Ein Wechselbad der Gefühle: “Nur wir drei gemeinsam”

(c) NFP Verleih

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Der bekannte französische Komiker und Schauspieler Kheiron erzählt in seinem Debütfilm Nur wir drei gemeinsam die Geschichte seiner Eltern, die nach der Machtübernahme Khomeinis als politische Flüchtlinge den Iran verlassen, um in Frankreich ein neues Leben zu beginnen.

Von Simone Wachter

Zusammen mit seinen zwölf Geschwistern wächst der aufgeweckte und resolute Hibat wohl behütet im Iran der 1960er und 70er-Jahre auf. Aber unter dem Regime des Schah Mohammad Reza Pahlavi herrschen Angst und Terror. Überall im Land formiert sich jedoch politischer Widerstand. Und auch Hibat engagiert sich. Als Jurastudent in Teheran agitiert er im Untergrund gegen den Schah, der mit Massenverhaftungen, Folter und Hinrichtungen gegen Oppositionelle und Studenten vorgeht. Beim Kleben regierungskritischer Plakate werden er und sein Bruder Aziz verhaftet und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Einzelhaft und Folter lassen Hibat fast verzweifeln, dennoch bleibt er seinen Ansichten treu. Bis der Schah gestürzt und Hibat nach sieben Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird.

Ihr Motto: “Nur wir drei zusammen”

Die Freude darüber währt jedoch nur kurz, denn unter der Regentschaft Khomeinis gelangt sofort die nächste Diktatur an die Macht. Hibat schließt sich erneut einer Widerstandsgruppe an. Dort lernt er die Krankenschwester Fereshteh kennen und verliebt sich in sie. Beide heiraten und bekommen einen Sohn, Nouchi. Die politischen Verhältnisse werden für die junge Familie zu unsicher und man beschließt, den Iran zu verlassen. Hibat möchte zunächst allein vorausgehen, doch Fereshteh protestiert. Ihr Motto? „Nur wir drei gemeinsam“! Die Familie flüchtet über die Türkei ins französische Exil, wo sie in den sozialen Ghettos der Pariser Banlieue landet.

Was zuerst nach ernstem und traurigem Polit- oder Flüchtlingsdrama klingt, ist eine ebenso wahre wie interessante Familiengeschichte. Und eine ziemlich lustige obendrein. Verfilmt hat sie der Schauspieler, Rapper und Komiker Nouchi Tabib, in Frankreich bekannt unter dem Künstlernamen Keiron. Nur wir drei gemeinsam ist sein Regiedebut, in dem er auch die Rolle seines Vaters Hibat spielt – an der Seite der preisgekrönten französisch-algerischen Schauspielerin Leila Bekhti als Fereshteh. 2015 gewann der Film auf den Internationalen Filmfestspielen in Tokio den Spezialpreis der Jury und wurde 2016 als Bester Debütfilm für den César nominiert. Auch das deutsche Publikum zeigte sich begeistert. Nur wir drei gemeinsam gewann u.a. den Publikumspreis des Münchner Filmfests 2016.

Völlig zu Recht, denn Ausführung, Atmosphäre und Darstellung des Films überzeugen auf ganzer Linie. Zumal es einem Filmemacher bisher selten gelungen ist, den Spagat zwischen Komödie und Drama derart spielerisch, beschwingt und dennoch authentisch zu bewältigen. Mit viel schwarzem Humor und Witz balanciert der Film gekonnt zwischen den Extremen und stürzt auch den Zuschauer wiederholt in ein Wechselbad der Gefühle. Nicht nur Glück und Leid, auch Komik und Entsetzen, Realität und Utopie liegen erschreckend und verblüffend nah beieinander. Man ist traurig und schockiert, muss kurz darauf aber schon wieder schmunzeln und bewundert den Mut der Protagonisten, die sich selbst von den schlimmsten Widrigkeiten des Lebens einfach nicht unterkriegen lassen. Nur wir drei gemeinsam ist ein überaus gelungener und sehr berührender Film, der den Zuschauer tief bewegt und zum Lachen bringt, dabei aber nie ins Lächerliche oder gar ins Kitschige abgleitet.

Nur wir drei gemeinsam ist alles in einem: kluge Komödie, warmherziger Familienfilm und spannende Autobiografie. Unbedingt sehenswert!

 

Zum Trailer:

Nur wir drei zusammen (DVD)
Darsteller: Leïla Bekhti, Gérard Darmon, Zabou Breitman, Khereddine Ennasri, Sébastien Pouderoux
Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: EuroVideo Medien GmbH
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 98 Minuten