometriose direkt an den Orten außerhalb der Gebärmutter entstanden sind. Eine weitere Hypothese vermutet, dass immunologische Veränderungen ursächlich sind und chronische Entzündungen verursachen. Einen eindeutigen Vererbungsmodus konnte bisher nicht nachgewiesen werden, aber es liegen Hinweise vor, dass bei Verwandten 1. Grades ein bis zu 8-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko vorliegt.

Was sind die Symptome der Endometriose?

Das hängt sehr von der Lokalisation der Endometriose ab. Nicht jede Endometriose muss aber Beschwerden machen. Häufig führt chronische Unterbauchschmerzen die Frauen zur Diagnose Endometriose, ist aber z.B. die Blase befallen, kann Blut im Urin während der Menstruation das führende Symptom sein. Sind Nerven mit einbezogen können sogar in die Beine ausstrahlende Schmerzen die Patientin zu Diagnose führen. Ist der Darm mit Endometriose betroffen, können Schwierigkeiten (Schmerzen, Blut) beim Stuhlgang die Folgen sein. Aufgrund von Verklebungen der Eileiter und Eierstöcke können auch Schwierigkeiten Schwanger zu werden durch die Endometriose verursacht sein.

Daher sollten Frauen bei all diesen Beschwerden ihre Frauenärztin oder Frauenarzt aufsuchen.

Ist das Risiko für Krebserkankungen bei Frauen mit Endometriose erhöht?

Das ist ein sehr kompliziertes Thema, da hierzu die wissenschaftliche Datenlage noch nicht abgeschlossen ist. Verschiedene Studien weisen aber durchaus für bestimmte Erkrankungen, wie Eierstockkrebs eine statistische Häufung bei Frauen mit Endometriose hin. Aber, die allermeisten Frauen werden sicher nie Eierstockkrebs oder eine andere Krebserkrankung entwickeln, also informieren ja, aber die Krebsangst sollte keine Grundlage einer Therapie bei Endometriose sein. Bei der operativen Abklärung von Endometriose sollte aber diese Tatsache stets mitberücksichtigt werden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Wichtig, wie bei allen Diagnosen ist daran zu denken und die Anamnese detailliert zu erheben.

Grundpfeiler der Untersuchungen sind die gynäkologische Untersuchung, die Ultraschalluntersuchung, ggf. die Magnetresonanztomographie. Die endgültige Diagnose kann aber nur mittels einer Bauchspiegelung (minimal-invasive Operation) erfolgen, da häufig die Herde nur wenige Millimeter messen und anders gar nicht erkannt werden können, zudem muss diese Herde mittels mikroskopischer Analysen untersucht und die Diagnose Endometriose bestätigt werden.

Wie ist die Therapie der Endometriose?

Auch das hängt natürlich von den Beschwerden und den Behandlungszielen ab. Grundsätzlich werden bei Beschwerden operative und nicht-operative (hormonelle und antientzündliche Medikationen)Therapiekonzepte angewendet, die entweder alleine oder in Kombination zur Anwendung kommen und individuell besprochen werden müssen. Das Ausmaß der Operation hängt ebenfalls von der Lokalisation und den Beschwerden ab, und kann von der einfachen Abtragung bis zu größeren Operation mit Darmteilentfernung reichen, wenn z.B. tiefere Darmschichten betroffen sind. Häufig wird nach der Operation drei bis sechs Monate lang mit Hormonen nachbehandelt.

Wo können sich Frauen hinwenden?

Am besten sprechen Sie mit Ihren Ärzten, außerdem haben sich wie in meinen Kliniken seit einigen Jahren sog. zertifizierte Endometriosezentren etablieren können, die alle Therapiekonzepte individuell anbieten. Wichtige Informationen erhalten Frauen auch bei Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.

Ich danke Ihnen für das sehr interessante Interview!

Das Interview führte der Journalist und Filmproduzent Ahmed Abida.

Für weitere Infos: https://frauenklinik-cvk.charite.de/patientinnen/gebaermuttermyome/

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