“Frauengesundheit” – #02 Myome

 »Was Frauen unbedingt wissen sollten!«

Thema 2: Myome

Gespräch Krebsspezialist Prof. Dr. Jalid. Sehouli aus der Berliner Charité

Dr. Jalid Sehouli ist Direktor der Frauenklinik an der Berliner Charité und Schriftsteller

Dr. Jalid Sehouli ist Direktor der Frauenklinik an der Berliner Charité und Schriftsteller

Die Medizin hat sich in den letzten Jahren aufgrund intensiver nationaler und internationaler Forschungsaktivitäten erheblich weiterentwickelt. Dennoch erreichen viele medizinische Verbesserungen trotz ihrer Verfügbarkeit noch nicht alle Frauen. Information und Wissen sind die Grundpfeiler für eine aktive Einbindung der Frau in den medizinischen Entscheidungsprozess.
In unserer Reihe geht es diesmal daher um Myome. Sie zählen zu den häufigsten Diagnosen bei Frauen. Bis zu jeder vierten Frau über 30 Jahre ist mit dieser Diagnose konfrontiert. Zwischen dem 35. und 54. Lebensjahr werden Myome am aller häufigsten diagnostiziert.

Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie der Berliner Charité, Frauenarzt und renommierter Krebsspezialist beantwortet hierzu für Gazelle exklusiv die wichtigsten Fragen.

Professor Dr. Jalid Sehouli, was sind Gebärmuttermyome?
Gebärmuttermyome sind gutartige Geschwülste, die sich in der Wand der Gebärmutter, also der Muskulatur bilden. Eine Entartung, d. h. ein Sprung in eine Krebserkrankung, einen bösartigen Tumor kommt praktisch nicht vor. Daher sollte dies auch nicht als Grund von irgendeiner Behandlung sein.
Myome sind also Muskelknoten, die im Gegensatz der normalen Gebärmuttermuskulatur etwas ungeordneter strukturiert sind, und daher als Knoten oder Knötchen imponieren. Myome entstehen und wachsen unter dem Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone, die hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet werden. Daher ist ein Wachsen von Myomknoten in der Menopause eher selten. Meist verschwinden auch die myombedingten Beschwerden nach den Wechseljahren, da der Östrogenspiegel (Östrogen ist ein weibliches Geschlechtshormon) absinkt und die Myome kleiner werden.

Was sind die Ursachen?
Die genauen Ursachen sind leider noch nicht abschließend geklärt. Für die Entstehung von Myomen sind wahrscheinlich aber mehrere und auch Erbfaktoren verantwortlich. So haben Frauen in Afrika sehr viel häufiger Myome als Kaukasier, wegen der genetischen Veranlagung.

Was sind denn typische myombedingte Beschwerden?
Häufig sind Gebärmuttermyome symptomlos. Verursachen also keinerlei Beschwerden und werden dann nur zufällig beim Ultraschall erkannt. Sie können aber abhängig von Größe, der Lage in der Gebärmutter und Anzahl sowohl leichte als auch schwere Beschwerden verursachen.
Frauen mit Myomen berichten über folgenden Beschwerden:
• verstärkte und verlängerte Monatsblutung, mit und ohne Blutarmut (Anämie)
• Schmerzen im Unterleib
• Druck, Fremdkörper- oder Schweregefühl im Beckenbereich
• Schmerzen im Rücken oder in die Beine ziehend
• Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
• Druckgefühl auf der Harnblase mit vermehrtem Harndrang
• Druckgefühle auf den Darm, u. U. verbunden mit Schmerzen und Blähungen
• selten: stark vergrößerter Bauchumfang oder Harnleiter- oder Nierenstau

