Buchtipp: Angekommen in Deutschland

Von Simone Wachter

Armut und mangelnde Perspektiven zwingen Hassan Ali Djan im Alter von 11 Jahren dazu, seine Heimat Afghanistan zu verlassen und in Iran auf Baustellen zu arbeiten. 2005 riskiert er die Flucht nach Deutschland und landet in einem Auffanglager in München. Über seine „Flucht in ein besseres Leben“ hat er ein Buch geschrieben.

DjanHassan Ali Djan muss früh erwachsen werden. Er lebt in einem kleinen Dorf in Afghanistan. Seine Familie ist arm und weder er noch seine Geschwister können die Schule besuchen. Als er 11 Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Hassan ist nun als ältester Sohn für die Familie verantwortlich und muss sich als Hirtenjunge durchschlagen. Weil der karge Lohn aber nicht ausreicht, um sich und die Familie zu ernähren, reist er zusammen mit Freunden illegal in den Iran, um dort als Hilfsarbeiter auf Baustellen zu arbeiten.

Doch auch hier verdient er nicht genug Geld und wird zudem als Mensch zweiter Klasse behandelt. Schleuser bringen ihn nach Griechenland, aber auch hier ergeht es ihm kaum besser. Schließlich wagt Hassan Ali Djan im Alter von 16 Jahren die Flucht. Eingezwängt in einem LKW-Ersatzreifen weiß er zunächst nicht einmal, wohin die Reise geht. Rein zufällig landet er in Deutschland. Man bringt ihn in ein Sammel- und Auffanglager nach München, wo er auf seine Aufenthaltsgenehmigung warten muss und jederzeit von Abschiebung bedroht ist. Hassan muss mit sehr wenig Geld auskommen, darf nicht arbeiten, Kontakte zur Außenwelt sind kaum möglich. Hassan ist Analphabet und verfügt über keinerlei Deutschkenntnisse, was seine Situation noch schwieriger gestaltet.

Fremd im unbekannten Land

Dennoch lässt er sich zu keinem Zeitpunkt entmutigen. Fest entschlossen, in Deutschland eine bessere Zukunft zu finden, kämpft er mit eisernem Willen, viel Geduld und persönlichem Engagement für seine Ziele. Um die quälende Zeit des Wartens auf den Ausgang seines Asylverfahrens zu überbrücken, beginnt er Deutsch zu lernen.

Hassan fühlt sich unsicher und fremd in diesem ihm völlig unbekannten Land und seiner Kultur. Aber er ist auch neugierig und versucht, Kontakt zu Deutschen zu finden. Mit Erfolg. Er schließt Freundschaften und fühlt sich immer mehr angenommen und angekommen in Deutschland. Hassan bekommt seine Aufenthaltsgenehmigung, besucht die Schule und schafft erst den qualifizierenden Hauptschulabschluss und später die Mittlere Reife. Er beginnt eine Lehre als Elektriker und bezieht seine erste eigene Wohnung. Hassan Ali Djan hat in Deutschland eine neue Heimat gefunden.

Bildung als Schlüssel zum Erfolg

Dieses Glück will er weitergeben: Djan engagiert sich sozial und politisch für andere Flüchtlinge, trifft sich mit Politikern und hält Vorträge an Schulen und bei Informationsveranstaltungen. Er möchte zwischen Deutschen und Asylbewerbern vermitteln und sich für bessere Chancen für Flüchtlinge einsetzen. Denn er ist sich sicher: Um den schwierigen Weg der Integration zu meistern, ist Bildung der Schlüssel zum Erfolg. Seine feste Überzeugung: „Wer sich Ziele setzt, der erreicht sie auch“. Seine Hoffnung: dass andere Flüchtlinge von seinen Erfahrungen profitieren.

„Afghanistan. München. Ich“ ist ein ebenso spannendes wie informatives Buch über die Geschichte eines bemerkenswert mutigen jungen Mannes, der mit unglaublicher Entschlossenheit für ein besseres Leben und die Erreichung seiner Ziele kämpft. Hassan Ali Djans Erzählung liefert interessante Einblicke: Was erleben Flüchtlinge, wenn sie in Deutschland ankommen? Wie sieht ihr Alltag in den Asylunterkünften aus? Welche Chancen bieten sich ihnen und mit welchen Hindernissen und Schwierigkeiten müssen sie kämpfen? Wie verläuft das Verfahren zum Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung? Und letztlich: Was können deutsche Bürger und Behörden tun, um ihnen ihre Integration zu erleichtern? Hassan Ali Djan hat ein Buch geschrieben, das Mut macht und wichtige Perspektiven aufzeigt.

Hassan Ali Djan: Afghanistan. München. Ich., Herder-Verlag 2015, ISBN 978-3-451-31304-2, 19,99 Euro