Buchtipp: Dimitrij Wall: Gott will uns tot sehen

Von Jeannette Oholi

wallDimitri ist wütend. Wütend auf seinen Vater, der Alkoholiker ist, und auf die Gesellschaft, die Dimitri nicht als ein Mitglied anerkennt. Der junge Mann schlägt sich durch einen harten Leiharbeiterjob nach dem anderen, und versucht, der Eintönigkeit seines Lebens mit Drogen, Alkohol und Partys zu entkommen.

„Gott will uns tot sehen“, sagt Dimitris Vater. Er hat den Glauben an einen Gott, an sich, an das Leben schon längst verloren. Mit seiner Frau und Dimitri ist er einst in der Hoffnung nach einem guten Leben aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Nachdem seine Frau an den Folgen eines Unfalls gestorben ist, halten ihn nicht mal mehr seine Kinder im Leben. Er ist physisch zwar noch anwesend, aber schon lange kein Vater mehr. Ohne Alkohol kann er das Dasein nicht mehr ertragen.

Auch Dimitri sucht nach dem Sinn in seinem Leben. Als Jugendlicher beginnt er, in einer Fabrik als Leiharbeiter zu arbeiten. Schnell merkt er, dass der gesellschaftliche Aufstieg nur mit einem entsprechenden Gehalt gelingen kann. Dimitri hat jedoch keine Wahl. Er muss Arbeiten nachgehen, die schlecht bezahlt werden, ihn ermüden, auslaugen und abstumpfen lassen. Um sein Leben zu ertragen und den Tod seiner Mutter zu verdrängen, kifft Dimitri regelmäßig und wirft auch andere Drogen ein.

Auf einer Party lernt Dimitri Zoja kennen. Für Dimitri ist Zoja die Eine, die er als Freundin haben möchte. Und tatsächlich werden die beiden nach einiger Zeit ein Paar. Dimitri beginnt eine Ausbildung in einem Handy-Laden und sein Leben scheint sich nun endlich in eine positive Richtung zu entwickeln. Die Sorglosigkeit währt aber nicht lange. Zoja ist jung, möchte etwas unternehmen und verreisen. Doch das Geld fehlt. Und dann ist da auch noch Zojas Ex-Freund, mit dem sie Dimitri schließlich betrügt. Dimitris Welt bricht zusammen.

Doch Dimitri resigniert nicht. Er ist ein Kämpfer. Den Glauben an sich selbst hat ihm seine Mutter mitgegeben. Dimitri hat immer schon viel gelesen, ob Puschkin, Gogol oder Dostojewski. Auch eine Lehrerin in der Berufsschule erkennt das Talent von Dimitri und legt ihm nahe, mit einem Studium zu beginnen. Dimitri nimmt sich und seine Liebe zur Literatur nach der Trennung von Zoja nun endlich ernst und beginnt, selbst zu schreiben. Und dann scheint sich auch eine neue Liebe anzubahnen.

„Gott will uns tot sehen“ ist in diesem Frühjahr als Romandebut von Dimitrij Wall erschienen. Darin zeichnet der junge Autor das Bild eines wütenden jungen Mannes, der sich als Außenseiter der Gesellschaft fühlt und nach Anerkennung sucht. Wall lenkt den Blick der Leser auf diejenigen, die oftmals ungesehen und am Rande unserer Gesellschaft leben.

Dimitrij Wall: Gott will uns tot sehen, Eichborn 2015, ISBN: 978-3-8479-0586-8, 16,99 Euro