Internationale Frauenfilmfastival Dortmund | Köln 2013

Fast live berichtet GAZELLE-Autorin Barbara Crombach vom IFFF in Dortmund.

Djeca – Children of Sarajewo von Aida Begić (2012)

Deutschland/Frankreich/Türkei/Bosnien-Herzegowina 2012, Spielfilm, 90’

Eine junge Frau in Sarajewo kämpft für sich und für ihren Bruder ums tägliche Überleben. Rahima ist 23 Jahre alt und ist in einem In-Lokal in Sarajewo angestellt. Sie und ihr Bruder, Nedim (14 Jahre) sind durch den Bürgerkrieg Waisenkinder und waren beide im Waisenheim. Doch Rahima will ihrem Bruder ein gutes Zuhause ermöglichen und schuftet täglich, teilweise sogar Doppelschichten für einen Hungerlohn. Rahima wird plötzlich zur Schule gerufen; ihr Bruder hat den Sohn des zukünftigen Ministers geschlagen und dessen iPhone kaputt gemacht. Die Lehrerin und der zukünftige Minister verlangen eine Entschuldigung und zudem den Ersatz des Handys. Außerdem erfährt Rahima, dass Nedim ständig die Schule schwänzt. Sie beginnt ihren Bruder zu
verfolgen um herauszubekommen, was er so treibt.

Der Film ist einerseits sehr bedrückend aber auch sehr beeindruckend. Rahima ist ständig unter Druck; sie arbeitet von morgens bis abends. Daheim führt sie ohne Hilfe den Haushalt, kocht wäscht und räumt ihrem Bruder die Sachen hinterher. Die Sorgen um ihn sind ihr deutlich anzusehen. Doch auf die Fragen ihrer Kollegen oder Freunde reagiert sie eher abweisend – sie will keine Hilfe oder kann sie nicht annehmen. Außerdem bedient sich Aida Begić einer sehr
nahen Kameraführung, wodurch die Zuschauer immer dicht bei ihr sind; so wird sogar ihre verspannte Kiefermuskulatur deutlich.

Durch gelegentliche Kriegsvideos werden die Erinnerungen an den Bürgerkrieg wieder fassbar. Es wird immer eindeutiger, dass sowohl Rahima als auch Nedim durch den Verlust ihrer Eltern und die Kriegserlebnisse noch immer traumatisiert sind. Die alltäglichen Szenen wechseln mit spannungsgeladenen Situationen.

Djeca – Children of Sarajewo wurde bereits 2012 auf dem Filmfestival in Cannes gezeigt und ausgezeichnet. Es ist eine Hommage an den Mut und die Willenskraft der jungen Rahima – stellvertretend für alle Kriegsopfer der Balkanregion.

Weitere Infos zum IFFF unter http://festivalblog.online-redakteure.com/2013/ oder auch unter http://www.frauenfilmfestival.eu/.