50 Jahre Koreaner in Deutschland – Lovestory auf Ruhr-Koreanisch!

Eltern von Martin Hyun in Krefeld

Eltern von Martin Hyun “Beim Anblick der Meereswellen muss ich an Dich denken und zähle die Tage, die ich wieder bei Dir bin.”

Ein Gastbeitrag von Martin Hyun.

Einwanderungsgeschichten gibt es viele in Deutschland. Sie werden nur viel zu selten erzählt. Die „Vereinbarung über ein Programm zur vorübergehenden Beschäftigung koreanischer Bergarbeiter im deutschen Steinkohlenbergbau“ jährt sich am 16. Dezember 1963 zum 50. Mal und markierte den Beginn der koreanischen Einwanderung nach Deutschland. Eine gute Gelegenheit eine dieser vielen spannenden und persönlichen Geschichten Raum zu geben. Der Autor Martin Hyun erzählt in seinem folgenden Beitrag die Liebesgeschichte seiner Eltern, die sich in ihrer neuen Heimat, dem Ruhrgebiet, kennen- und lieben lernten.

 

In der koreanischen Gemeinde in Nordrhein-Westfalen und vor allem unter den koreanischen Bergarbeitern, war Mutter als kontaktscheu und abweisend gegenüber männlichen Landsleuten bekannt. Irgendwann hatte ein koreanischer Kumpel meinem Vater von der koreanischen Krankenschwester in Krefeld erzählt. Das muss ihm wohl imponiert haben. Als die Arbeit Untertage getan war, setzte Vater sich in die Bahn von Oberhausen-Osterfeld und fuhr in Richtung Krefeld. In der Samt- und Seidenstadt angekommen, machte er sich sofort auf dem Weg zum Krankenhaus. Dort wartete Vater fast acht Stunden lang auf die koreanische Krankenschwester um sie nach ihrer Schicht abzupassen. Meine Mutter sah meinen wartenden Vater, doch würdigte sie ihm keines Blickes. Vater ging ihr nach, redete auf sie ein, doch Mutters Wohnungstür im Wohnheim schloss sich vor seiner Nase. Ihn ereilte das gleiche Schicksal, wie den zahlreichen anderen koreanischen Bergarbeiter, die es vergeblich versucht hatten. Im Grunde war Mutters Geste eine klare Absage an Vater. Doch er ließ sich nicht beirren. Seine Fahrt von Oberhausen nach Krefeld und sein fast achtsündiges Warten sollten sich lohnen. So blieb Vater demonstrativ vor der Eingangstür des Frauenwohnheimes stehen und gab koreanische Botschaften von sich. Und das so laut, dass das ganze Frauenwohnheim davon erfuhr. Merklich ärgerlich und um nicht negativ im Schwesternwohnheim aufzufallen ging Mutter, Vaters Bitte nach und ließ sich schließlich auf ein Gespräch ein. So lernte mein Vater, meine Mutter kennen. Mein Vater erzählt die Geschichte stets anders, wie meine Mutter. Nach Vaters heroischer Version war es so, dass Mutter ihm nachgelaufen sei. Doch nach Mutters Auffassung, war es Vater, der so hartnäckig war und sie angefleht habe, eine Beziehung einzugehen.

Wo Bände fürs Leben geschlossen wurden

Wo Bände fürs Leben geschlossen wurden

Von falschen Geschwistern und anderen Flunkereien
Die koreanischen Bergarbeiter waren sehr kreativ um die Herzen der koreanischen Krankenschwestern zu erobern. Die aufsehende Ordensschwester im Wohnheim, täuschten die Bergmänner damit, dass sie sich als „Bruder“ der koreanischen Krankenschwester ausgaben, wohlwissend, dass Einheimische unter den Asiaten nicht unterscheiden können. Es wurden lange Busreisen unternommen, bei der jeweils ein koreanischer Bergarbeiter, einen Zweisitzer besetzte, so dass die Krankenschwestern gezwungen waren, sich bei einem hinzusetzen. So entstanden viele Bündnisse fürs Leben.

Meine Mutter kam 1971 nach Deutschland. Zu dem Zeitpunkt hatte mein Vater, zwei der drei Jahre seines befristeten Arbeitsvertrages in der Zeche Osterfeld in Oberhausen erfüllt. Er dachte nicht an Rückkehr, sondern zu bleiben oder weiter nach Kanada zu ziehen. Doch durch Mutter änderte sich sein Plan und spätestens als wir drei Kinder zur Welt kamen.
Zufällig hatte ich einmal einen Liebesbrief gefunden, die Vater für Mutter verfasste und aus dem Jahr 1974 stammt.
„[…] Beim Anblick der Meereswellen muss ich an Dich denken und zähle die Tage, die ich wieder bei Dir bin. […] Bis zu meinem Tod werde ich Dir versprechen, bei Dir zu bleiben. Alles wird gut.“

Beide sind nun vier Jahrzehnte verheiratet. Eines steht fest. Mein Vater wird sein Versprechen an Mutter halten, komme was wolle.

 

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Deutsch-Koreanische Zeitung: kyoposhinmun.com