„Unser Zuhause heißt Almanya und unsere Heimat ist die Welt“

Von Simone Wachter

Adnan Marals türkisches Bekenntnis zum Deutschsein

 

Adnan Für AnfängerIn Deutschland kennt ihn mittlerweile fast jeder. Spätestens seit seiner Rolle als Metin Öztürk in der Kult-Serie Türkisch für Anfänger und dem gleichnamigen Kinofilm ist Adnan Maral einem breiten Publikum bekannt. Die Rolle des spießigen und überkorrekten deutsch-türkischen Kriminalbeamten ist Maral wie auf den Leib geschrieben. Für seine schauspielerische Leistung in der von 2006 bis 2008 in drei Staffeln ausgestrahlten Serie wurde er mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Zuletzt war Maral 2014 in der Culture-Clash-Komödie „Kückückskind“ und der Verfilmung des Bestsellers „Hans mit scharfer Soße“ zu sehen. Deutschen wie Türken gilt Adnan Maral seitdem als „Vorzeigetürke“ und „Botschafter zwischen den Kulturen“. In seiner Autobiografie “Adnan für Anfänger – Mein Deutschland heißt Almanya” beschreibt Maral, dass diese Einschätzung durchaus zutrifft.

Humorvoll und doch oft unerwartet nachdenklich stimmend erzählt der Autor viele interessante und spannende Anekdoten aus seinem Leben. Sie geben mitunter recht tiefe Einblicke in seine Kindheit, seine Anfänge als Schauspieler und auch in die turbulente Zeit am Set von Türkisch für Anfänger. Maral berichtet, wie er als Sohn eines türkischen Gastarbeiters der ersten Generation 1970 nach Deutschland kam und mit seinen beiden Brüdern in einem Frankfurter Problemviertel aufwuchs. Schon während der Schulzeit entdeckte er seine Leidenschaft fürs Theater und versuchte sich recht erfolgreich als Schauspieler. Nach dem Studium folgten erste Engagements, in denen er jedoch zunächst zu oft auf die Rolle des Klischee-Türken reduziert wurde. Ausgerechnet die Rolle des Metin Öztürk, der in seiner Ordnungsliebe und Gründlichkeit kaum „deutscher“ sein könnte, brachte ihm den nationalen Durchbruch.

 

Deutsch-türkischer Kulturbotschafter

Interessant ist jedoch nicht nur der Blick hinter die Kulissen seines Privat- und Schauspielerlebens. In seinem Buch berichtet Adnan Maral auch von seinem gesellschaftspolitischen Engagement, indem er pointiert und unterhaltsam, aber auch kritisch auf die vergangenen vierzig Jahre deutsch-türkischer Integrationsgeschichte zurückschaut. Humorvoll und mit einem Augenzwinkern weist er auf die vielen gegenseitigen Vorurteile und klischeebehafteten Denkweisen von Deutschen und Türken hin. Türkische wie deutsche Leser werden vieles aus seinen Geschichten wiedererkennen und schmunzeln, vor allem was ihre eigenen Vorurteile anbelangt. Mit Begriffen wie Toleranz und Integration, so betont Maral, könne er allerdings nicht viel anfangen. Im Lateinischen bedeutet „tolerare“ wörtlich erdulden, bzw. ertragen. Was so aber nicht Sinn der Sache sein könne. Denn integriert sind die meisten Migranten Marals Ansicht nach schon längst. Und sie möchten eben nicht nur toleriert, sondern von der Mehrheitsgesellschaft voll und ganz akzeptiert werden. Was übrigens genauso für den Autor selbst gilt: Adnan Maral lebt seit 40 Jahren in Deutschland und wundert sich, dass er – im Gegensatz zu seiner Schweizer Ehefrau – noch immer keinen deutschen Pass haben darf. Als eine Art deutsch-türkischer Kulturbotschafter möchte sich Maral daher nicht nur für die doppelte Staatsbürgerschaft, sondern auch für die Erneuerung des Integrationsdialoges einsetzen. Und er erhält diesbezüglich prominente Unterstützung: Zusammen mit dem SPD-Politiker und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ist er im Rahmen der Ernst-Reuter-Initiative für Dialog und Verständigung der Kulturen seit 2006 als Botschafter im deutsch-türkischen Dialog unterwegs.

“Adnan für Anfänger” ist ein ebenso unterhaltsames wie informatives Buch, das spannende Einblicke und wichtige Denkanstöße liefert.

 

Adnan für Anfänger
Mein Deutschland heißt Almanya
256 Seiten, Blanvalet Verlag
€ 14,99