Die Entdeckung der Langsamkeit – Mit dem Rovos Rail durch fünf Länder Afrikas

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Von Solveig Grewe

Auf dem offenen Aussichtswagen des „Rovos Rail“ ist gerade kaum noch ein Platz zu ergattern. Die Diesellok kämpft am Berg schwer mit den neunzehn dunkelgrünen Waggons, doch davon bekommen wir am Ende des Zuges nicht viel mit. Wir scannen die staubige Savanne nach Beute. P1250425Mal ist es eine winkende Kinderschar vor den imposanten Objektiven der Spiegelreflexkameras, mal springt eine Gruppe von Gazellen buchstäblich ins Bild. Nicht jedem der allgegenwärtigen Smartphones gelingt der Schnappschuss.Doch wie die meisten der Mitreisenden, fast alle jenseits der sechzig und augenscheinlich gut situiert, bin ich vor gut einer Woche mit einer ordentlichen Fotoausrüstung in der tansanischen Hauptstadt Dar Es Salaam in den „Pride of Africa“ eingestiegen. Voller froher Erwartung, fünf afrikanische Länder bereisen zu können, ohne dieses lästige Koffer Ein – und Auspacken, mit allen Annehmlichkeiten eines Fünf-Sternehotels, allerdings ohne Fernsehen, Radio und Internetzugang. Auch eine Form der Entschleunigung des Lebens.

Wer mit dem Rovos Rail reist, soll auf nichts verzichten 

Knapp die Hälfte der 6100 Kilometer langen Strecke von Tansania über Sambia, Simbabwe und Botswana bis ins südafrikanische Kapstadt liegt hinter uns. Längst haben wir uns an das unablässige Ratamratam der betagten Bahnschwellen und das Schaukeln, das die schiefen, von der Sonne ausgeglühten Gleise in den Zug tragen, gewöhnt. Genauso wie an den melodiösen Klang des Gongs, der tagein tagaus zum Lunch und Dinner ruft. Die Auswahl an Speisen und Weinen steht dem Ambiente des Zuginneren in nichts nach. In dem teakholzstrotzenden Salon steht heute Antilopensteak mit grünen Bohnen oder Mönchsfisch P1240179madagassischer Art als Kern des opulent delikaten Menüs zur Wahl. Die Weinkarte erscheint wie ein Buch mit sieben Siegeln und ein Streifzug durch die Top-Lagen Südafrikas. Allein 1500 Liter davon hat der Chefkoch und Proviantmeister Otto, dessen genauere deutsche Wurzeln bei unserem späteren Gespräch dann doch im Dunkeln bleiben, für die 19-tägige Fahrt in den Kühlwagen des Zug zusammen mit Fisch, Fleisch und frischem Marktgemüse einladen lassen. Wer mit dem Rovos Rail reist, will und soll auf nichts verzichten. Das ist Programm seit 1993, als Eigentümer Rohan Vos diesen einzigartigen Zug erstmals zwischen Kapstadt und dem indischen Ozean pendeln ließ. Für Otto und seine sechsköpfige Küchen-Crew ist es eine immer währende Hausforderung, im und außerhalb des rumpelig rollenden Luxuszuges die Gäste zu überraschen.

Langsam gleiten beim Blick durch das Zugfenster Bilder des schwarzen Kontinents vorbei

Während der Mönchsfisch auf feinem weißen Porzellan zwischen dem Silberbesteck und den Weingläsern angerichtet wird, gleitet draußen die exotische Welt des schwarzen Kontinents in Schrittgeschwindigkeit wie auf einem Fernsehbildschirm vorbei. Gleißende Sonne liegt mittäglich P1250117dumpf auf bewirtschafteten Feldern und einfachen Behausungen dazwischen. Sobald der grüne Zug am Horizont erscheint, lassen die Bewohner alles stehen und liegen und eilen ihm entgegen. Mütter mit Babies auf dem Rücken, eingewickelt in bunte Baumwolltücher, Schulkinder in adretten zweifarbigen Uniformen, Feldarbeiter mit Hacken, alle winken. Fröhlichkeit spiegeln die offenen Gesichter. Dann schaut blickt ein hochgewachsener Massai in unsere Richtung, ohne eine Miene zu verziehen. „Das macht einem schon ein schlechtes Gewissen“, murmelt Max, mein Tischnachbar aus Österreich, um sich dann gleich damit zu beruhigen, dass er ja auch Devisen ins Land bringe. Tatsache ist, dass er sich diese Reise soviel kosten lässt, wie die Bewohner des Dorfes in einem ganzen Leben nicht verdienen können.

