Bettina Böttinger – “Menschen das Gefühl geben, dass sie nicht allein gelassen werden”

WDR Fernsehen B. SUCHT, "Kriegswunden", Eine vierteilige Reportage mit Bettina Böttinger, am Donnerstag (14.08.14) um 22:00 Uhr. Bettina Böttinger mit Helma Freese (r) vor einem Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Helma Freese ist ein Kriegskind, die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg lassen sie nicht los. © WDR/Encanto, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Encanto" (S2). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de

Bettina Böttinger mit Helma Freese (r) vor einem Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Helma Freese ist ein Kriegskind, die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg lassen sie nicht los    © WDR/Encanto

Wir kennen sie als freundliche Gastgeberin der Talksendung „Kölner Treff“ und “west.art Talk”   im WDR Fernsehen. Für ihr Format „B.sucht“ hat Bettina Böttinger nun das Fernsehstudio verlassen und Menschen getroffen, die eine besondere Geschichte zu erzählen haben.

So trifft Böttinger in der vierteiligen Sendung, die ab 24.07.14 um 22Uhr im WDR ausgestrahlt wird, Menschen, die dringend auf ein Spenderorgan angewiesen sind. Menschen, die psychisch krank sind oder ihre Krankheit nach langwierigen Therapien überwunden haben und Menschen, die Kriege am eigenen Leib erlebt haben und bis heute mit den körperlichen und seelischen Wunden zu kämpfen haben. In der Sendung spielen auch Gärten eine besondere Rolle. Für ihre Besitzer sind sie ein Ort, an dem sie ihre Seele baumeln lassen können. Wie die Talkmasterin zu diesem TV Konzept kam, verriet sie Gazelle Autorin Anne Moll.

 

 

 

Frau Böttinger, man kennt Sie als gut gelaunte Talkerin aus dem Fernsehen.Talken werden Sie auch in Ihrem TV Format B.sucht. Da geht es aber nicht ausschließlich um die schönen Seiten des Lebens. Warum möchten Sie Ihren Zuschauern diese harte Kost servieren?
Es geht mir und dem Team bei „B.sucht“ um das intensive Erleben, um besser verstehen zu können. Fernseh-Unterhaltung ist nicht nur Lachen. Eine junge Frau zu begleiten, die mit Sauerstoff-Gerät ins Kino geht, um sich abzulenken, einfach einen spannenden Abend zu erleben und nicht nur daran zu denken, dass dringend eine neue Lunge her muss, weil sie ansonsten ihre letzten Monate zählen kann – da bin ich als Reporterin, da ist der Zuschauer ganz nah dran.

 
Warum haben Sie sich ein neues Format für Ihre Sendung ausgedacht? Sie hätten die Menschen, die Sie besucht haben doch auch in Ihre Sendung einladen können.
Wenn ich einen Menschen zuhause besuche, gehe ich zu ihm. Klingt sehr schlicht, meint aber, dass ich die Augenhöhe suche, das persönliche Umfeld, vielleicht kann man sogar von einer Sicherheitszone sprechen. Der/die Besuchte hat den Heimvorteil und kann so auch über sehr persönliche Erfahrungen unbefangener sprechen. Ein Fernsehstudio bleibt immer ein künstlicher Raum, auch wenn wir uns im “Kölner Treff” bemühen, eine lockere, unaufgeregte Atmosphäre zu schaffen.

 
Sie treffen während der Dreharbeiten Menschen, die vielleicht schon bald nicht mehr leben werden, nimmt Sie da jedes Schicksal auch persönlich mit, oder können Sie da genau zwischen Job und Privatleben unterscheiden?
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich die Begegnungen stark mitnehmen. Nach acht Stunden in einem Gefängnis war ich ausgelaugt und leer, es waren sehr intensive Gespräche. Gleichzeitig macht das aber den Reiz aus, und wir setzen ja auch auf leichtere Themen, in diesem Jahr zum Beispiel durch die Folge: Gartenglück.

 
Zu einem Psychologen zu gehen kostet viele Menschen immer noch Überwindung. Hoffen Sie mit Ihrer Berichterstattung auch Menschen zu ermutigen, die vielleicht depressiv zu Hause sitzen und sich – aus welchem Grund auch immer – nicht trauen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen?
In der ersten Staffel von “B.sucht”  im vergangenen Jahr hat beispielsweise die Folge um Transidentität und Transsexualität hohe Wellen geschlagen, viele Betroffene haben sich gemeldet. Diese Reportage war Aufklärung und ein Aufruf zur Toleranz. Fernsehen kann Menschen das Gefühl geben, dass sie nicht allein gelassen werden von der Gesellschaft.

 
Vielen Dank Frau Böttinger für das Interview.

 

Sendetermine im WDR:

Donnerstag, 24. Juli 2014, 22 Uhr, „B.sucht – Letzte Hoffnung Organspende“

Donnerstag, 31. Juli 2014, 22 Uhr, „B.sucht – Wenn die Seele verrückt spielt“

Donnerstag, 7. August 2014, 22 Uhr, „B.sucht – Gartenglück“

Donnerstag, 14. August 2014, 22 Uhr, „B.sucht – Kriegswunden“