“Frauen haben diesen Luxus nicht”

Autorin Felicitas Pommering (c)Julia Teine

Autorin Felicitas Pommering (c)Julia Teine

Drei Frauen mitten in der Rushour des Lebens – mit einer Menge Baustellen. Da kommt mensch nicht umher Entscheidungen zu treffen. Autorin und Medienwissenschaftlerin Felicitas Pommering widmet sich in ihrem Debütroman einer Generation, die man heute als die Was-will-ich-eigentlich-Generation bezeichnen könnte. Gazelle sprach mit der Romanautorin.

In deinem frisch erschienen Buch “Was will ich und wenn ja, wie viele?” geht es um die 30sometings und deren Wunsch am liebsten alles auf einmal haben zu wollen. Kinder, Karriere, Partnerschaft. Warum dieses Thema für deinen ersten Roman?
Ich habe einfach in meinem Umfeld mitbekommen, dass dieses Thema sehr viele Frauen beschäftigt. Sie überlegen generell: Habe ich den richtigen Partner? Habe ich den richtigen Job? Und wenn man dann anfängt, über Kinder nachzudenken, hat man schnell das Gefühl, das Leben jetzt mal in die Hand nehmen zu müssen – man will die Dinge so hinbiegen, dass es passt. Oder man hat zumindest das Gefühl, darüber nachdenken zu müssen, wie man es findet, wenn es nicht passt. Damit beschäftigen sich fast alle Frauen, die es sich leisten können, darüber nachzudenken.

 

Wie erklärst Du dir die Überforderung dieser Generation?
Naja, eigentlich erwächst das aus etwas Positivem: aus den vielen Möglichkeiten, die wir jetzt haben. Da will man keine Möglichkeit verpassen, am liebsten will man alles haben oder wenigstens mal ausprobieren. Das Problem mit Anfang 30 ist, dass man langsam das Gefühl bekommt, nicht mehr ewig nur ausprobieren zu können, langsam muss man sich entscheiden. Und dann will man sich natürlich nicht falsch entscheiden – daher der Druck, die Überforderung… wobei ich das nicht Überforderung nennen würde. Das Gefühl ist eher leiser, im Hintergrund, wie eine leichte Unruhe, die einen nicht loslässt.

 

Im Vordergrund stehen drei Frauen. Glaubst Du, dass die Männer im gleichen Alter weniger Entscheidungsschwierigkeiten haben?
Ja, das glaube ich schon. Sie haben es immer noch leichter – und das wird immer so sein, solange die Frau schwanger wird, das Kind bekommt und das ganze Brumborium danach durchlebt. Und auch unabhängig von diesen konkreten Schritten geht man ja viel entspannter durchs Leben, wenn man weiß: Ich kann später immernoch alles anders machen. Frauen haben diesen Luxus nicht. Ihr Zeitfenster, in dem sie sich entscheiden müssen, ist viel kleiner. Und wenn sie die perfekte Balance aus ALLEM probieren ist auch das – da kann die ZEIT schreiben, was sie will – für Frauen immernoch viel, viel schwieriger, als für Männer.

 

Hast Du schon eine Idee für dein nächstes Buch?
Ja, das nächste Buch ist schon in der Mache! Es wird eine Liebesgeschichte: Zwei platonische Freunde, die wunderbar zusammen passen, sich aber gegenseitig nicht anziehend finden, entscheiden, zusammen ein Kind zu bekommen. Diese Entscheidung stößt etwas an … und plötzlich stehen sie anders zueinander, als vorher… Das wird also ein ganz romantisches Buch, aber natürlich auch mit einer starken Frauenfigur.

 

Wir sind gespannt. Gibt es noch etwas, was Du den vielen Gazellen da draußen mit auf den Weg geben möchtest?
Das, was auch die Essenz meines Buches ist: Macht, was auch glücklich macht! Nicht das, was von außen an euch herangetragen wird.

 

 

Felicitas-Pommerening-Was-will-ich-und-wenn-ja-wie-viele_berliner VerlagFelicitas Pommerening
Was will ich und wenn ja, wie viele?
Ein Entscheidungsroman
Berlin Verlag, 224 Seiten
€ 9,99 [D]

 

 

 

 

Wer Lust bekommen hat eine Lesung der Autorin zu besuchen, findet ihre aktuellen Termine hier.