Islandpferdefieber in Berlin

Von Solveig Grewe

Nótt, ein Islandpferd zum Verlieben (c)Solveig Grewe

Nótt, ein Islandpferd zum Verlieben (c)Solveig Grewe

Tacketacke, Tacketacke. Im feinen Rhythmus klackern die Hufeisen der vier Islandpferde über die kurze Asphaltstrecke, auf der wir die Ställe und Weiden des Islandpferdegestüts Faxaból in der Nähe von Berlin hinter uns lassen. Der buschige braune Haarschopf vor meinen Augen nickt eifrig im Takt dazu, die kleinen Ohren drehen sich immer wieder in meine Richtung, als ob Nótt auf ein Kommando wartet. Nótt. Ein merkwürdiger Name für ein Pferd. Das ist isländisch und heißt Nacht. Wir tölten. Der Tölt ist einer der beiden zusätzlichen Gänge, den Mutter Natur den meisten Isis, wie sie liebevoll genannt werden, mit in die Wiege gelegt hat. Bei einem so genannten Naturtölter, zu denen Nótt ganz offensichtlich gehört, legt man einfach den vierten Gang ein. Das heißt, man sitzt schwer im Sattel ein, nimmt die Zügel ran und treibt kurz mit den Beinen. Dann geht es los. Stundenlang, wenn es sein muss. Der Vorteil : man wird im Tölt längst nicht so durchgeschüttelt wie im Trab oder Galopp.  „Das liegt daran, dass immer ein Fuß des Pferdes am Boden ist“, erklärt Bernhard Fliß, den wir ab jetzt Bernhard nennen. Pferdeleute duzen sich untereinander.

 

350 Islandpferde treffen sich zur Eröffnung der WM unter dem Brandenburger Tor

Bernhard ist Mitorganisator der diesjährigen Islandpferde-Weltmeisterschaft in Berlin. Er hat seine Pferde auf Faxaból  stehen, kennt sich als aktiver Reiter bestens mit Islandpferden und vor allen Dingen hier im Gelände aus. Die  Stille des Waldes wird vom Knacken der Äste und vom Prusten der Pferde untermalt. Wir atmen tief durch. Natur pur und es macht gar nichts, dass jetzt leichter Nieselregen einsetzt. „Echtes Islandwetter heute“, lacht Bernhard. Hoffentlich ist auf der Eröffnungsfeier zur WM am 4. August das Wetter wenigstens sonnig. Dreihundertfünfzig Islandpferde werden aus drei Himmelsrichtungen mitten in Berlin unter dem Brandenburger Tor aufeinander treffen. Das ist nur einer der vielen geplanten Höhepunkte des Rahmenprogramms der einwöchigen Veranstaltung, auf der die besten Islandpferdereiter aus neunzehn Nationen ihre Pferde und ihr Können demonstrieren werden, verrät Bernhard.

 

Auch bei Reitern hält das Essen Leib und Seele zusammen

Aber zurzeit beschäftigen ihn noch die Qualifikationsturniere, die alle Reiter durchlaufen müssen, bis es im Sommer dann soweit ist. Wieder zurück auf dem Hof erwartet uns ein isländisches Essen. Bernhards Frau Ulla und Julia Steinbjörnsen, die mit ihrem isländischen Ehemann Jon den Hof betreibt, haben gekocht. Es gibt selbst gebackenes dunkles Brot mit herrlicher Kruste, Lammbraten mit Kartoffeln und einer leckeren Sauce aus Pfefferkäse und Apfelsalat. Nur kurz streifen unsere Gespräche Genüsse der besonderen isländischen Art. Nicht jedermanns Sache dürfte der Fisch sein, der erst Monate lang in Sand verbuddelt wird, bevor er gegessen werden kann. Doch dann dreht sich erst einmal alles um die Fohlen, die erwartet werden, um die Herde von 140 Islandpferden weiter zu vergrößern. Doch dazu wäre besseres Wetter schon schön.

 

Der Ortstipp:
In den nordischen Botschaften zeigen zeitgenössische Künstler und Designer die Schönheit des Islandpferdes, das Teil der kulturellen Identität und lebendiger Inbegriff jahrhundertealter Traditionen ist. Mit sensationell schönen Fotografien! Der Eintritt ist frei.

16. – 2. Juli 2013

Nordische Botschaften Felleshus
Rauchstraße 1
10787 Berlin-Tiergarten
www.tolt-inspiration.com

Wer mal auf ein Islandpferd steigen möchte, kann auf dem Islandpferdehof Faxaból einzeln oder in Gruppen das Reiten lernen und in einem weitläufigen Ausreitgelände vertiefen.

Jon und Julia Steinbjörnsson
Nassenheider Chausee 38 a
16559 Liebenbwalde
webmaster@faxabol.de
www.faxabol.de

 

Karten für die Islandpferde WM in Berlin vom 4.-11.August 2013 gibt es hier:
www.berlin2013.de

Ach ja, und wer die isländischen Pferdenamen übersetzen will, findet hier schnelle Hilfe:
http://www.frodur.de/