Schotterpiste oder Boulevard – der neue Mercedes-Benz GLE und sein Coupé

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Das elegante GLE Coupé zielt eindeutig mehr auf den Asphalt ab.

Von Solveig Grewe

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Kühlergrill mit einer Querstrebe.

Nach dem chinesischen Horoskop befinden wir uns gerade im Jahr der Ziege. Nach Sicht der Automobilhersteller im Jahr des SUV. Daimler Chef Dieter Zetsche hat bereits im Januar als Branchenprophet das Jahr 2015 als „das Jahr des SUV“ ausgerufen. Tatsächlich, die sportlichen Geländewagen klettern auf der Beliebtheitsskala immer weiter nach oben. Doch nicht nur in Schwaben setzt man auf diesen Trend, auch die Konkurrenz aus Ingolstadt und München schiebt mächtig. Mit dem GLE (ehemals M-Klasse) will Mercedes-Benz sich seinen Anteil am Kuchen im SUV-Segment jetzt gleich mit zwei dicken Stücken sichern.  Dazu hat man dem bulligen Bestseller nicht nur einen neuen Namen gegeben, sondern ihm zur Mitte seines Modellzyklus auch noch einen Bruder zur Seite gestellt. Das ebenfalls viertürige GLE Coupé zielt aber erkennbar eher auf den Boulevard als auf die Schotterpiste. Mit der deutlich nach hinten abfallenden Dachlinie wirkt das ebenfalls  4,90 Meter lange hochbeinige SUV eleganter als der normale GLE. Den mächtigen Kühlergrill teilt beim Coupé eine Querstrebe, beim GLE sind es zwei. Das elegant gezeichnete Heck des Coupés erinnert an das des S-Klasse Coupés, während der GLE wie gehabt die eher rustikale Rückfront mit den kantigen Rückleuchten zeigt. Im Kofferraum des GLE stehen bis zu 2010 Liter Platz für Ladung aller Art parat, im GLE Coupé sind es mit 1700 Liter deutlich weniger bei einer gleichzeitig höheren, allein der Optik geschuldeten und eher unpraktischen Ladekante.

Trotz des stylischen Dachs wird den Passagieren im GLE Coupé kein Haar gekrümmt

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Perfekte Rundumsicht.

Innen geht es bei beiden zu wie immer in einem Mercedes: Feines Nappaleder, gebürstetes Aluminium und eine Auswahl von Hölzern aus aller Welt sowie Klavierlack lassen wohlige Lounge-Atmosphäre aufkommen. Die suboptimale Übersicht im Coupé gleichen Helferlein  wie ein Totwinkelwarner und eine Rückfahrkamera etwas aus. Platz satt stellen beide SUV für die bis zu fünf Passagiere zur Verfügung, denen im Fonds des Coupés trotz des stylischen Dachdesigns kein Haar gekrümmt wird.Unter der Haube kommen beim GLE zwei neue Motoren zum Einsatz, die gegenüber dem Vorgänger ein Sparpotenzial von 17 Prozent eröffnen sollen. Der Verbrauch des GLE  250 d (das kleine d steht nach der neuen Nomenklatur von Mercedes Benz tatsächlich mal wieder für Diesel) wird mit 4,5 Litern im Schnitt angegeben. Der  GLE 500 e (das kleine e steht für die elektrifizierte Version, hier mit Plug-in-Technologie) soll es mit einem angegebenem Mix-Verbrauch von 3,5 Litern noch besser können.

 

Genug Potenz für das GLE Coupé, aber keinen Plug-In-Hybrid

Das GLE Coupé sieht nicht nur sportlicher aus, hier arbeiten auch potentere Motoren. Den Einstieg markieren ein Dreiliter-Diesel mit 258 PS (GLE Coupé 350d) und ein 333 PS starker V6-Benziner (GLE Coupé 400). Beide Sechszylinder kommen serienmäßig mit einer Neungang- Automatik und permanentem Allradantrieb.  Gutmenschen werden vergeblich nach einem Feigenblatt suchen: Einen Plug-In-Hybrid gibt es,

Kein Haar wird unter dem stylischen Dach gekrümmt.

Kein Haar wird unter dem stylischen Dach gekrümmt.

anders als beim normalen GLE, beim Coupé weder für Geld noch für gute Worte. Der ohnehin schon kleinere Kofferraum würde durch die Batterie zu sehr schrumpfen, da verzichtet man lieber. Der Diesel mit seinem beeindruckenden Drehmoment von 620 Newtonmetern treibt das immerhin 2,3 Tonnen schwere Coupé locker und mühelos über die Bergstrecken rund um  Kitzbühel. Die Automatik schaltet schnell und unmerklich die Gänge durch und über Dynamik Select lassen sich Fahrwerk und Gasannahme ganz nach Lust und Laune von sportlich bis komfortabel variieren. Richtig krachen lassen wir es dann mit dem GLE Coupé AMG 63 S. Über eine Taste geht es in die  „Erlebniswelt“ Sport +, in der ein leiser Druck auf das Gaspedal ausreicht, um den Achtzylinder mit seinen 585 PS zu seinem Sprint von 0 auf 100 km/h in  4,2 Sekunden zu animieren. Jeder Gangwechsel wird mit knallendem

Der GLE sucht Herausforderungen.

Der GLE sucht Herausforderungen.

Zwischengas unterlegt. In der Spitze sind hier 250 km/h drin. Mit dieser Motorisierung dürfte das GLE Coupé zum sportlichsten Vertreter im SUV Segment überhaupt zählen. Wer allerdings den Qualitäten einer Bergziege den Vorzug geben möchte, der ist mit dem normalen GLE mit Allrad und Offroadpaket in der Erlebniswelt Gelände zum Preis von ab 56 227,50 Euro dabei. Das GLE Coupé gibt es zum Preis von ab 66 690 Euro.

 

Mercedes-Benz GLE Coupé 350d 4matic, Sechszylinder Diesel, Hubraum: 2987 ccm, 258 PS, Höchstgeschwindigkeit : 225 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,1 s, Abgas Co2 : 169 g/km, Verbrauch: 6,4 Liter, Preis :  ab 66 699,50 Euro

 

 

Mercedes GLE in Kitzbuehl