Teurer Kaffeeklub – Frauenquote für Aufsichtsräte

Frauenquote (c)girl-got-skillz

Frauenquote (c)girl-got-skillz

Von Danica Bensmail

Langsam geht es voran in den Koalitionsverhandlungen zwischen den Christ-  und Sozialdemokraten. Ob Mindestlohn, Homo-Ehe oder Mautgebühr. Für Schwarz-Rot scheint eine Einigung nur mit Mühe möglich. In der Frage um die Frauenquote haben sich CDU und SPD zu einem ersten Ergebnis durchgerungen: Frau darf offiziell ein kleines Stück vom Kuchen.

 

Ab 2016 müssen Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent aufweisen. In kalten, harten Zahlen bedeutet die Frauenquote Jobs für genau 258 zukünftige Aufsichtsrätinnen.
Oder anders: neue Jobs für 0,0006 Prozent der 41,6 Millionen in Deutschland lebenden Frauen. Diese müssen bis 2016 aber noch gefunden werden.

Geht es nach BjU-Chefin Lencke Wischhusen ist das kein Problem. Unternehmen seien darauf bedacht, die besten Leute zu bekommen, sagte sie der taz im Interview. In Schule und Uni seien Frauen zudem erfolgreicher als ihre männlichen Kommilitonen. Das spiegele sich auch in der Einstellungspolitik der Unternehmen wider. Eine Frauenquote sei demzufolge diskriminierend und unnötig.

Viviane Reding, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, sieht das anders. Zwar seien 60 Prozent der Hochschulabsolventen Frauen, die Aufsichtsräte bestünden jedoch zu 83 Prozent aus Männern. „Irgendwas läuft schief“, sagt Reding. Scheinbar angeregt von den Diskussionen in Deutschland will das EU-Parlament bis 2020 nun auch eine Frauenquote durchsetzen. Diese soll die deutsche Quote sogar um weitere 10 Prozentpunkte übertreffen. Bereits am vergangenen Mittwoch stimmten EU-Parlamentarier für einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission.
In Skandinavien kann darüber allenfalls müde gelächelt werden. Finnland, Lettland und Schweden haben aktuell den höchsten Frauenanteil in den größten börsennotierten Unternehmen in der Europäischen Union. Dort beschäftigt niemand unter 26 Prozent Frauen. Und das nicht in den Aufsichtsräten, sondern im Vorstand.

Ansgar Gabrielsen, der sogenannte „Vater der Frauenquote“ und ehemalige Wirtschaftsminister Norwegens, führte eine ähnliche Quote bereits 2002 ein. Die Genderquote, die in beide Richtungen wirkt, legt fest, dass nie mehr als 60 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder dem selben Geschlecht angehören dürfen. „Ich bin alles andere als ein Feminist“, sagt Gabrielsen und um Gerechtigkeit gehe es ihm bei der Festlegung der Quote auch nicht. Sollte es aber.
Die meine-zwei-cent Straßenumfrage zum Thema Frauenquote löste diese Woche rege Empörung aus – unter Frauen und Männern.

„Es kann nicht sein, dass systematisch das andere Geschlecht immer das Sagen hat“, sagt eine Frau. „Warum ist es nicht umgekehrt?“. „Lächerlich“ finden zwei junge Frauen die Entscheidung. Ein Mann bringt es im Vorbeigehen auf den Punkt. Er hält das Ergebnis der schwarz-roten Koalitionsverhandlung für „eine Alibi-Einigung.“
Wer regieren will, muss sich fügen. Ein Kompromiss ist oft besser als nichts. In ihrem Wahlprogramm lässt die SPD verlautbaren sie kämpfe für Frauen in Führungspositionen. Dies sei keine Frage von Kalkül und Wahlkämpfen, sondern von Haltung und Grundüberzeugungen. Beruhigend.

Doch von tatsächlicher Führung kann in diesem Fall nicht die Rede sein. Die Führung eines Unternehmens obliegt ausschlhießlich dem Vorstand. Weisungsungebunden kann dieser Einzelentscheidungen ohne Zustimmung des Aufsichtsrats treffen.

Der Aufsichtsrats fungiert als stiller Beobachter ohne Entscheidungsbefugnis. Als Kontrollinstanz überwacht und berät er den Vorstand. Ein teurer Kaffeeklub.
Durch eine Einschränkung auf Aufsichtsräte verliert die Quote an Gewicht. Frauen sollen partizipieren. Das ist nicht nur sozialdemokratisch, sondern entspricht auch dem Zeitgeist des aufgeklärten Westens. Zudem beruhigt es das Gewissen.

Kurzum: Frauen sollen partizipieren. Aber bitte nur dort, wo sie keinen vermeintlichen Schaden anrichten können.