Brot, Butter, Meer – Streifzug durch die kulinarische Seite von Kopenhagen

 Von Solveig Grewe

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Für Ende Oktober ist es ungewöhnlich mild in Kopenhagen. Touristen und Einheimische schlecken einvernehmlich Eis und blinzeln dabei in die tief stehende Sonne über dem angesagten Viertel Nyhavn, was soviel wie neuer Hafen heißt. Von hier aus schwärmten einst die Seeleute aus, um sich zu vergnügen. Das früheren Rotlichtviertel erlebte in den letzten Jahren eine 180-Grad-Wende. Heute locken elegante Restaurants und zahllose Kneipen Besucher aus aller Welt an. Vor der Kulisse der bunten Giebelhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert dümpeln liebevoll restaurierte Segelboote. In der „Brooklyn Bar“ gleich neben der quirligen Meile am Kanal ist heute noch nicht viel los. Ein guter Zeitpunkt, dem Wirt mal über die Schulter zu schauen.

Das wichtigste am dänischen  “Smörrebröd” ist der Belag

Der Name der Kneipe lässt nun nicht gerade darauf schließen, dass hier die Zutaten für die dänische Variante des deutschen Butterbrotes zu einem kulinarischen Kunstwerk zusammengefügt werden. Kim, der Chef, Däne und trotz aller Zweifel auch mit einem originär dänischen Vornamen bedacht, wie P1040490er sogleich beteuert. Der kernige Gastronom bereitet sich auf den Ansturm der abendlichen Gäste vor und der Mitfünfziger mit dem rundlichen Gesicht und der gemütlichen Figur weiß, wovon er spricht, wenn er auf den entscheidenden Unterschied zu anderen Varianten eines Butterbrotes hinweist, mögen sie nun Schnittchen, Baguette oder Sandwich heißen. „Man darf das Brot nicht mehr sehen, denn das Wichtigste am dänischen “Smörrebröd” ist nun mal der Belag.

Messer und Gabel sind Pflicht bei der dänischen Variante des Butterbrotes

P1040477Hauchdünn geschnittenes und auf den Punkt gegartes Roastbeef, Gurken, Lauchröllchen, Röstziebeln und als letzter Streich noch ein Büschel Dill zur Dekoration. Fertig. Für die Variante aus dem Meer darf es dann Lachs sein, in Kombination mit Zwiebelscheiben, Gurken, gewürfeltem gekochten Ei, Selleriesalat und dem obligatorischen Dill. „Hoch gebaut“ schmunzelt Kim, und meint damit die Konstruktion seiner Brote: Der Belag türmt sich auf, genau wie die Geschmacksentwicklung im Gaumen, P1040459wenn der erste Bissen, natürlich stets mit dem Messer geschnitten und mit der Gabel dem Munde zugeführt, dort verschwindet. Mit den Fingern isst man in Dänemark Smörrebrod nur, wer man in Eile ist und im Fußlauf ein ordentliches Mittagessen ersetzen will.

Bei einer Bootsfahrt zeigt sich die kleine Meerjungfrau und ist viel kleiner als erwartet

Der Weg der Sonne ist selbst in Skandinavien um diese Jahreszeit kurz. Ein Bootsfahrt drängt sich geradezu auf, um möglichst viel von dem Flair der Stadt aufzusaugen, von der es vorigen Jahr hieß, in ihr lohne sich das Leben am ehesten auf dieser Welt. Die Ausflugsboote am Kanal starten Stunde um Stunde und eröffnen Blicke auf die architektonischen Highlights der Stadt wie die ebenso mutige wie eigenwillige Einbeziehung der ehemalig militärischen P1000906Torpedo-Halle in angesagte Eigentumswohnungen mit privatem Bootsanleger, das neue Schauspielhaus, die Nationaloper und der Anbau der Königlichen Bibliothek, „schwarzer Diamant“ genannt. Wenn man Glück hat, erhascht man einen Blick auf die königliche Yacht, während die Aussicht auf das berühmteste Wahrzeichen der Stadt vom Boot aus in jedem Fall gewährleistet ist: Die kleine Meerjungfrau sitzt, viel kleiner als erwartet, am Langlinie Pier.

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Allgemeine Informationen zu Kopenhagen: www.visitcopenhagen.com
Neben dem Wasserweg lässt sich Kopenhagen auf insgesamt mehr als 400 Kilometer Radweg auch mit einem gemieteten Fahrrad erobern – auf Wunsch sogar mit GPS am Lenker (www.bycyclen.dk) Mit der Copenhagen-Card können Besucher einiges sparen: Sie haben freien Eintritt in 75 Museen und Sehenswürdigkeiten oder bekommen Rabatte auf die Eintrittsgelder vieler Attraktionen, wie zum Beispiel im Tivoli oder bei den Canal Tours Copenhagen( www.canal-tours.dk). Mitinbegriffen ist immer die kostenlose Nutzung von Bus, Bahn und Metro. Es gibt von 24-Stunden bis zu 120-Stunden Karten. Für Erwachsene gibt es die Karte ab 42 Euro, für Kinder ab 23 Euro.(www.cphcard.com)

Die Preise für Hotels sind zwar ambitioniert, doch das „Wakeup Copenhagen“, modern und sehr verkehrsgünstig gelegen, bietet auch für schmalere Budgets ein sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis ( www.wakeupcopenhagen.dk)

Das leckere Smörrebröd gibt es bei Kim in der Brooklyn Bar (www.brooklyn.dk).