Ein Vierteljahrhundert mit Links

Es war eine der ersten privaten Verlagsgründungen nach dem Fall der Mauer: Anfang Januar 1990 wurde der Christoph Links Verlag notariell eingetragen – und hat sich mittlerweile fest im gesamtdeutschen Verlagswesen etabliert.

Von Kai Doering

Grund zum Feiern: das Team des Ch. Links Verlags

Grund zum Feiern: das Team des Ch. Links Verlags

Das Höchstgebot lag bei drei Jahren. Länger gaben die Aussteller auf der Frankfurter Buchmesse dem kleinen Verlag aus der gerade aufgelösten DDR nicht. Das war im Herbst 1990. Wer jetzt die Räume des Christoph Links Verlags in Berlin-Prenzlauer Berg betritt, kommt unweigerlich an der Urkunde vorbei. Sie hängt im Flur gleich links, gegenüber vom Lager, in dem viele der rund 800 in den vergangenen 25 Jahren erschienenen Bücher liegen. Mit der Urkunde bedankte sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beim Verleger Christoph Links und seinem Team für die 25. Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2014.

„2014 war unser Jahr“, sagt Edda Fensch, die sich beim Christoph Links Verlag um die Presse kümmert – und meint dies im doppelten Sinn. So konnte der Verlag zum 25. Jahrestag des Mauerfalls mit diversen Neuauflagen und verschiedenen Neuerscheinungen nicht nur seine Expertise zu DDR-Geschichte und Wendezeit unter Beweis stellen. Im Dezember feierte er auch sein 25-jähriges Bestehen.

Erste Bücher am Küchentisch

„Drei Wochen nachdem die Mauer gefallen war, fiel am 1. Dezember 1989 endlich auch die Zensur. Noch am gleichen Tag stellte ich den Antrag für einen unabhängigen Sachbuchverlag“, erinnert sich Verlagschef Christoph Links. Doch bis zur rechtsverbindlichen Verlagsgründung dauerte es noch bis ins neue Jahr. „Mit einem Freund saß ich am 5. Januar beim Notar und gründete mit 20 000 DDR-Mark eine GmbH.“ Eigene Räumlichkeiten hatte die „LinksDruck GmbH“ zu diesem Zeitpunkt noch nicht. So entstanden die ersten Bücher am Küchentisch.

Ging es in den Anfangsjahren darum, mit Büchern die „weißen Flecken“ der DDR-Geschichte zu füllen und die gesellschaftlichen Verhältnisse realistisch zu erfassen, hat sich das Verlagsspektrum im Laufe der Jahre deutlich erweitert. Im aktuellen Verlagsprogramm finden sich neben diversen Länderporträts auch Bücher über „Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier“ oder über „Chancen und Gefahren“ von Drohnen. „Bücher, die andere Verlage wegen eines zu großen Arbeitsaufwands ablehnen, sind für uns oft eine Chance“, sagt Edda Fensch. Bewusst wage sich der Christoph Links Verlag auch auf Neuland. So veröffentlichte er zum Mauerfall erstmals eine Graphic Novel. Nach wenigen Wochen war die Startauflage vom „Herbst der Entscheidung“ vergriffen.

Unterstützung für den lokalen Buchhandel

Etwa 40 neue Bücher und noch einmal so viele aktualisierte Neuauflagen bringt der Christoph Links Verlag jährlich heraus. Der Jahresumsatz liegt bei rund eineinhalb Millionen Euro. „Diesen Erfolg spürt bei uns jeder unmittelbar“, verrät Edda Fensch: Als Gewinnbeteiligung bekam im Dezember jeder der zwölf Mitarbeiter ein 13. Monatsgehalt überwiesen. Und der Verlag blickt auch über den eigenen Tellerrand hinaus. „Wir wollen den örtlichen Buchhandel stärken.“ So gebe es bundesweit mittlerweile mehr als 200 Partnerbuchhandlungen, denen der Christoph Links Verlag seine Bücher auf Kommission liefert. Bezahlen müssen sie dann nur die Bücher, die sie auch verkaufen. In Zeiten zunehmender Konkurrenz von Online-Buchhandlungen nähmen viele dieses Angebot gerne an.

Dabei hat im Christoph Links Verlag niemand etwas gegen das Internet – im Gegenteil. „Wir arbeiten an einer immer stärkeren Verzahnung unserer Bücher mit einem Onlineangebot“, sagt Edda Fensch. So fänden Leser etwa in historischen Reiseführern schon jetzt Links, die auf Originaldokumente im Internet verwiesen. Auch den Bereich der E-Books, der bislang noch unter fünf Prozent des Verlagsumsatzes ausmacht, will der Christoph Links Verlag in der kommenden Zeit ausbauen. „Wir sind im Moment in einer Stabilisierungsphase“, sagt Edda Fensch. Das klingt danach als sollte auch künftig lieber niemand auf ein baldiges Ausscheiden bei der Frankfurter Buchmesse wetten.