„Broadchurch“: Wie ein Verbrechen eine Stadt verändert

Die britische Miniserie „Broadchurch“ kreist um den Mord an einem 11-Jährigen. Ein klassischer Krimi ist sie dennoch nicht. Im Mittelpunkt stehen vielmehr menschliche Verwicklungen.

Von Simone Wachter

BroadchurchBroadchurch ist ein verschlafenes und pittoreskes britisches Küstenstädtchen, in dem Touristen gerne Urlaub machen. Ein Ort, in dem jeder jeden kennt. Doch die vermeintliche Idylle erfährt ein dramatisches Ende als der Sohn des örtlichen Klempners tot am Strand gefunden wird. Es stellt sich heraus, dass der 11-jährige Danny Latimer ermordet wurde.

Nicht nur Schock und Trauer, sondern vor allem Misstrauen und Verdächtigungen bestimmen fortan das Leben in Broadchurch. Denn alle kannten Danny und rasch geraten viele in den Verdacht, mit seinem Tod etwas zu tun zu haben. Vorwürfe und Beschuldigungen machen die Runde, menschliche Abgründe tun sich auf und schnell wird klar: So mancher in Broadchurch hat eine dunkle Seite.

Eine Tragödie, erzählt in ruhigen Bildern

Es wird jedoch in den acht Episoden der britischen Miniserie nicht in erster Linie um die Lösung des Mordfalles gehen, sondern eher um die komplexen wie fatalen Konsequenzen, die dieser in der eng miteinander verwobenen Gemeinde auslöst. Denn „Broadchurch“ erzählt in ruhigen und stimmig komponierten Bildern eine Tragödie, die weit über diesen Mord hinausreicht.

Das Leben und der Alltag der Menschen erfahren nach der Gewalttat radikale, ja mitunter sogar brutale Veränderungen und die tiefgreifende Erschütterung ihrer Existenz erweist sich als unumkehrbar. Angeheizt wird die fast zum Zerreißen angespannte Atmosphäre zusätzlich durch die Sensationsgier der lokalen wie überregionalen Presse, die sich täglich genüsslich und unbarmherzig in wilden Spekulationen über einen möglichen Täter ergeht und die Bewohner gegeneinander aufhetzt.

Ein ungleiches Ermittlerpaar

Die polizeilichen Ermittlungen hingegen gestalten sich von Beginn an als äußerst schwierig. Die mit der Aufklärung des Mordes betrauten Kommissare, der wortkarge und unterkühlt-mysteriös wirkende Alec Hardy (David Tennant) und die warmherzige örtliche Kriminalpolizistin Ellie Miller (Olivia Coleman), könnten unterschiedlicher kaum sein und müssen sich trotzdem zusammenraufen.

Für Ellie Miller ist es der erste Mordfall und eigentlich hätte sie die Ermittlungen leiten sollen, doch sie wurde bei der fest zugesagten Beförderung übergangen. Ausgerechnet der von außerhalb hinzugezogene Hardy ist nun ihr Vorgesetzter, was die Zusammenarbeit der beiden nicht einfacher gestaltet. Zumal sie bei ihren Ermittlungen auf eine Mauer des Schweigens stoßen.

In England wurde „Broadchurch“ 2013 vom britischen Sender ITV ausgestrahlt und avancierte rasch zum Straßenfeger mit mehr als dreißig Prozent Einschaltquote und durchschnittlich mehr als neun Millionen Zuschauer pro Episode. Zu Recht, denn „Broadchurch“ ist ein Meisterwerk: ästhetisch, visuell, schauspielerisch und erzählerisch.

Fortsetzung folgt…

Besonders die herausragende schauspielerische Leistung überzeugt auf ganzer Linie. Die mehrfach preisgekrönte Serie zeichnet sich zudem durch ein ausgefeiltes, überzeugendes und cleveres Skript aus, inklusive höchster Sorgfalt bei dessen Umsetzung. Die spannende Frage, wer denn nun der Mörder sein mag, blieb auch dem Team und den Darstellern bis zum Dreh der entsprechenden Szenen vorborgen.

Ein Tipp: Wer über gute Englischkenntnisse verfügt, sollte sich nicht scheuen, gleich noch die zweite Staffel auf DVD zu ordern. Hier erlebt die überaus spannende und emotional bewegende Geschichte, die hier den Gerichtsprozess des Mordfalls fokussiert, eine äußerst gelungene Fortsetzung. Staffel zwei weiß überdies mit einer Zusatz-Disc zu punkten, die viele interessante Specials zur Serie zu bieten hat.

ZDFneo strahlt die erste Staffel von „Broadchurch“ ab 30. September jeweils in einer Doppelfolge aus.