Woza Sisi – Die mutigen Frauen Afrikas

Von Simone Wachter

Margit Maximilian arbeitet seit 1995 als ORF-Redakteurin im Außenressort der österreichischen TV-Nachrichtensendung Zeit im Bild. Als Afrikaspezialistin berichtete sie bereits mehrfach aus vielen Kriegs- und Krisengebieten. Für ihr aktuelles Buch „Woza Sisi“ war sie ein halbes Jahr lang allein in Afrika unterwegs. Entstanden ist ein äußerst beeindruckendes Portrait von zehn ebenso außergewöhnlichen wie mutigen Frauen eines unglaublich vielfältigen Kontinents.

Gegenbild zu altmodischen Klischees

woza-sisiDer Autorin gelingt es auf spannende und interessante Weise, ein abwechslungsreiches Bild von Sub-Sahara-Afrika zu präsentieren. Ein Gegenbild zu dem in Europa noch immer vorherrschenden altmodischen Negativklischee vom Krisenkontinent und der allzeit unterdrückten und ausgebeuteten afrikanischen Frau. Maximilian hat alle vorgestellten Frauen direkt vor Ort getroffen und einige Tage begleitet. Einfühlsam und informativ erzählt sie von diesen Begegnungen, berichtet ausführlich vom Leben dieser Frauen, aber auch von ihrer Vergangenheit und geht darüber hinaus auf die zum näheren Verständnis benötigten politischen und geschichtlichen Hintergründe ein.

Woza Sisi bedeutet übersetzt „Komm, Schwester“ auf Zulu. Straßenfriseurinnen in Downtown Johannesburg locken mit diesem Ruf Kundinnen in ihre Läden. Die Stadt ist heute ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen und Ethnien. Die Friseurinnen sind meist selbst Zuwanderinnen aus allen Ländern Afrikas, von Äthiopien über Nigeria bis Simbabwe. Sie kommen nach Südafrika auf der Suche nach Jobs und Wohlstand. Wie z.B. die Fotografin Dahlia Maubane, von der auch das Titelbild dieses Buches stammt. Sie engagiert sich gegen Fremdenfeindlichkeit und unterstreicht mit ihren Bildern das bunte, multikulturelle Leben in Johannesburg.

„Frauen Simbabwes, steht auf!“

Woza steht aber auch als Akronym für „Women of Zimbabwe Arise“ („Frauen Simbabwes, steht auf!“). In Ndebele, einer der wichtigsten Sprachen Simbabwes, bedeutet das Wort Woza „Vorwärtskommen“. Woza wurde 2003 von Jenni Williams gegründet und verfügt über 90.000 Mitglieder, mehrheitlich Frauen. Sie kämpfen gewaltlos gegen das Regime des greisen Machthabers Robert Mugabe und berufen sich dabei auf Ghandis gewaltfreien Widerstand. Jenni Williams wurde deswegen unzählige Male verhaftet und inhaftiert. 2008 erhielt sie den Amnesty International Menschenrechtspreis, 2009 den Robert F. Kennedy Human Rights Award, einen der höchsten Auszeichnungen im Kampf für die Menschenrechte.

Oder Mo Abudu: Sie gilt als die „Oprah Winfrey“ Nigerias. Mit ihrem pan-afrikanischen TV-Sender „Ebony Life TV“ ist sie zur Medienmogulin und zu einer der erfolgreichsten Frauen Afrikas avanciert.

Die „schrecklichste Frau des Jahres“

Die Rechtsprofessorin und Feministin Sylvia Tamale kämpft in Uganda unter anderem für die Rechte von Homosexuellen und gegen die 2014 vom ugandischen Parlament verabschiedeten Anti-Homosexualitätsgesetze. In Uganda, einem der schwulenfeindlichsten Länder der Welt, ist Homosexualität illegal und wird bestraft. Tamales Engagement ist äußerst heikel und unpopulär. Nicht nur in den heimischen Medien wird sie dafür massiv angefeindet und bedroht. Die größte Tageszeitung des Landes kürte sie 2003 zur „schrecklichsten Frau des Jahres“, neben einem fanatischen Rebellenführer und Massenmörder. Dennoch lässt sie sich nicht einschüchtern und führt trotz zahlreicher Morddrohungen ihren Kampf fort.

Spannend ist auch das Leben von Aminata Traoré, der früheren Kulturministerin in Mali, die mit ihrer Arbeit als erfolgreiche Publizistin zu einer Ikone der Globalisierungskritiker wurde.

Zehn Frauen aus zehn Ländern Afrikas

Neben diesen Prominenten porträtiert Margit Maximilian aber auch Frauen, die auf den ersten Blick eher unbedeutend wirken, wie z.B. die Künstlerin und Streetworkerin Winnie Akinyi, die sich in Kibera, dem größten Slum Kenias, für arme und notleidende Menschen engagiert. Als ehemalige “Miss Kibera” lebt Winnie Akinyi noch immer – obwohl sie es nicht mehr nötig hätte – in ihrem alten Slum und finanziert Slumkindern eine  Schulausbildung.

Es sind zehn höchst unterschiedliche Frauen aus zehn sehr unterschiedlichen afrikanischen Ländern, auf die sich Margit Maximilian in ihrem Buch konzentriert. Aber obwohl ihre Lebenssituation, ihr Alter und ihre Herkunft oft grundverschieden sind, verfügen alle Frauen über ein gemeinsames Merkmal: Sie sind allesamt mutige, tatkräftige und kluge Frauen, die sich dem Negativklischee vom „verlorenen Kontinent“ entgegenstellen. Sie sind erfolgreich, sozial engagiert und bekennen sich stolz zu ihrer afrikanischen Identität.

Ein differenziertes Bild Afrikas

Die Autorin hat eine lange und oft schwierige Reise unternommen, um Afrikas Powerfrauen zu treffen und zu interviewen. Starke Frauen, die bestehende – meist männlich dominierte oder noch aus der Kolonialzeit stammende – Strukturen überwinden und ebenso beharrlich wie unerschrocken ihren Weg gehen. Bei ihren Portraits erweist sich die Autorin stets als gute und kritische Beobachterin, der es gelingt, ein differenziertes Bild Afrikas zu zeichnen, ohne dabei jedoch bestehende Probleme und Verhältnisse zu beschönigen. Informativ sind auch die zahlreichen Farbfotos in der Buchmitte. Unbedingt lesenswert!

Margit Maximilian: Woza Sisi – Die mutigen Frauen Afrikas, Kremayr & Scheriau 2016, ISBN: 978-3218010252, 22 Euro