„Queen“ – die Geschichte einer jungen Inderin

Von Nicole Karimi

Wie Trauer zu einer einmaligen Chance wird

 

Wem bereits der Film English Vinglish (2012) gefallen hat, darf Queen (2014) auf gar keinen Fall verpassen. Auch in Queen wächst die Hauptprotagonistin auf Grund gewisser Umstände völlig aus sich heraus und erfährt eine intensive Persönlichkeitsentwicklung. Queen kam im März 2014 in die indischen Kinos und wurde bereits einen Monat später auf dem „Indischen Filmfest“ in Münster gezeigt. Das deutsche Publikum war von dem zugleich amüsanten und dramatischen Film genau so begeistert wie das indische. Dem Regisseur Vikas Bahl gelingt es in einer subtilen, aber dennoch kraftvollen Weise, die Entwicklung eines hilflosen und geradezu unmündigen Mädchens zu einer starken, selbstbestimmten, indischen Frau, inmitten der Tradition und Moderne, Ost und West, in Szene zu setzten.

 

Flitterwochen mal anders und allein
Die 24-jährige Rani aus Delhi lässt sich zwei Tage vor ihrer Hochzeit auf ein heimliches Treffen mit ihrem Verlobten Vijay ein. Das aber, was er ihr dabei zu sagen hat, ist jedoch weniger erfreulich: Er bläst die Hochzeit ab! Er hat sie zutiefst verletzt und gedemütigt. Doch eines will sie sich nicht nehmen lassen: Ihren Traum, nach Europa zu reisen. Und so beschließt sie, alleine in die Flitterwochen nach Paris und Amsterdam zu gehen. Der Start im Ausland fällt ihr schwer, denn von Anbeginn wird sie moralisch herausgefordert. Doch dann findet Rani in der Fremde etwas ganz Besonderes: Liebe – die Liebe zu sich selbst! Sie lernt Menschen kennen, die so ganz anders sind, anders denken und leben als sie selbst. Ausgerechnet diese fremdartigen Menschen werden ihre Freunde und lassen sie schließlich einen völlig neuen Zugang zu sich selber finden. Vikas Bahl lässt die Hauptprotagonistin und somit auch das genuin indische Publikum mittels dieser inszenierten Freundschaften über sämtliche Vorurteile und Klischees hinwegsehen. Der Regisseur versucht ganz bewusst, lediglich den wahren Kern dieser Freunde zu zeigen, so dass deren andere Lebenshaltung, Beruf, Herkunft oder anderes Geschlecht völlig in den Hintergrund rückt. Gerade dann, als Rani sich völlig frei und mit sich selbst im Reinen fühlt, passiert etwas völlig Unerwartetes.

 

Ein Kino-Muss Deutschland!
Dieser Film erweist sich aufgrund seiner Offenheit allem Fremden gegenüber als eine enorme Bereicherung für ein globales Publikum. Allein schon in Deutschland gibt es gegenwärtig so viele Probleme in der Auseinandersetzung mit dem Fremden – sprich: mit fremdsprachigen Menschen und deren befremdlichen Religionen, deren fremdartig und vor allem negativ konnotierten Erscheinungen etc. Vor der Kamera von Vikas Bahl wären sie bzw. wir jedoch alle einfach „nur“ Menschen. Queen gehört daher unbedingt in die deutschen Kinos!