„Sie soll immer durchgesetzt haben, was sie wollte“ – Eine Sisi Bewunderin aus Japan

Der letzte Tanz_FranziskusHartenstein_AnnemiekeVanDam © VBW_BrinkhoffMögenburg

Der letzte Tanz_FranziskusHartenstein_AnnemiekeVanDam © VBW_BrinkhoffMögenburg

Von Solveig Grewe

Neben Mozart ist sicherlich Sissi oder richtigerweise Sisi, wie die Kaiserin Elisabeth liebevoll genannt wird, die bekannteste Figur Österreichs. Ihre Lebensgeschichte begann als romantisches Märchen an der Seite des Monarchen und endete mit dem tragischen Tod durch die Hand eines politischen Attentäters. Gefangen in den Regeln des Hofes, kämpfte sie leidenschaftlich um Freiräume und persönliches Glück. Meist vergeblich. Die Tragik ihres Lebens führte weltweit zu einem wahren Sisihype, der in Film und Literatur intensiv gehegt wurde und der im letzten Jahr zu Sisis 100. Todestag weitere Höhepunkt gefunden hat.

 

Das Musical „Elisabeth“ ist Magnet für alle Sisi-Fans  

Kaori auf den Spuren von Sisi in Wien

Kaori auf den Spuren von Sisi in Wien

Wie die meisten Touristen will auch meine japanische Freundin Kaori, während ihrer Tour durch Europa, hier in Wien auf Spurensuche gehen. Nach einem Besuch des Schlosses Schönbrunn steht das Musical „Elisabeth“ auf ihrer Agenda. Die Aufführungen daheim in Japanisch und das Gastspiel der Vereinigten Bühnen von Wien in deutscher Sprache in Osaka haben die Zweiundzwanzigjährige schon länger in ihren Bann gezogen. Jetzt führt uns der Weg in das Raimund-Theater im 6. Bezirk in Wien. „Wann ich tanzen will und mit wem ich tanzen will, bestimme nur ich allein“, schmettert Sisi ihrem Publikum entgegen. In dem eng geschnürten Kleid und den üppigen dunklen Haaren glauben wir tatsächlich, die junge österreichische Kaiserin Elisabeth vor uns sehen. Jedenfalls die Elisabeth, die man sie von Bildern kennt.

 

Sisi’s  Eigenwilligkeit beeindruckt nicht nur Japaner 

Im voll besetzten Zuschauerraum verfolgt Kaori aufmerksam die Inszenierung. Leise summt sie die Melodien mit. In der Pause frage ich sie, was denn nun den Reiz von Sisi in Japan ausmacht. Sind es wirklich die schönen Kleider, die prächtigen Gemächer im Schloss und die angebliche Liebesheirat mit Franz Joseph, die im fernen Asien für soviel Sympathie sorgen? Kaori lächelt und schaut ein wenig verlegen. „Sie soll immer durchgesetzt haben, was sie wollte“ versucht sie, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Emanzipation scheint das Stichwort zu sein, Zündstoff in einem Land wie Japan, in dem  Traditionen und Fortschritt gerade im Leben von jungen Frauen einen ständigen Kampf führen. Da scheint  Elisabeths gesungenes Credo „Ich gehöre nur mir“ der jungen Japanerin  geradezu aus der Seele zu sprechen.

 

Sisi kämpfte um jedes Gramm zuviel   

Raumansicht Mythos Sisi ©Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Edgar Knaack

Raumansicht Mythos Sisi ©Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Edgar Knaack

Doch das aus Japan mit nach Österreich getragene Idealbild der österreichischen Kaiserin gewinnt für Kaori neue Facetten, als wir am nächsten Tag das Sisi-Museum und die Kaiserapartments in der Wiener Hofburg besuchen. Die lebensgroße Figur in einer Vitrine zeigt die „Traummaße“ von Sisi: 1,72 Meter groß, etwa 46 Kilogramm leicht und einen Taillenumfang von gerade mal 50 Zentimeter. Dazu fünf Kilogramm Haare auf dem Kopf, die bis zum Boden reichen. Sisi war zweifelsohne zu ihrer Zeit die schönste Frau Europas. Dafür tat sie viel, wie die Ausstellung erzählt. Regelmäßiger Sport, Gesichtsmasken mit rohem, collagenhaltigem Kalbfleisch und Bäder in warmem Olivenöl sollten für straffe und glatte Haut sorgen. Nachts umhüllten in Essig getränkte Tücher die kaiserlichen Hüften. Interessant, nachvollziehbar, aber völlig neu für Kaori.

 

 

Sisi war zu Lebzeiten keine Kaiserin der Herzen

Winterhalter Sisi ©Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.

Winterhalter Sisi ©Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.

Dass gemeinsame Abendmahlzeiten mit der Familie von Sisi gemieden wurden und wenn nicht, für die Kaiserin nur eigens gepresster Fleischsaft serviert werden durfte, scheint Kaori zunächst nicht zu verstehen. Bis wir zu den ausgestellten Kleidern gehen und erfahren, dass die junge Kaiserin sich morgens von einer Bediensteten die Kleider nicht überstreifen, sondern eng wie eine zweite Haut „auf den Körper“ nähen ließ. Im ersten Moment erinnert Kaori das an die umständliche Prozedur in ihrer Heimat, wenn sie sich von ihrer Mutter in den traditionellen Kimono einhüllen lässt. Doch dann sind wir uns sehr schnell einig, dass Sisi ganz offensichtlich unter einem extremen Schlankheitswahn litt.

Peinlich bedacht auf ihr Äußeres, liebte sie wohl ausschließlich sich selbst. Politik, ihr Volk und ihre Familie waren ihr eigentlich nicht wichtig. Charakterliche Eigenschaften, die ihren Auftritt in der Geschichte Österreichs weder als den einer Frauenrechtlerin noch etwa einer ‘Kaiserin der Herzen’ erscheinen lassen. Trotzdem geht von Sisi ein unbeschreiblicher Mythos aus, dem auch wir uns kaum entziehen können.

 

Der Ort-Tipp:

Ein typisches Wiener Cafehaus  ist das Cafe Museum in der Nähe von der Oper. Leider nicht ganz billig. Wenn man Glück hat, spielt gerade der Pianist. Ein reeller Preis sind 9,90 Euro für ein Menue. Dafür kann man eine Karotten-Krautsuppe und Tiroler Kalbsleber mit Apfel, Preiselbeeren und Braterdäpfel essen. Wer mag, nimmt anstatt der Suppe ein Stück Torte zu sich. Lecker!

Operngasse 7 – Karlsplatz
A-1010  Wien
Tel.: (01) 24 100-620
http://www.cafemuseum.at

Unterkunft:
Eine Stadt mal nicht von einem Hotel aus zu erkunden, sondern von einem Apartment aus zu starten, ist ideal. Wir wohnten in einem großzügigen und sehr modern eingerichteten City Apartment des Derag-Livinghotels, nur wenige Minuten von der Oper und der Ringstraße entfernt. Man kann zwischen Wohnungsgrößen von  43 qm bis zu 85 qm und bis zu drei Zimmern wählen. Eine  Küchenzeile lässt bei Bedarf keinen Wunsch offen und den Einkauf erledigt das Personal. Wenn man möchte.

Derag Living Hotel
City Apartments Kärntner Straße 44
Eingang Elisabethstraße 1
A – 1010 Wien
Telefon: + 43 5858ß590
info@dca-wien.at
www.dca-wien.at