The Lunchbox – Die schicksalhafte Begegnung zweier Liebenden

Lunchbox (c) EuroVideo Medien GmbH

Lunchbox (c) EuroVideo Medien GmbH

There are people who like Bollywood and (…) there are people who are looking for something new.” Ritesh Batra

Von Nicole Karimi

Dem Filmemacher Ritesh Batra gelingt es in seinem Debütfilm The Lunchbox von 2013, aus einer völlig banalen Geschichte etwas komplexes und „Zauber“-haftes zu inszenieren. Wie so viele andere Ehefrauen in Indien, bereitet auch die Hauptprotagonistin Ila (Nimrat Kaur), die eine ganz gewöhnliche Hausfrau aus Mumbai darstellt, eine Vesperdose (dibbā) für Ihren Ehemann vor. Allerdings haben die indischen Ehemänner das große Privileg, sich das von ihren Frauen gekochte Essen von den so genannten Dibbā-Vālas, den Zulieferern jener Vesperdosen, direkt ins Büro bringen zu lassen. In einigen Großstädten Indiens existiert nämlich ein sehr effektives Vesperdosenverteilungssystem. Durch einen bloßen Zufall, den es im Grunde eigentlich gar nicht geben dürfte gelangt Ilas Vesperdose jedoch bei einem völlig fremden Mann (Irrfan Khan). In The Lunchbox ist es also der bloße Zufall, der es einer Vesperdose (dibbā) ermöglicht, auf unerklärliche Weise ganz woanders hinzugelangen, als diese eigentlich sollte – und zwar Tag für Tag! Diese falsche Route einer Vesperdose führt schließlich die frustrierte Ila und der einsame Mr. Fernandes auf so reine und liebliche Art und Weise zueinander.

Eine Vespadose auf Umwegen
Was mit diesen beiden Menschen allerdings geschieht, solltet ihr euch jedoch am besten selbst ansehen. Doch eines will ich für all jene, die den Film noch nicht gesehen haben, verraten: Das Ende lässt genügend Raum für Interpretationen! Ritesh Batra äußerte sich zu jenem offenen Ende auf geradezu poetische Art und Weise mit folgenden Worten: „Mein Gedanke war es, dass der Film in den Herzen und Gedanken der Zuschauer enden sollte.“
Das, was The Lunchbox ganz besonders auszeichnet ist auch seine völlig neue Art der Verfilmung – spielt sich der Film doch vornehmlich „mit“ und „in“ Ilas Wohnung ab. Das Publikum sieht etwa „was“ und vor allem „wie“ sie in ihrer typisch indischen Küche für ihren „Ehemann“ kocht, während sie sich dabei mit ihrer Nachbarin – die man im Übrigen nie zu Gesicht bekommt – über Gott und die Welt (z. B. über ihre schlecht laufende Ehe) unterhält; oder aber wie Ila gerade aufwacht und sich im Spiegel betrachtet. Die Zuschauer dringen auf diese Weise voll und ganz in die Welt Ilas ein. Obendrein kommt hinzu, dass die Zuschauer nach diesem Film meist nur noch Eines wollen: Indisch essen! Wer diesen wunderbar gelungenen Film also noch nicht gesehen hat, sollte dieses Versäumnis so schnell wie möglich nachholen. Bestenfalls nicht mit leeren Magen in den Film eintauchen.

Luchbox (2013)
Freigegeben ohne Altersbeschränkung
EuroVideo Medien GmbH
101 Minuten

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