“Schluss mit dem Kleid von der Stange”

Wer die Bonner Altstadt kennt weiß, dass sie nicht groß- und auch ziemlich unscheinbar ist. Sie hat trotzdem eine Menge zu bieten

Uniformen

Foto: Andreas Wosnitza

und das nicht nur Kneipentechnisch. Zwischen den endlosen Altbauten findet man einen kleinen Hof, der zum Frauenmuseum führt. Frauenmuseum, was da wohl ausgestellt wird? Das habe ich mich auch gefragt und das Museum darum einfach mal besucht. Was ich gesehen habe war alles andere als eine langweilige Ausstellung und Exponate aus der Steinzeit. Das Frauenmuseum hat nämlich, zugegebener Maßen wider Erwarten, mit Pepp und einer ganzen Menge an Überraschungen überzeugt.

 

1981 wurde das Frauenmuseum von der heutigen Direktorin Marianne Pitzen gegründet und es hat sich zum Ziel gemacht, Künstlerinnen zu fördern und deren Kunst in der Geschichte zu verankern. Aber nicht nur das ist eine wichtige Aufgabe, der das Museum nachkommt, es liegt den Macherinnen auch am Herzen, die Frauengeschichte nicht in der Versenkung verschwinden zu lassen und weibliche Vorbilder an die Oberfläche zu bringen. Eine wichtige Sache, denn wenn wir uns an den Geschichtsunterricht erinnern, an den letzten Besuch im Kunstmuseum oder an die großen zeitgeschichtlichen Vorbilder, fällt wahrscheinlich kaum jemandem eine Frau ein.

Bevor Marianne Pitzen das Frauenmuseum gründete, gab es weltweit keine vergleichbare Institution, heute ist das Museum international anerkannt und ist Sitz des 2012 gegründeten Verbandes International Association of Women’s Museums.

Das alles ist eigentlich schon Grund genug, beim nächsten Bonn-Besuch mal im Frauenmuseum vorbeizuschauen, aber es gibt noch mindestens ein besseres Argument. Einmal im Jahr veranstaltet das Frauenmuseum eine Modemesse, die „femme“.  In diesem Jahr präsentierten insgesamt 60 Designerinnen unter dem Motto „Schluss mit dem Kleid von der Stange – femme 3“ an drei Tagen ihre Kreationen. „Das ist für ein Museum völlig untypisch aber wiederum für Frauen der Gipfel“ sagte Marianne Pitzen über das Modeevent im Museum. Von Kunstkleidern bis alltagstauglicher Mode war wirklich alles dabei. Egal ob Schick, klassisch, sportlich-elegant oder total schrill, es gab für jeden Typ etwas zu entdecken und darauf, so sagte mir die Pressesprecherin des Frauenmuseums Dr. Klaudia Nebelin, legten die Macher der femme bei der Auswahl der Aussteller auch jedes Jahr besonders großen Wert.

Aber nicht nur für Modemacherinnen ist die femme eine tolle Plattform sich zu etablieren und zu präsentieren, denn den Schmuck und die Accessoires zum neuen Kleid, gab’s natürlich auch auf der Modemesse. Jeder Ring, jede Kette und jedes Armband ist ein Handgefertigtes Unikat und trotzdem nicht unbezahlbar für den durchschnitts-Bürger.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war sowohl für die Besucher als auch für die ausstellenden Designerinnen mit Sicherheit die Modenschau am Eröffnungstag. Eine bunte, gut gelaunte Show mit Catwalk und einer Front Row voller Presse, wie bei den ganz Großen.

 

Ganz besonders schön waren für mich die bunten Seidenschals von AZEZANA. Nicht nur schön anzusehen, auch die Geschichte dahinter hat mich fasziniert. AZEZANA, was für „Arzoe Zane Afghan“ steht und übersetzt „Die Hoffnung Afghanischer Frauen“ bedeutet, ist ein Unternehmen, das Witwen, Waisen und notleidenden Frauen in Afghanistan dabei hilft, den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Die Frauen können bei AZEZANA das traditionsreiche Handwerk der Seidenweberei erlernen, es wird ihnen eine schulische Ausbildung ermöglicht und sie werden medizinisch versorgt. Shaima Breshna gründete das soziale Unternehmen mit der Hoffnung, die afghanische Seidenindustrie wiederzubeleben und den ärmsten der Bevölkerung, den Frauen, eine Existenzgrundlage zu schaffen.

Alle Materialien, von Seide bis hin zu den Webstühlen werden in Afghanistan produziert, was bedeutet, dass das Unternehmen nicht nur den Angestellten Frauen hilft, sondern auch eine Unterstützung für lokale Seidenbauern oder Tischler ist.

 

Mit all ihren künstlerischen-, kreativen- und sozialen Aspekten, war die Modemesse femme 3 insgesamt ein sehr inspirierendes Erlebnis. Wirklich sehenswert, wirklich interessant und wirklich empfehlenswert.