“Respekt, egal in welcher Bade-Kleidung”

Für Auswahl ist gesorgt (c)Dressed to Swim

Für Auswahl ist gesorgt (c)Dressed to Swim

 

Das Leipziger Gericht hat entschieden: Muslimische Schülerinnen sind zum Schwimmunterricht verpflichtet. Der Burkini soll dabei die religiösen Bestimmungen ermöglichen. Im Schwimmalltag vieler Musliminnen im Burkini, gestaltet es sich hingegen seit Jahren schwieriger als gedacht. Mit der Geschäftsführerin von Dressed to Swimm, Nele Wied, sprach Gazelle über das Urteil, den Widerspruch und den Schwimmalltag in deutschen Bäderbetrieben.

 

 

Dressed to Swim Geschäftsführerin Nele Abdallah

Dressed to Swim Geschäftsführerin Nele Wied

 

Frau Abdallah, das Bundesverfassungsgericht hat sein Urteil gesprochen. Muslimische Mädchen, die einen religiösen Widerspruch an der Teilnahme am koedukativen Schwimmunterricht sehen, können sich nicht vom Schwimmunterricht befreien lassen. Wie stehen Sie zu der Klage und zum Urteil?
Als Juristin begrüße ich sowohl Klage als auch Urteil. Der Rechtsweg ist bei uns gewährleistet und darauf können wir stolz sein. Schade finde ich jedoch, dass durch die Berichterstattung zu solch exponierten Fällen ein verzerrtes Bild der Realitäten hierzulande geboten wird: Die große Mehrheit von Frauen und Mädchen muss nicht „zum Schwimmen gezwungen“ werden, empfindet es nicht als „Zumutung“. Vielmehr werden Frauen im Burqini® oder anderen bedeckenden Badeanzügen häufig von Bäderbetreibern an der Teilhabe an diesem Freizeitvergnügen ausgeschlossen.

Wie sind die Reaktionen in Ihrem Umfeld?
Die Reaktionen sind sehr positiv. Vielen Äußerungen ist gemeinsam, dass eine Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Druck auf ein Mädchen, dass nicht schwimmen möchte und dem mächtigen Druck auf die zahllosen Frauen, die eben das möchten: mitschwimmen und denen das verweigert wird.

 

Sie sind eine der Ersten, die den Burkini, in Deutschland eingeführt hat. Wie waren damals die Reaktionen auf diesen neuartigen Badeanzug?
Mein Unternehmen Dressed to swim war das erste, das bedeckende Bademoden in Deutschland vertrieben hat. Seit 2009 bin ich exklusive Vertriebspartnerin für ahiida™ Burqini® Swimwear. Diese Marke hat sich mittlerweile als Oberbegriff für die gesamte Branche etabliert. Die Reaktionen sind zum überwiegenden Teil positiv bis begeistert. Negativität kommt lediglich dann auf, wenn sich die „Kopftuchdebatte“ ins sportliche Geschehen mischt, wie es bei uns ja leider häufiger der Fall ist. Selbst der Burkini-Test der BILD ist im Ressort Politik. (lacht)
Auch die Freigabe bedeckender Bademode beim größten Badbetreiber Europas, den Berliner Bäder Betrieben, wurde nur auf politischen Druck hin zurückgezogen. Von den Badeanzügen an sich war das Fachpersonal nämlich beim Test vor Ort vollends überzeugt.

 

Gehören auch Nicht-Muslimas zu Ihren Kundinnen?
Ja, wir haben viele Nicht-Musliminnen als Kundinnen, gerade im Bereich der Dreiviertelanzüge. Diese bedecken die typischen Problemzonen Oberschenkel und Oberarme und zeigen kein Dekolletee. Diese weniger körperbetonte Passform ist attraktiv für ganz verschieden motivierte Frauen. Zusätzlich haben natürlich alle unsere Produkte einen zertifizierten Sonnenschutz von 50+. Das macht sie interessant für z.B. Sonnenallergikerinnen und Schnorchlerinnen jedweder Couleur. Nicht umsonst kommen unsere Badeanzüge aus Australien, die haben dort wegen der hohen UV-Belastung einfach andere Standards.

 

Wie erklären Sie sich, dass nun der Bukini kein Problem mehr in den Schwimmanstalten darstellt?
Wenn man sich die üblichen Gegenargumente, die ja auch von der Klägerin vorgebracht wurden, anschaut, so muss eine Sache zunächst ganz klar gestellt werden: Auf die Original Burkini® Badeanzüge treffen sie nicht zu. So ist beispielsweise die Wasserhygiene oder die Sicherheit für die Trägerin und andere in keiner Weise beeinträchtigt. Unsere Anzüge werden sorgfältig aus High-Performance Polyester gefertigt und halten sogar den gesteigerten Anforderungen für Rettungsschwimmerinnen stand. Über Geschmack lässt sich ja streiten, aber bei den vielen Passformen, Farben und Designs, die bei Dressed to swim im Angebot sind, findet eigentlich jede etwas. Vom „langen Schwarzen“ bis zum sportiven Outfit in Blau oder auch modisch in Pink versuchen wir alle Wünsche zu erfüllen.

Wichtig ist, dass sich jetzt nicht alle zufrieden zurücklehnen, weil ein Mädchen widerwillig schwimmen muss, sondern dass alle aufstehen und einfordern, dass all die, die schwimmen wollen, dies in funktionaler Schwimmkleidung auch dürfen! Der Burkini® ist ein Kleidungsstück, das ein Mehr an Entscheidungsfreiheit für Frauen bringen möchte.

 

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft im Schwimmalltag?
Die Münchner Bäder haben es sehr schön aufs Papier gebracht: Respekt, egal in welcher (Bade-)Kleidung.

 

Vielen Dank für das Interview, Nele Wied!