Filmtipp: Melodys Baby – Geliehene Muttergefühle

Von Kai Doering

Wie weit darf eine Frau gehen, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen? Die Frage wurde in den vergangenen Wochen heftig diskutiert, nachdem eine Berlinerin in einer Talkshow erzählt hatte, dass sie nach einer künstlichen Befruchtung Vierlinge erwarte – und das mit 65 Jahren. Der Film „Melodys Baby“ (Kinostart: 14. Mai) des belgischen Regisseurs Bernard Bellefroid sucht nach Antworten – ganz unaufgeregt und mit unerwartetem Ausgang.

So unbeschwert geht es zwischen Melody (r.) und Emily nur selten zu. © Copyright MFA+ FilmDistribution e.K.

So unbeschwert geht es zwischen Melody (r.) und Emily nur selten zu. © Copyright MFA+ FilmDistribution e.K.

Melody ist Ende zwanzig, hat kein Geld, aber einen Traum: Sie möchte ihren eigenen Friseursalon eröffnen. Emily ist Mitte vierzig, hat viel Geld und einen Traum: Sie möchte ein Kind. Über das Internet finden die beiden gegensätzlichen Frauen zueinander. Das Geschäft klingt einfach: Melody lässt sich befruchtete Eizellen von Emily einpflanzen, trägt das Kind aus und erhält als Gegenleistung das Startkapital für ihren Friseursalon. Keine Gefühle, keine weiteren Verpflichtungen.

Und alles beginnt gut: Die Schwangerschaft gelingt auf Anhieb und Melody zieht vorübergehend bei Emily ein. Zwar flackert immer mal wieder Streit zwischen den beiden Frauen auf, doch langsam kommen sie sich näher, entwickeln Verständnis füreinander und freunden sich zaghaft an. Doch dann kehrt etwas in Emilys Leben zurück, von dem sie dachte, es sei überwunden. Und plötzlich verliert das Arrangement zwischen den beiden Frauen seine Grundlage.

Welche Rolle spielt die Herkunft eines Menschen?

„Anfangs geht es im Film nur um ein gegenseitig einvernehmliches Abkommen zwischen zwei Erwachsenen. Doch durch ihren Kontakt mit Melody erkennt Emily, dass es nicht einfach ist, ein Kind auszutragen und es dann einer anderen Person zu überlassen. Schließlich finden beide in der Anderen genau das, was sie selbst nie hatten.“ So fasst Regisseur Bernard Bellefroid die Geschichte seines Films zusammen.

Nur vordergründig erzählt er die Geschichte einer Leihmutterschaft. Vor allem geht es ihm aber um die elementare Frage, welche Rolle das Wissen über die eigene Herkunft, die eigenen Wurzeln für die Entwicklung eines Menschen spielt. Sie steht nicht nur zwischen Melody und Emily, sondern beeinflusst auch Melodys Leben von Anfang an: Ihre Mutter hatte sie einst anonym zur Welt gebracht und zur Adoption freigegeben.

Zwei Frauen im Kriseneuropa des 21. Jahrhunderts

© Copyright MFA+ FilmDistribution e.K.

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Und nicht zuletzt geht es Bellefroid um die Darstellung zweier Menschen im krisengeprägten Europa des 21. Jahrhunderts. Melody verkörpert dabei einen jungen Menschen mit nur geringen Zukunftsperspektiven. Emily steht für den reichen Teil der Gesellschaft, der meint, mit Geld alles kaufen zu können. Die Leihmutterschaft, auf die sich beide schließlich zum gegenseitigen Nutzen einlassen, bewertet der Regisseur nicht moralisch, doch lasse sie „an der Sparpolitik, der Entwicklung Europas und der Rolle junger Menschen in der Gesellschaft Zweifel aufkommen“.

Die belgische Theaterschauspielerin Lucie Debay gibt Leihmutter Melody mal ein starkes, mal ein verzweifeltes Gesicht. Schockierend realistisch stellt sie die junge Frau dar, die zerrissen ist zwischen der Erfüllung ihres Wunsches nach dem Friseursalon und den sie mehr und mehr überkommenden Muttergefühlen. Emily, dargestellt von der australischen Schauspielerin Rachel Blake, ist dabei mal ihre Gegnerin, mal ihre mütterliche Freundin. Auch sie schwankt zwischen (gespielter) Stärke und mitleiderweckender Schwäche. Für ihr intensives Zusammenspiel wurden beide mehr als verdient auf dem 38. World Film Festival in Montreal gemeinsam mit dem Preis für die beste Darstellerin ausgezeichnet.

Gewinnspiel:
Zum Muttertag verlost die „Gazelle“ 3×2 Freikarten für „Melodys Baby“ für ein Kino Eurer Wahl. Einfach auf unserer Facebook-Seite unter den Artikel schreiben, dass Ihr am Gewinnspiel teilnehmen wollt. Teilnahmeschluss ist der 17. Mai. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.