Auf der Fotosafari bleibt das Nashorn tabu

Höhepunkt des nächsten Tages wird die früh morgendliche Minisafari im Chobe-Nationalpark in Botswana. Unter dem Affenbrotbaum warteten heiße und kalte Getränke, Obst und süßes Backwerk auf die leicht fröstelnde Truppe, die heiß auf die Big Five ist, wie Großwildjäger früher die gefährlichsten und am schwierigsten zu jagenden Tiere in Afrika bezeichneten. „Show us the Rhino“, fordert Kurt, einer der wenigen P1260395Alleinreisenden, der seinen Wiener Singsangton auch im Englischen nur schwer verleugnen kann. Er ist wie einige andere heute mit gleich drei hochwertigen Objektiven ganz besonders schwer bewaffnet für den Fall, dass uns Eliot mit seinem Land Cruiser doch noch ganz dicht an Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen oder Leoparden heran bringt. „We will see!“, grinst Eliot zurück, „but no Rhino“. Nashörner sind hier inzwischen selbst für Fotosafaris tabu. Grausame Abmetzelei hat die Bestände des afrikanischen Nashorns so schmerzlich dezimiert, dass man sich über Ort und Vorkommen der wenigen Restbestände beharrlich ausschweigt. Das Risiko des „postens“ von visuellen Trophäen im Internet, die den Wilderern Rückschlüsse auf den Ort der Aufnahme eröffnen, ist einfach zu groß. Wie zum Ausgleich donnert kurze Zeit später eine Herde von Elefantenmüttern mit ihren Kälbern so dicht an dem Geländewagen vorbei, dass den Zuschauern der Atem stockt. Elliot bleibt cool und deutet gelassen auf die Giraffen zur Rechten, die genüsslich mampfend an den Blättern der Baumwipfel zupfen.

Die durchgehende Zugverbindung von Kapstadt bis Kairo blieb unerfüllter Traum von Cecil Rhodes

P1250824Natürlich muss sich auch der Rovos Rail an den offiziellen Fahrplan der Staatsbahn halten, in deren normalen Schienenverkehr er regelmäßig eingeschleusst wird. Kein leichtes Spiel angesichts der langsamen Geschwindigkeiten der Züge und den maroden Streckenabschnitten, bei denen kein Schienenstrang parallel verläuft. Ab und zu bleibt auch mal eine Lok liegen. Logistische Extraarbeit für unsere Train Managerin Mart, die von jedem Bahnhof aus telefoniert und die folgende Strecke abspricht. Feinabstimmung jetzt auch für die Victoria Falls Bridge, die zwischen Simbabwe und Sambia den Fluss Sambesi direkt unterhalb der Victoriafälle überspannt. Relikt eines unerfüllt P1240740gebliebenen Traums einer durchgehenden Zugverbindung von Kapstadt bis Kairo, an die Cecil Rhodes fest geglaubt hatte. Der Premier der britischen Kapkolonie veranlasste den Bau der Brücke so dicht an den Wasserfällen, dass die Passagiere die Gischt in ihren Gesichtern zu spüren bekommen. Schon in wenigen Minuten wird der Rovos Rail im feinen Nieselregen mitten auf der filigranen Metallkonstruktion halten, während das Wasser des Sambesi unter niemals endendem Getöse hinter ihm herabfällt und in mächtigen Dampfsäulen, umspielt von der Farbenvielfalt unzähliger Regenbogen, wieder emporsteigt.

Informationen

Die nächste buchbare Fahrt mit dem Rovos Rail Exclusiv Charter des Veranstalters Lernidee von Kapstadt bis zur tropischen Küste Tansanias findet vom 11.08.- 29.8.2016 statt. Von Kapstadt geht es durch malerische Weinlandschaften zu den wilden Tieren im unerschlossenen Botswana, zu den Unesco-geschützten Victoriafällen, durch das gigantische Rift-Valley, wo 300 Brücken und 23 Tunnel passiert werden, bis die Reisenden die Küstenstadt Dar Es Salaam in Tansania erreichen. Auf Wunsch können die Gäste von Lernidee eine Übernachtung im Victoria Falls Hotel buchen, ein traditionsreiches Haus im Kolonialstil und in Laufweite zu den Wasserfällen. Zurück nach Kapstadt geht es dann vom 29.08. bis zum 15.09.2016.

Die Spätwinter – bzw. Frühlingsmonate zeichnen sich im südlichen Afrika durch trockenes Klima und gemäßigte Temperaturen aus. Beliebteste Reisemonate sind daher August und September. Eine Gelbfieberimpfung ist für die Einreise nach Tansania und Südafrika unerlässlich, eine Malariaprophylaxe wird unbedingt empfohlen.

Gebucht werden kann im Reisebüro oder direkt über Lernidee Erlebnisreisen ( www.lernidee.de). Im Reisepreis (ab 14 900 Euro pro Person) inbegriffen sind neben der Fahrt mit dem Zug auch die Flüge, Übernachtungen in Hotels und Lodges, alle Speisen und Getränke, alle Safaris und Transfers, Wäscheservice, Gepäckträger-Service sowie die Betreuung an Bord durch eine deutschsprachige Reiseleitung und einen Bordarzt.

Fotos: Solveig Grewe