Was sind die Behandlungsmöglichkeiten?
Myome sollten nur dann behandelt werden, wenn diese Beschwerden verursachen oder wenn sie für eine geplante Schwangerschaft ein Problem darstellen könnten.
Hierbei existieren sowohl operative als auch nicht-operative Therapiemöglichkeiten, die individuell angepasst werden müssen. Auf jeden Fall sollte sich die Patientin über die einzelnen Möglichkeiten und deren Risiken und möglichen Nutzen beraten werden.
Am Anfang einer Myomtherapie kann stets der Versuch einer medikamentösen Behandlung z. B. mit einer speziellen Antibabypille oder einer anderen zeitlich begrenzten Hormon- oder Hormonrezeptortherapie stehen. Ist dieser Behandlungsweg nicht möglich oder nicht erfolgreich, ist die direkte Behandlung oder Entfernung des Myoms bzw. der Myome angezeigt, die durch schonende (minimal-invasive) operative gynäkologische Verfahren oder auch mittels invasiver und nicht-invasiver radiologischen Verfahren erfolgen kann.

Hierzu zählen u.a. Operationsmethoden zur Myombehandlung.

Welche Operationsmethode für die Myomentfernung gewählt wird hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wie ist die Lage des Myoms? Außen, in der Muskulatur, oder in der Gebärmutterhöhle. Sowie von den Voroperationen und anderen klinischen Faktoren. Grundsätzlich sollte steht die schonendste und sicherste Methode angewendet werden. Zu den Operationstechniken zählen die Myomausschälung, Entfernung und auch die Gebärmutterentfernung ohne Eierstöcke und die sog. suprazervikale Gebärmutterentfernung, bei der der Gebärmutterhals erhalten bleibt.

Weitere nicht-operative Verfahren MRT-gelenkter fokussierter Ultraschall (MrgFUS), wobei Ultraschallwellen gezielt auf das Myom gerichtet und versucht wird das Myom in mehreren Portionen durch die entstehende Hitze zu verkleinern; Embolisation von Gebärmuttermyomen, bei dieser Behandlung wird durch einen spezialisierten Radiologen über das Gefäßsystem ein kleiner Plastikschlauch unter Röntgenkontrolle (Durchleuchtung) bis zur Gebärmutterarterie schmerzlos eingeführt und über diesen kleine Kunststoff- oder Gelatineperlen in der Größe von Sandkörnern in die Hauptarterien der Myome gegeben, die das Myom mit Blut versorgt. Dadurch werden diese vom Blutstrom
abgeschnitten, und die Myome werden innerhalb weniger Monate nach der Maßnahme schrumpfen. Wichtig ist nochmals zu betonen: Nicht für jede Patientin ist jedes Behandlungsverfahren gleich gut geeignet, daher sollten sich die Patientinnen von Frauenärzten und den Myomzentren intensiv beraten lassen.

Sie führen in Ihrer Klinik auch eine aktuelle Studie mit grünen Tee für Frauen mit Myomen durch?
Ja, das ist richtig, wir versuchen stets auch wissenschaftlich neue Therapiekonzepte für unsere Patientinnen weiterzuentwickeln. Verschiedene Studien lassen einen Effekt von grünen Tee auf Myome vermuten. Hierbei geht es insbesondere um den Wirkstoff Epigallocatechingallat (EGCG), dieser Bestandteil ist ein Antioxidans und macht etwa ein Drittel der Trockenmasse des grünen Tees aus. Im schwarzen Tee ist der Anteil viel geringer, da aufgrund der Fermentation dieser Stoff verändert wird. In unserer Anwendungsbeobachtung (AWB) mit der täglichen
Einnahme von EGCG-angereicherten Grün-Tee-Extrakt-Kapseln (tigovit) erreichen wir die Dosen von etwa 1800 ml grünen Tee. Diese Dosis wird nach präklinischen Studien gefordert, um einen Effekt zu erreichen. Frauen mit Uterusmyomen und ohne Beschwerden können an der AWB teilnehmen und erhalten von uns die Kapseln über einen Zeitraum von sechs Monaten kostenlos.
Bei Interesse bitte ich Herrn Professor Matthias David, dem Leiter unserer Myomsprechstunde zu kontaktieren (matthias.david@charite.de).

Ich danke Ihnen für das sehr interessante Interview!

Das Interview führte der Journalist und Filmproduzent Ahmed Abida.

Für weitere Infos: https://frauenklinik-cvk.charite.de/patientinnen/gebaermuttermyome/

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