Chashme Baddoor – Ein Klassiker und seine Neuverfilmung

Die Neuverfilmung erfolgreicher Filme ist seit Jahrzehnten gang und gäbe. Das ist im Bollywood-Kino nicht anders. Unsere Filmexpertin Nicole Karimi hat die beiden Fassungen des Films „Chashme Baddoor“ miteinander verglichen.

Von Nicole Karimi

So war es 1981: Siddhart liebt Neha...

So war es 1981: Siddhart liebt Neha…

Während der Klassiker (Chashme Baddoor, 1981) in der Statistik von Box Office India noch nicht einmal seine Erwähnung findet, gilt die Neuverfilmung aus dem vergangenen Jahr als ein großer Hit. Mir persönlich gefällt jedoch der Klassiker dieser lustigen Liebeskomödie viel besser, obgleich beide Versionen hinsichtlich vieler Aspekte (z. B. Dramaturgie, Schauspielbesetzung, Happy End) geradezu identisch sind. Beim genaueren Hinsehen weisen allerdings selbst die Gemeinsamkeiten große Unterschiede auf.

Chashme Baddoor (1981 & 2013) erzählt die Geschichte dreier Freunde, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Trotzdem haben Siddhart, Omi und Jai auch einige Gemeinsamkeiten – schließlich sind sie alle drei Studenten, rauchen gerne Zigaretten (1981), hängen miteinander rum (2013) und wohnen auch noch in einer WG zusammen (1981 & 2013) – und so wurden sie allerbeste Freunde.

“If you can’t change the girl, change the girl!”

Während Sid (2013, Farooq Sheikh) bzw. Siddhart (1981, Ali Zafar) den fleißigen, strebsamen, attraktiven und erfolgreichen Studenten verkörpert, der die begehrte Hauptprotagonistin Neha (1981) bzw. Seema (2013) ganz zufällig wie im Sturm erobert, sind Omi und Jai hauptsächlich damit beschäftigt, ständig neue Mädchen aufzureißen; der Erfolg der beiden bleibt dabei überschaubar, was Omi und Jai jedoch nicht weiter stört, lautet doch ihr Lebensmotto: “If you can’t change the girl, change the girl!”

Allerdings wäre es zu einseitig, lediglich auf die Romanze dieser doppelt verfilmten Liebeskomödie einzugehen. Schließlich werden in Chashme Baddoor auch Freundschaft, Neid und Eifersucht thematisiert. Bereits der Filmtitel Chashme Baddoor (deutsch.: „Fern sei der böse Blick“) verweist auf einen weitverbreiteten Glauben, der wiederum selbst in einem sehr engen Zusammenhang mit Eifersucht und Neid steht.

Im Film sind es Omi und Jai, die vor Neid auf ihren Freund Sid fast schon platzen, waren sie doch in ihren Annäherungs¬versuchen bei Neha bzw. Seema kläglich gescheitert. Sie können es nicht ertragen, Sid/Siddhart so glücklich mit Neha/Seema zu sehen. Und dann wollen die beiden sogar heiraten.

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde

...und es scheint, als könne die drei Freunde Siddhart, Omi und Jai nichts auseinander bringen.

…und es scheint, als könne die drei Freunde Siddhart, Omi und Jai nichts auseinander bringen.

Als sie von den Hochzeitsplänen erfahren, schließen Omi und Jai einen teuflischen und zerstörerischen Pakt unter „Freunden“: Sie wollen Sid/Siddhart von Neha/Seema trennen. Ihr Plan scheint sogar mittels zahlreicher Intrigen und Lügen perfekt aufzugehen; und so findet die Liebesbeziehung ihres Freundes zu Neha/Seema schon bald ihr Ende. Allerdings müssen Omi und Jai anschließend dabei zusehen, wie ihr bester Freund leidet und allmählich seelisch verkümmert; ja, sie befürchten sogar, er könne Selbstmord begehen. Aus Angst um ihren Freund beschließen Omi und Jai ihren Pakt schnellstmöglich umzukehren und alles Menschenmögliche zu versuchen, die beiden Liebenden wieder zusammenzubringen.

Sofort decken Omi und Jai alle Lügen auf und gestehen Sid/Siddhart ihre bösen Absichten, aber auch ihre große Reue. Auch diesmal scheuen sich die beiden Freunde nicht davor, mit zahlreichen Lügen um sich zu werfen und sogar eine Entführung zu inszenieren – diesmal jedoch ausschließlich zu einem guten Zweck; deshalb wird auch Sid/Siddhart selbst in die Pläne eingeweiht. Während die Inszenierung der gestellten Entführung von 1981 völlig zu eskalieren droht, da Neha schließlich in die Hände echter Kidnapper gerät, bleibt es in der Version von 2013 bei einer bloßen und somit völlig ungefährlichen Inszenierung. Am Ende geht es jedoch in beiden Versionen für Sid/Siddhart und Neha/Seema gut aus, so dass einer Hochzeit nun wirklich nichts mehr im Wege steht.

1981 versus 2013

Das ist in der Neuverfilmung 2013 nicht anders.

Das ist in der Neuverfilmung 2013 nicht anders.

Das Ende der Neuverfilmung (2013) von Chashme Baddoor wirkt im Vergleich zu dem des klassischen Vorläufers als geradezu plakativ – übt doch letztendlich die böse Intrige von Omi und Jai auf das glückliche Ende der Liebesgeschichte zwischen Sid/Siddhart und Neha/Seema keinerlei negativen Einfluss aus; die inszenierte Entführung wird hier nämlich ganz ohne das Aufkommen realer Gefahren von außen vollzogen. Im Klassiker (1981) hingegen droht das Liebespaar tatsächlich an der Eifersucht bzw. an den „bösen Blicken“ (chashm-e bad) von Omi und Jai zu zerbrechen. Die Eigendynamik ihres teuflischen Plans ist trotz der reuevollen Umkehr und der vielen Bemühungen kaum noch aufzuhalten. Erst im allerletzten Moment gelingt es Omi und Jai schließlich doch noch, die Kausalkette ihres „bösen Blickes“ zu durchbrechen. Somit erscheint das Ende des 80er-Jahre-Klassikers zum einen viel konsequenter und zum anderen treffender, will der Zuschauer doch auch einen logischen Bezug zum Filmtitel haben.