Gestatten, meine Name ist Karl – von Opel

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Von Solveig Grewe

Einfach mal ein Auto. Nicht viel mehr, aber auch nicht viel weniger. Im Gegensatz zum hippen Adam mit seinen zahlreichen Individuali-sierungsmöglichkeiten setzt Opel beim neuen Karl nicht auf Schickschnack, sondern auf Alltagstauglichkeit zu einem vernünftigen Preis. Mehr als einen Motor und ein Fünfgangschaltgetriebe gibt es weder für Geld noch für gute Worte, ebenso wenig zweifarbige oder gar poppige Lackierungen. Pate für den typisch deutschen Namen des 3,68 Meter kurzen Kleinstwagens, der sich die Technik mit dem Chevrolet Spark teil und in Korea gebaut wird, stand einer der fünf Söhne von Firmengründer Adam Opel. Für Anglizismen eignet sich der Karl nicht einmal ansatzweise. Dafür heißt er bei Vauxhall in Großbritannien “Viva”.

Der kleine Karl lächelt seinen Mitbewerbern freundlich ins Gesicht

Die Designer haben dem neuesten Rüsselsheimer Spross ein freundliches Lächeln ins Gesicht gezeichnet, mit dem jetzt gegen einen Fiat Panda, einen Hyundai i10 oder der VW Up antritt. Das Cockpit dominiert ein überraschend großes Lenkrad, davor straffe und bequemen Sitze, wie man P1190125sie aus Rüsselsheim kennt. Die Instrumente, von hübschen Chromringen umgeben, sind gut ablesbar. Ja, es gibt einiges an Kunststoff, der aber gut verarbeitet und nicht billig wirkt. Für Beine und Ellbogen gibt es vorne genügend Platz. Auf der Rückbank des ausschließlich als Fünftürer angebotenen Karl können entweder zwei oder drei Personen sitzen. Das unterscheidet ihn vom reinen Viersitzer Adam, allerdings muss man sich jenseits eines Alters von 12 Jahren schon sehr gut verstehen, um zu dritt hinten auch mal eine länger Strecke gemeinsam verbringen zu können. Für das Gepäck wird es bei voller Besetzung auf den 206 Litern Stauraum eng, umgelegte Rücksitze schaffen Platz für bis zu 1013 Liter. Für den tagtäglichen Krimskrams reicht der Platz im offenen Teil des sogar abschließbaren Handschuhfachs und in der Klappe darunter. In den Türtaschen vorne links und rechts verschwinden locker auch 1-Liter-Plastikflaschen. Anders als seine Mitbewerber, bei denen sich die Passagiere hinten ohne Luftzufuhr oder nur mit Ausstellfenstern begnügen müssen, beglückt Opels Kleinster sie mit voll funktionsfähigen Fenstern.

 

Mehr als einen Motor gibt es weder  für Geld noch für gute Worte 

Zum Start gibt es unter der Haube ausschließlich einen 1,0-Liter Benziner mit 75 PS und ohne Dirakteinspritzung und Aufladung. Macht gar nichts. Der Dreizylinder bringt bis zu 96 Newtonmeter auf die Kurbelwelle und schafft theoretisch 170 km/h. Auf unseren Testfahrten rund um Amsterdam war jenseits von 120 km/ nichts mehr zu machen. Nicht, weil der Karl nicht gekonnt hätte, sondern weil er nicht durfte. Bis dahin sorgte der Dreizylinder für guten Durchzug bei durchgehend kernigen Sound. Sichtlich wohler fühlt sich der gerade mal 900 Kilo leichte Karl inP1190102 den winzigen Straßen rund um die Grachten mitten in der Stadt. Mal eben auf einer kleinen Brücke wenden? Kein Problem im City Modus mit der leichtgängigen Lenkung und dem Miniwendekreis von 9,5 Metern.

Mit allem Machbaren kostet der Kleinstwagen nicht mehr als 15 395 Euro

Trotz spartanischer Denke lassen die Rüsselsheimer eine Reihe von elektronischen Helfern und Komfortfeatures zu, die teils serienmäßig, teils optional bzw. abhängig von der jeweiligen der drei Ausstattungslinien verfügbar sind. Mit Spurwechselassistenten, beheiztem Lenkrad, Sitzheizung, Tempomat mit Geschwindigkeitswarner, Servolenkung und Nebelscheinwerfern mit Abbiegelicht lässt sich der kleine Karl schon ganz ordentlich aufrüsten. Für die Besitzer eines neueren IPhone oder Android Smartphones öffnet die Anbindung via Touchscreen-Monitor die Tür zur umfassenden Vernetzung selbst schon für P1190116den kleinen Karl. Einfach das eigene Handy einstöpseln, schon erscheinen die vertrauten Apps, eigene Musik oder Hörbücher auf dem Display. Mit OnStar startet Opel im nächsten Jahr einen Call-Center-Dienst, bei dem man rund um die Uhr per Knopfdruck auf beinahe jeder Fragestellung, sei es nach einer Pannenhilfe oder einem Restaurant, eine Lösung finden wird. Der Karl kostet ohne Klimaanlage und ohne Assistenten auf dem Beifahrersitz 9500 Euro. Die höherwertigen Ausstattungslinien sind mit 10 650 Euro und 12 900 Euro auch nicht viel teurer. Der Karl kostet mit allem machbaren an Bord maximal 15 395 Euro. Da können Herz und Verstand schon mal einer Meinung sein.

Opel Karl, Dreizylinder, Hubraum: 999 ccm, 75 PS, Höchstgeschwindigkeit:  170 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h : 15,5 sec, Abgas CO2 : 104 g/km, Verbrauch: 4,5 l/100 km, Preis: ab 9500 Euro