Premium, made in USA

Von Solveig Grewe

 

 

Der Cadillac CTS will seine amerikanischen Gene nicht verbergen.

Der Cadillac CTS will seine amerikanischen Gene nicht verbergen.

Elvis Presley fuhr einen in pink, Marylin Monroes erster war schwarz und Barack Obamas heißt „The Beast“. Die Marke Cadillac gilt bis heute als Inbegriff eines amerikanischen Traumautos. Längst denkt man dabei aber nicht mehr an Landschaften aus Blech und an mächtige Heckflossen, eher an stattliche und noble Karosserien mit viel Komfort. Doch in Deutschland verkaufte die zu GM gehörende Marke im letzten Jahr gerade mal 183 Autos. Das soll jetzt anders werden. Mit dem neuen CTS will Cadillac den deutschen Premium-Marken Käufer abringen.

 

Das Heck ist betont wuchtig, die Front elegant gezeichnet

In ihrer dritten Generation zeigt die auf knapp 5 Meter gewachsene Limousine mit ihrem mächtigen, typisch amerikanischen Kühlergrill und vertikal verlaufenden Scheinwerfern und Rückleuchten eine ganz eigenständige Optik. Das Heck ist betont wuchtig, die Front gleichermaßen elegant gezeichnet. Im Inneren gibt es ohne einen extra Order hochwertiges und liebevoll vernähtes Leder und erfreulich wenig Plastik. Statt dessen vermitteln geschmackvolle Holzintarsien und Metallapplikationen Loungeatmosphäre. Für die maximal fünf Passagiere gibt es zwar auf dem Papier mehr Platz als im Vorgänger, gefühlt aber weniger, als die Außenabmessungen des CTS es erwarten lassen.

 

Das Infotainmentsystem vermittelt magische Momente

Der Fahrer kann auf Wunsch mit zwei Displays P1250275kommunizieren: Ein 12,3 Zoll großer Bildschirm dient als Instrumententafel, sein Design lässt sich über vier Layouts nach Lust und Laune unterschiedlich gestalten. Ein acht Zentimeter großer Bildschirm verschafft beim Zugriff auf das Infotainmentsystem magische Momente. Es funktioniert über einen Annäherungssensor, der über Gesten gesteuert wird. Wie von Zauberhand lassen sich über Touchscreen zum Beispiel das Handschuhfach öffnen oder das Gebläse hochfahren. Das funktioniert mal gut, mal weniger gut und oft leider mit Verzögerung.

Die Assistenten an Bord dürfen warnen und lenken, aber nicht bremsen

Zurückhaltend sind die Amerikanern bei ihren Assistenten. Da wird bei querendem Verkehr oder bei zu dichtem Auffahren im Sitz des Fahrers gerüttelt, was das Zeug hält, aber bremsen darf der CTS nicht. Der Parkautomatik lenkt das Fahrzeug zielgerichtet in die Lücke, die Feinarbeit über Bremse und Gaspedal bleibt beim Fahrer  P1250233hängen. Cadillac bietet den CTS in Deutschland ausschließlich mit einem Zweiliter Vierzylinder mit Turboaufladung und Direkteinspritzung an. Mit 276 PS und einem ordentlichen Drehmoment von 400 Newtonmeter lässt sich das amerikanische Auto überraschend sportlich über die Straße jagen. Das bei anderen Herstellern aus der Oberklasse bekannte dynamische Dämpfersystem, das Bodenwellen erahnt und das Fahrwerk anpasst, bevor der Fahrgast sie spüren muss, ist beim CTS Serie.

An einem sparsameren Selbstzünder wird in Detroit noch gearbeitet

Per Sechsgangautomatik wird die Kraft nach hinten geschafft, eine Allradversion gibt es auch. Den Spurt von 0 auf 100 km/h erledigt der CTS in 6,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 240 km/h. Als Normverbrauch gibt Cadillac 8,5 Liter je 100 Kilometer an, letztendlich waren es nach ausgiebigen Testfahrten im bergigen Hinterland von Marseille 11,2 Liter. Beruhigend zu wissen, dass man in Detroit an einem Selbstzünder arbeitet. Für die Einstiegsvariante des CTS rufen die Amerikaner 49 500 Euro auf. Ein fairer Preis für Premium, made in USA.

Cadillac CTS, 2,0 Liter Vierzylinder Benziner, 276 PS, Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h, Beschleunigung: 6,6 sec., Verbrauch: 8,5 Liter, Preis: ab 49 500 Euro