Thailand: Pfade zur Erleuchtung

Die goldfarbene Nagafigur in der Tempelanlage Wat Pa Neramit Vipassana leuchtet in der Morgensonne.

Die goldfarbene Nagafigur in der Tempelanlage Wat Pa Neramit Vipassana leuchtet in der Morgensonne.

Von Solveig Grewe

Nur das matte Flattern des Vorhangs und das gedämpfte Krähen eines Hahns durchdringt die Stille im Wat Pa Neramit Vipassana. Die buddhistische Tempelanlage liegt in der Provinz Loei knapp fünfhundert Kilometer nördlich von Bangkok inmitten sanft geschwungener und üppig grüner Hügelketten. In der Dhamma-Halle, in der großartige Zeremonien stattfinden, die aber auch für Vorträge genutzt wird, ist es zur morgendlichen Stunde für thailändische Verhältnisse kühl. Mit übereinander geschlagenen Beinen sitzt es sich eher unbequem auf dem polierten Boden aus dunklem Teakholz, trotz der kleinen Kissen. Mönch Phra Achan Mahabunpeng, Gelehrter und Lehrer in dem Kloster, lächelt jetzt milde von seiner Empore herunter, nachdem er der Gruppe von Touristen keine Antwort auf ihre Fragen nach dem Sinn der Lehre Buddhas schuldig geblieben ist. Jetzt wirkt er seltsam entrückt. Der Versuch, die eigene Sitzposition schnell zu verbessern, ist gewagt. Immerhin dürfen die Fußspitzen, die nach der buddhistischen Lehre als unrein gelten, nicht auch nur einen Augenblick lang in die Richtung des Mönches zeigen.

Die Meditation ist im Buddhismus einer der Wege zur Erleuchtung. Sie wird in Thailand seit Jahrtausenden praktiziert und gewinnt weltweit ständig an Popularität. Immer mehr Europäer suchen und finden in der ostasiatischen Weltanschauung Wege, aus einer Welt voller Stress zu sich selbst und zur inneren Ruhe zu finden. Wem die halbe Stunde heute morgen noch nicht gereicht hat, um zumindest an diesem Tag mal zur Ruhe zu kommen, der bleibt noch etwas sitzen.

In den sanften Hügeln im Nordosten Thailands findet man zu sich selbst.

In den sanften Hügeln im Nordosten Thailands findet man zu sich selbst.

Die anderen spazieren jetzt draußen vorbei an der prächtigen Pagode und den makellos gepflegten Rasenflächen zu der Nagafigur, deren goldene neun Köpfe in der Morgensonne glänzen.

Der Weg führt durch Wälder mit weitläufigen Teak – und Bananenplantagen in die nächste Stadt. Vor den Ampeln warten die Fahrer geduldig auf knatternden Mopeds und in Autos, keiner hupt. Eile und Hektik scheinen ein Fremdwort zu sein. Schulkinder in dunkelblauen Uniformen mit blütenweißen Hemden greifen wie all die anderen, die zu früher Stunde unterwegs sind, bei Phuong-Anh noch ein Frühstück ab. Die junge Frau hält in ihrer Garküche auf Rädern köstlich duftende Fleischspieße, Reissuppe mit frischem Koriander und Tee aus kleinen Plastiktütchen mit Strohhalm bereit. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite quellen aus einem winzigen Laster noch mehr Schulkinder, gefolgt von einigen Marktfrauen, die jetzt Körbe voller Gemüse und Holzkäfige mit gackernden Hühnern über die hohe Ladekante hieven. „Chicken-Bus“ erklärt Phuong-Anh und lächelt. Die Thailänder sind bekannt für ihr Lächeln. Doch das muss nicht immer für Freundlichkeit stehen, auch eigene Unzulänglichkeiten werden gerne freundlich überspielt. Wie bei allen Asiaten ist es auch für den Thailänder schlimm, sein Gesicht zu verlieren. Genauso unangenehm ist es ihm, wenn das dem europäischen Gegenüber passiert, etwa, weil es den Weg nicht kennt. Auch das wird dann schnell mit einem Lächeln quittiert.

