BUCHTIPPS: “Osama bin Laden schläft bei den Fischen” & “Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine”

Osama bin Laden schläft bei den Fischen/ Herder Verlag

Osama bin Laden schläft bei den Fischen/ Herder Verlag

Osama bin Laden schläft bei den Fischen

Milad Karimi bewegt sich sein ganzes Leben zwischen scheinbar unvereinbaren Polen: westliche Populärkultur und islamische Geistesgeschichte, die Übersetzung des Koran und gleichzeitig eine Doktorarbeit über Hegel, eine besondere Vorliebe für Mafia-Filme und die persische Mystik, eine Kindheit in der afghanischen Oberschicht und das Leben als illegaler Flüchtling in einem Moskauer Plattenbau, die Ankunft in einem Asylantenheim in der deutschen Provinz und die Berufung als Professor an eine der angesehensten Universitäten dieses Landes. Für Milad Karimi gehört das alles zusammen. Er zeigt in seinem autobiografischen Buch, wie aus den kulturellen und konfessionellen Grenzüberschreitungen ganz Neues entsteht, wie Vielfalt bereichert und »Heimat« nicht an nur einen Ort gebunden sein muss. Ein furioses literarisches Roadmovie, klug, witzig, authentisch, zum Denken anregend.

Ahmad Milad Karimi
Osama bin Laden schläft bei den Fischen
Warum ich gerne Muslim bin und wieso Marlon Brando viel damit zu tun hat
Herder Verlag, 192 Seiten
€ 17,99

 

 

Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine/Kunstmann Verlag

Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine/ Kunstmann Verlag

Lieber Picass, wo bleiben meine Harlekine

»Können Sie nachweisen, dass Ihre Großeltern Franzosen waren?« Diese irritierende Frage auf einem französischen Passamt konfrontiert die in den USA geborene Anne Sinclair unerwartet mit ihrer Familiengeschichte. Anlass genug, den Spuren ihres berühmten Großvaters nachzugehen: des jüdischen Galeristen Paul Rosenberg, der zu den bedeutendsten Kunsthändlern des 20. Jahrhunderts zählt. 1910 gründet Paul Rosenberg seine Galerie in der Rue La Boétie, die bald mit Einzelausstellungen von Picasso, Braque, Léger, Matisse u.v.a. Aufsehen erregt. Zu den Künstlern unterhält der leidenschaftliche Kenner, der »seine Bilder liebt wie lebendige Wesen«, enge persönliche Beziehungen: Pablo Picasso wohnt im Haus nebenan und malt mehrere Porträts der Familie Rosenberg. Paul vertritt ihn bis 1940 exklusiv, ebenso wie Matisse und Braque, dessen Gemälde er vor den Nazis zu retten versucht. Der Einmarsch der Deutschen zwingt Paul Rosenberg zur Flucht in die USA; sein Haus wird geplündert, die Galerie zu einem Zentrum antisemitischer Hetzpropaganda umfunktioniert. Nach der Rückkehr 1945 wird der Wegbereiter der modernen Malerei jahrelang um die Rückgabe von über 400 gestohlenen Gemälden kämpfen müssen. Anne Sinclair hat das Familienarchiv geöffnet und zeichnet aus akribischer Recherche und eigenen Erinnerungen das erste authentische, berührende Porträt des bedeutenden Kunsthändlers und leidenschaftlichen Förderers der Moderne.

Anne Sinclair
Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine?
Mein Großvater, der Kunsthändler Paul Rosenberg
Kunstmann Verlag, 208 Seiten
€ 19,95