Kleiner Rebell ganz groß – der Jeep Renegade

von Solveig Grewe

Renegade

Sieht man von Modellautos und dem kultigen Urahn aus den vierziger Jahren einmal ab, gab es noch nie einen kleineren Jeep. Mit dem neuen und gerade mal etwas über vier Meter langen “Renegade” fuhr der US-italienische Konzern Fiat Chrysler jetzt sein erstes Kompakt-SUV im italienischen Balocco auf die Bühne.

“Renegade” heißt auf deutsch “Rebell” und der Name kann Programm sein. Jeep-Enthusiasten dürfte es schütteln, aber den Renegade gibt es in drei von sechs Modellvarianten als reinen Frontantriebler. Das drückt den Einstiegsspreis auf unter 20 000 Euro. Zumindest optisch hat der in den USA gezeichnete Renegade auf den ersten Blick selbst dann alles, was einen Jeep ausmacht: die klassischen sieben Lüftungsschlitze im Kühlergrill, die runden Scheinwerfer, große Kotflügel und mehr Kanten als Rundungen. Schaut man ganz genau hin, entdeckt man unten in der Frontscheibe wie zur Bestätigung eine winzige Silhouette des Ur-Jeeps.

Trotz der kompakten Abmessungen wirkt der Innenraum des Renegade großzügig und bietet für vier Personen genügend Arm- und Beinfreiheit. Für das Gepäck reicht der Platz von 350 bis zu knapp 1300 Liter auch mal für eine Zeltpartie zu zweit. Der Fahrer sitzt erhöht vor übersichtlich und logisch angeordnete Bedienelementen, die zum Teil an den “Cherokee” erinnern. Der von Jeep liebevoll „Oh-shit“ genannte Haltegriff für den Beifahrer dürfte in zu schnell genommenen Kurven hilfreich sein und stammt aus dem Wrangler. Doch will man mit dem im italienischen Melfi für den Rest der Welt gebauten kleinen Jeep nicht nur auf Straßen unterwegs sein, braucht auch er einen Allrad. Dann klettert der mit ausreichend Bodenfreiheit, Böschungswinkel,Watttiefe und Geländeuntersetzung ausgestattete Renegade mühelos steile Hänge hinauf und herunter, wühlt sich über matschige Wege und nimmt es im Ernstfall auch mal mit einem Schlammloch auf.

Mit dem kleinsten Diesel mit Frontantrieb lässt sich der Kleine verlässlich und mit gutem Durchzug bewegen. Auf unserer Teststrecke mit leichten bis mittelschweren Herausforderungen an Geländegängigkeit zeigt sich der MiniJeep souverän wie ein Großer. Das in Italien abgestimmte straffe, aber nie unangenehme Fahrwerk hilft selbst über etwas holprigere Strecken sanft hinweg. Mit der extra für Geländefahrten ausgerüsteten Version “Trailhawk” mit einem besonders niedrig untersetzten ersten Gang und fünf Fahrprogrammen anstelle von vieren werden wir dann mutiger und wagen uns auch mal in schweres Gelände.

Die normalen Allradversionen besitzen die aus den größeren Modellen bekannte Geländeautomatik Select Terrain, bei der zwischen den Einstellungen “Auto”, “Snow”, “Sand + Mud” (Sand und Matsch) sowie “Rock” (Felsen) gewählt werden kann. Eine automatische Einparkhilfe, Kollisionswarnung, Spurhalteassistent und einen adaptiver Tempomat brauchen wir jetzt zwar nicht, aber zurück in der Zivilisation helfen sie, das Leben einfacher zu gestalten.

Jeep Renegade

Motor: Vierzylinder Diesel

Hubraum: 1598 ccm

kW (PS) bei U/min: 88 (120 ) bei 3750 U/min

max. Drehmoment: 320 Nm bei 1750 U/min

Höchstgeschwindigkeit : 178 km/h

Beschleunigung: 0 auf 100 km/h : 10,2 Sekunden

Abgas Co2 : 120 g/km

Verbrauch: 4,6 Liter pro 100 km, kombiniert

Preis: ab 23 600 Euro