Der Himmel hat sich über den Tag  hinweg langsam   zugezogen. Träge  und einer gewaltigen Schlange gleich windet sich der Mekong durch die  Landschaft. Das schlickige Wasser des  Flusses hat  auf seinem Weg von seiner Quelle in Tibet durch  China und  Myanmar, dem ehemaligen Burma, bis  hierher schon viel gesehen. Ein junges  Paar schaut versunken auf das andere  Ufer, während sein selbst gebasteltes  Schiffchen aus Palmblättern langsam flußabwärts trudelt. Herausgeputzt mit brennenden Kerzen und Blüten aus Wachs soll es alle Sorgen und Nöte der beiden mit sich nehmen. Allerdings verbietet es der Glaube, ihm nachzuschauen. Auf der gegenüber liegenden Seite liegt Laos, zu dem der Mekong die Grenze bildet.So weit es geht, wird der Strom das Schiffchen mit sich nehmen auf seinem Weg durch Kambodscha bis nach Vietnam, wo er in das Südchinesische Meer mündet.

Die Luft in Bangkok ist schwer von Abgasen und Rauchschwaden.

Vor dem neu eröffneten Konsumtempel in der Innenstadt von Bangkok verhüllen dichte Rauchschwaden die Passanten mit ihren prall gefüllten Einkaufstüten. Über ihren Köpfen rast in seinem grauen Betonbett im Minutentakt der Skytrain, neben ihnen schieben sich Autos Stoßstange an Stoßstange langsam die Ratchadamri Road entlang. Ungerührt von all dem zünden Mönche in traditionell orangefarbenen Gewändern, Männer in Businessanzügen und junge Studentinnen Räucherstäbchen an und bieten sie zusammen mit Früchten, kleinen Holzelefanten und süß duftenden Lotusblumen als Opfer dar. Die Luft ist schwer zu atmen, viele tragen einen Mundschutz. Nach den ruhigen und besinnlichen Tagen im Norden wirkt die thailändische Hauptstadt wie ein Hexenkessel. Politisch ist es längst wieder ruhig geworden, aber alles andere pulsiert. Jeden Morgen und jeden Abend erlebt die Stadt einen Verkehrskollaps. Auch für kurze Strecken können Stunden des Wartens drohen. Wohl dem, der den Mut hat, sich hinten auf eines der zahlreichen Motorbike-Taxis zu schwingen, die die stehenden Autos in Windeseile wie Slalomstangen umzirkeln. Im “Sirocco” , dem welthöchsten Restaurant, ist im 63. Stock und in 230 Metern Höhe von all dem Chaos nichts zu spüren. Während sich die Sonne langsam über den Dächern Bangkoks absenkt, nippen die Gäste in der Skybar an ihren Cocktails, natürlich nicht ohne Selfies vor dem atemberaubenden Panorama. Eine Selbstfindung der ganz anderen Art.

Reiseziel:

Die Provinz Loei liegt an der Nordgrenze von Thailand zu Laos. Sie wird zum Isan gezählt, einer touristisch noch weitgehend unbekannten Region mit einem Einblick in eines der letzten ursprünglich erhaltenen Naturareale des Landes.

Unterkunft: In Loei warten im Chachanat Woodland Resort rustikale Holzhäuser mit überraschendem Komfort mitten im Wald. Über 300 verschiedenen Sorten von Orchideen und eine Hängematte verlocken in vollkommener Ruhe und angenehmem Klima.

Wer in Bangkok ein preisgünstiges und verkehrsgünstig gelegenes Stadthotel sucht, ist im “Hotel de Bangkok” gut aufgehoben. Modern und ordentlich eingerichtete Doppelzimmer überzeugen mit kostenlosem WiFi und gut erreichbarer Nähe zu Skytrain und U-Bahn.

Wie hinkommen?

Das Star Alliance Gründungsmitglied Thai Airways International bietet insgesamt 20 wöchentliche Nonstop-Flüge ab Deutschland nach Bangkok an. Ab Frankfurt fliegt die Airline bis zu 13 Mal pro Woche, ab München täglich zur Hauptstadt Thailands. Ihr Streckennetz umfasst neben Bangkok zehn weitere innerthailändische Ziele und insgesamt mehr als 70 Destinationen in 35 Ländern auf fünf Kontinenten, darunter alle zentralen Ziele im Asien-Pazifik-Raum. Auf dem täglichen Flug TG 921ab Frankfurt setzt die vielfach preisgekrönte Fluggesellschaft einen A380 ein. www.thaiair.de oder unter Tel.-Nr. 069 / 92 87 44 44 buchbar.

Allgemeine Informationen zur Destination Thailand gibt es beim Thailändischen Fremdenverkehrsamt, Bethmannstraße 58, 50311 Frankfurt, Tel.: 069/1381390, info@thailandtourismus.de; www.thailandtourismus.de.