erfolgreich, deutsch – schwarz

Rezensiert von Jeannette Oholi

My black skinIm ihrem Bildband „My black Skin. Schwarz, Erfolgreich, Deutsch“ macht Herausgeberin Dayan Kodua 25 erfolgreiche schwarze Vorbilder sichtbar. Die porträtierten Afrodeutschen erzählen von ihrem Leben in Deutschland und den Hindernissen, die sie zur Erfüllung ihrer Träume überwinden mussten. Ein solcher Band war längst überfällig.

„I am not my hair, I am not this skin, I am not your expectations… I am a soul that lives within”, singt die afroamerikanische Sängerin India Arie in einem ihrer Lieder. Rapper Akon, der seine ersten Lebensjahre im westafrikanischen Senegal verbracht hat, begleitet India dabei gesanglich. Beide Musiker haben etwas gemeinsam: Ihre Haut ist schwarz. Und sie prangern eine Gesellschaft an, die nur Äußerlichkeiten sieht und Erwartungen an sie stellt, die sie nicht erfüllen wollen.

Sichtbar und doch unsichtbar

Auch in Deutschland sehen sich geschätzt 500 000 Afrodeutsche tagtäglich wegen ihrer schwarzen Haut neugierigen Blicken ausgesetzt. Die Hautfarbe ist für viele Anlass genug, schwarze Menschen gedanklich automatisch in die Schublade „Ausländer“ zu stecken. Individuen und ihre Biographien werden dadurch unsichtbar. Persönliche Leistungen, Erfolge und Kämpfe bleiben häufig unbeachtet.

Dayan Kodua kämpft mit ihrem Buchprojekt „My Black Skin. Schwarz, Erfolgreich, Deutsch“ gegen die Anonymisierung und bricht mit der Vorstellung einer homogenen „schwarzen“ Bevölkerungsgruppe. Afrodeutsche kommen in ihrem Buch selbst zu Wort und erzählen ihre persönliche Geschichte.

Hindernisse überwinden, Ziele erreichen

Der Bildband rückt 25 Afrodeutsche in den Fokus der Aufmerksamkeit. Einige unter ihnen wurden in einem afrikanischen Land geboren und kamen als Kinder oder junge Erwachsene nach Deutschland. Andere wurden in Deutschland geboren und lernten das Land ihrer (Groß-)Eltern nur in Urlauben kennen. Sie alle sind für die Gesellschaft durch ihre black skin sichtbar, haben gekämpft, waren geduldig, fleißig und mussten Hindernisse überwinden, um ihre Ziele zu erreichen.

Rose Baaba Folson ist eine von ihnen. Sie ist eine schöne und starke Frau. Mal trägt sie ein Kleid aus gelbem Stoff mit grün-blauem Muster und ein Tuch um den Kopf, ein anderes Mal braune Lederstiefel, Kleid und Jacke in gedeckten Farben und einen Hut. Die 1956 in Ghana geborene Soziologin musste sich ihren Platz in der Wissenschaft in Deutschland hart erkämpfen. An der Freien Universität (FU) Berlin bewarb sich Folson vor vielen Jahren für die Mitarbeit an einem Forschungsprojekt am Institut für Ethnologie und wurde, obwohl sie alle Anforderungen erfüllte, nicht genommen. „Keiner meiner Professoren hat verstanden, warum die FU mir die Stelle nicht gegeben hat. Ich aber habe es: Abgesehen davon, dass ich eine der besten Kandidatinnen war, wollten sie, dass ich Deutsche bin, möglichst eine Weiße.“

Trotz aller Hindernisse hat Rose Baaba Folson inzwischen nicht nur ihre Promotion erfolgreich abgeschlossen, sondern auch ihre Habilitation. Ihre akademischen Titel schützen Folson jedoch auch heute nicht vor Rassismus, Benachteiligung und Ablehnung. Mit ihrem gesellschaftlichen Engagement kämpft die Soziologin seit vielen Jahren gegen Diskriminierung und Rassismus – derzeit im Verein „Afrika ist auch in Bremen“. Folson möchte aufklären, denn Ablehnung zu spüren sei nicht das schlimmste. „Schlimmer sind Menschen, die Diskriminierung auch noch entschuldigen wollen.“

Neue Vorbilder

Sie wolle mit ihrem Buch „erfolgreiche schwarze Vorbilder in Deutschland sichtbarer für alle machen“, schreibt Dayan Kodua in ihrem Vorwort. Das hat sie geschafft. Der Bildband besticht nicht nur durch die schönen Fotografien, sondern vor allem durch die Lebensgeschichten der 25 Protagonistinnen und Protagonisten, die Susanne Dorn – leider hier und da mit sprachlichen Schwächen – in ihren Texten festgehalten hat.

Dayan Kodua trägt mit ihrem Buch dazu bei, dass ein Gespräch zwischen einem Leser und einem (noch) Nicht-Leser des Bandes in Zukunft so aussehen könnte: „Schwarz und deutsch? Passt das denn zusammen?“ „Und wie! Obwohl, da fehlt noch ein Attribut. Es muss heißen: schwarz, deutsch und erfolgreich!“

Dayan Kodua (Hg.): My Black Skin: Schwarz. Erfolgreich. Deutsch, Verlag seltmann+söhne, Berlin 2014, ISBN 978-3944721002, 35 Euro