Zu alt für „Der Alte“

Von Kai Doering

Am 4. November wird Pierre Sanoussi-Bliss zur besten Sendezeit im ZDF zu sehen sein. In der Dokumentation „Wahnsinn ῾89. Wie die Mauer fiel“ wird sich der 1962 in Ost-Berlin Geborene an die Tage rund um den 9. November 1989 erinnern. Sanoussi-Bliss wird Sätze sagen wie: „Dass ich den Mauerfall miterleben durfte, dass ich auch noch relativ jung war, ist das Beste was mir passieren konnte.“

Nach der Wiedervereinigung machte Sanoussi-Bliss im Fernsehen Karriere. Seit 18 Jahren spielt er den Ermittler Axel Richter in der Krimi-Serie „Der Alte“. Nun hat das ZDF beschlossen, dass er ersetzt wird. „Wir wurden nach München zitiert und uns wurde eröffnet, dass im November Schluss ist“, teilte der Schauspieler in der vergangenen Woche in einem emotionalen Video auf seiner Facebook-Seite mit. „Wir“, damit meint Sanoussi-Bliss sich und seinen Kollegen Markus Böttcher, der in „Der Alte“ den Chef der Spurensicherung Werner Riedmann spielt. Für ihn kommt das Serien-Aus nach 28 Jahren.

 

„Auch ein ZDF-Klassiker wie das vom Publikum geschätzte Krimi-Format ‚Der Alte‘ braucht gelegentliche Veränderungen, um seine Attraktivität und Modernität aufrecht zu erhalten“, begründet der Sender das Vertragsende von Sanoussi-Bliss und Böttcher. Ihr Ausscheiden mache den Weg frei, „um mit neuen und jüngeren Charakteren wieder ausreichend Stoffpotential für heutige Geschichten zu haben“.

Ex und hopp

„Das ZDF ist im Verjüngungswahn und wir sind raus“, ärgert sich Sanoussi-Bliss. Den 52-Jährigen überzeugt die ZDF-Argumentation nicht. „Schalten wirklich jüngere Leute ein, wenn bei ‚Der Alte‘ jüngere Kommissare sind? Oder schalten nicht eher ältere Leute ab, wenn bei ‚Der Alte‘ wie überall anders auch junge Kommissare sind?“, fragt er rhetorisch in seinem Video und gibt zu „in bisschen verletzt“ zu sein.

Besonders ärgert sich der Schauspieler aber über die Art und Weise, wie er und sein Kollege Böttcher vom Serien-Aus erfuhren. Denn nachdem ihnen eröffnet wurde, dass „Der Alte“ künftig ohne sie ermittelt, bekamen sie gleich die Endfassung für das Drehbuch ihrer letzten Folge in die Hand gedrückt. Die Entscheidung gegen Sanoussi-Bliss und Böttcher war also schon lange vorher gefallen. „Bis eben sind wir noch ZDF-Gesichter und der Sender ist stolz auf uns und im nächsten Moment sind wir völlig egal? Ex und hopp?“, fasst Sanoussi-Bliss die Situation aus seiner Sicht zusammen.

Ob es für ihn in anderen Rollen im Fernsehen weitergeht, weiß der Schauspieler noch nicht. „Ich würde Euch gerne erhalten bleiben“, lässt Sanoussi-Bliss seine Fans auf Facebook wissen. „Ich mache meinen Job saugerne.“