Ein ausgedehnter Spaziergang mit Renoir

Von Solveig Grewe

Eine zarte Röte überzieht das Gesicht von Madeleine. Es bleibt offen, ob es der spätsommerlichen Hitze zuzuschreiben ist oder der Frage, die beim Rundgang durch das Örtchen Essoyes an die junge Stadtführerin, aufgekommen ist. War

P1020693die schöne Gabrielle wohl wirklich nur Modell für Pierre Auguste Renoir oder mehr? Fest steht, dass der Großmeister des Impressionismus ( 1841 – 1919) in dem Dörfchen in der Champagne zusammen mit seiner Frau Aline, deren Cousine Gabrielle und seinen drei Kindern einige sehr glückliche Sommer verbracht hat. Das Farbenspiel der sanft geschwungenen Weinberge mit den reifen Getreidefeldern inspirierten den damals fast 60jährigen ebenso wie Gabrielle mit ihren üppigen Rundungen und den schräg stehenden Augen zu zahlreichen Skizzen und Gemälden.

 

Einblicke in die Lebens – und Schaffenswelt von Renoir

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Innige Zweisamkeit in Essoyes

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Mit angebundenen Pinsel malen

Eines seiner Bilder taucht jetzt überlebensgroß an einer Hauswand des 700 Seelen-Örtchens auf. Es zeigt Gabrielle in inniger Zweisamkeit mit Jean, dem zweitjüngsten Sohn von Renoir. „Tatsächlich gibt es bei uns kein einziges Originalgemälde von Renoir“, erläutert Madeleine das Prinzip der Ausstellung „Du cote des Renoirs“ – „an der Seite von Renoir“ über die Lebens – und Schaffenswelt des Künstlers. Stattdessen beginnt die Besichtigung im Renoir-Raum mit einer Auswahl von Fotos und Gegenständen aus dem täglichen Leben des Künstlers und seinen Liebsten. Der Spaziergang danach führt vorbei an Reproduktionen von Ölbildern, die wie “Chemin montant dans les hautes herbes” – der ansteigende Weg durch hohes Gras” genau an den Stellen in der Natur platziert wurden, an denen der Künstler zu seiner Zeit zum Malen angeregt wurde. Im Atelier, das wegen des Kinderlärms weiter entfernt vom Renoir’schen Wohnhaus liegt, vermag der von der Decke hängende Rollstuhl Renoirs nur einen Hauch von dem zu vermitteln, was dem alternden Künstler zu schaffen machte. Von Rheuma geplagt, ließ er sich sogar die Pinsel an den Händen festbinden, um überhaupt noch malen zu können.

 

Mit dem Elektroauto zum Champagnertasting in die Weinberge

Wieder einmal neigt sich der Sommer dem Ende zu. Die Trauben in der Champagne werden langsam prall, in wenigen Wochen wird hier rege Betriebsamkeit herrschen. Etwa hundertfünfzig Kilometer nördlich von P1010661Renoirs Sommerfrische flitzt James Richard-Flineux in seinem Elektroauto mit der Aufschrift „Ay-Ecovisite“ nahezu lautlos durch die Weinberge des kleinen Champagnergutes seiner Eltern. Anders als die Aufschrift auf dem Auto es vermuten lässt, findet hier kein rein ökologischer Anbau statt. „Das ist zu aufwändig und rechnet sich nicht. Noch nicht”, fügt James hinzu, während sein Blick stolz über die Rebstöcke links und rechts der schmalen Straße schweift. Viele Winzer wie auch die Richard-Flineuxs verkaufen ihre Trauben nicht, sondern stellen ihren eigenen Champagner her. “Nur drei Traubensorten dürfen verwendet werden” P1010778erklärt James jetzt in dem kleinen Verkaufsladen des Weingutes und philosophiert bei der Verkostung über die Feinheit des Chardonnay, die Weinigkeit des Pinot Noir und die Fruchtigkeit des Pinot Meunier. Alle Trauben werden natürlich handverlesen, betont James, während er die Champagnerflöten sorgfältig mit den perlenden Köstlichkeiten befüllt.

 

Kurz und bündig:

Die Champagne-Ardenne, benannt nach der Landschaft Champagne und dem Ardennengebirge, bietet im Norden Frankreichs ihren Besuchern mannigfaltige geschichtliche und kulturelle Stätten, dazu unverdorbene Natur, vielfältige Freizeitaktivitäten und einen der weltweit berühmtesten Schaumweine. Vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle fährt der Hochgeschwindigkeitszug TGV in nur dreißig Minuten zum Bahnhof Champagne-Ardenne. Von hier aus sind es noch etwa anderthalb Stunden, bis man in dem Dörfchen Essoyes am Ufer der Ource eintauchen kann in die Welt von Renoir und seiner Familie. (http://www.renoir-essoyes.fr/)  Die Straßen der Champagnerroute winden sich rund 500 Kilometer durch die Weinberge, führen vorbei an herrlichen Aussichtspunkten und durch ursprüngliche Champagnerdörfer mit ihren Klöstern, Waschhäusern, Schlössern und Kirchen. Damit die Gäste die Rebhänge genauer betrachten können, organisiert der Champagnerhersteller Richard-Fliniaux Touren mit einem Elektroauto durch das Dorf Ay und die Weinberge der Umgebung. Wer mag, kann das mit einem Picknick, selbstverständlich mit Champagnertasting, verbinden. ( http://ay-eco-visite.com )

Extra-Tipp: Einen schönen Blick über die Weinberge hat man von einem der Balkonzimmer im Hotel Royal Champagne in Champillon.
www.royalchampagner.com

Allgemeine Informationen zur Champagne gibt es bei Atout France, der französischen Zentrale für Tourismus  info.de@rendezvousenfrance.com