Sanft-mobil unterwegs in Südtirol

Reiten in Südtirol (c)Solveig Grewe

Reiten in Südtirol (c)Solveig Grewe

Von Solveig Grewe

Der Schnee knirscht harsch unter den Kufen. Die beiden Haflinger legen sich prustend ins Geschirr, sie haben heute schwer zu ziehen. In dem Schlitten sitzen acht in Jacken und Decken vermummte Fahrgäste. Nur langsam kriecht die Sonne an diesem Wintermorgen über die dreieinhalbtausend Meter hohen Berge, die den Weg von Pfelders hinaus zum Lazinser Hof säumen. Pfelders liegt in Südtirol, knappe 30 Kilometer südlich von Meran und schmiegt sich auf 1.624 Höhenmetern an die Texelgruppe. Es gehört zur Gemeinde Moos, eine der 28 „Perlen der Alpen“.

 

Das eigene Auto kann zu Hause bleiben
Das ist ein Zusammenschluss von Orten in sechs Alpenstaaten, die ihr kostbarstes Gut, die Natur, vor der Zerstörung durch ihre wichtigste Einnahmequelle, den Tourismus, schützen wollen. Wer hierhin mit der Bahn und dem Bus reist, macht nichts falsch, denn das Auto muss man in Pfelders ohnehin spätestens bei der Ankunft am Ortsschild stehen lassen. Gerade mal 200 Seelen leben hier. Zwischen den Holzhäusern duftet es nach Holzfeuer. Ab und dann hört man die derzeit eingestallten Kühe. Auf den autofreien Straßen pendeln ständig erdgasbetriebene Busse kostenlos zu den Skiliften. Sehr zur Freude der Kinder gibt es jetzt im Winter auch eine Bimmelbahn auf Rädern. Am besten für die ganz persönliche Ökobilanz ist natürlich ein Fußmarsch hinauf zum Ende des Tals, ein Ausritt auf einem der Haflinger oder eine Fahrt mit dem Pferdeschlitten. Der wird jetzt nach unserer Ankunft am letzten Hof in diesem Tal erst einmal neben der Remise geparkt.

 

Köstlichkeiten aus Südtirol (c)Solveig Grewe

Köstlichkeiten aus Südtirol (c)Solveig Grewe

Schneeschuhwandern mit Lawinensicherung
Während die Pferde zufrieden ihr Futter mampfen und die anderen Fahrgäste auf einen Kaffee im Gasthaus des Hofes verschwinden, stapfen Bergführer Karl und ich auf Schneeschuhen los. Zunächst ist das Laufen etwas ungewohnt, doch es fällt mir um jeden Meter leichter. Vor uns liegt jungfräulicher Schnee, von dem wir so wenig möglich zerstören wollen und bemühen uns, nur eine einzige Spur zur hinterlassen, auch weil das für mich weniger anstrengend ist. Karl kennt die Gegend hier oben wie seine Westentasche, er weiß, wo tückische Spalten unter der weißen Decke lauern und tastet sich dort vorsichtig mit seinen Stöcken vor. Mit Ernst aber auch einer Spur Beruhigung zeigt er mir dann den Inhalt seines Rucksacks. „Ein Lawinensuchgerät und eine Schaufel gehören bei jeder Winterwanderung zum Gepäck dazu“ erklärt er, „genauso wie ausreichend Proviant“. Für das nächste Mal weiß ich also Bescheid und für heute bin ich offensichtlich in besten Händen.

 

Tiefe Stille vor atemberaubenden Bergpanorama
Die Sonne hat jetzt ihren höchsten Stand erreicht und in ihrem Licht glitzern Millionen von Schneekristallen wie Diamanten. Längst haben wir die Spuren der Zivilisation hinter uns gelassen. Ich versuche, mit Karl mitzuhalten, der trotz seiner 78 Jahre einen flotten Schritt vorlegt. Vor der fast unwirklich schönen Kulisse der 3448 Meter „Hohen Wilden“ bei tiefblauem Himmel hält er inne. Stille umhüllt uns, ich höre Rauschen in meinen Ohren, sonst nichts. Ein Moment der Ruhe, der völligen Entspannung. Genau das habe ich gesucht und bin fündig geworden. Bevor die schnelle wieder schwindsüchtige Sonne ihr letzten wärmenden Strahlen einrollt, sind wir zurück am Lazinser Hof. Noch sitzen jung und alt, Einheimische und Touristen, auf den Bänken draußen und in der klaren Winterluft dampfen meine Knödel mit der Pasta am Nachbartisch um die Wette. Ein buntes Gemisch deutscher und italienischer Wortfetzen dringt an meine Ohren. Zumindest hier oben sind sich alle einig. Ein wunderschöner Tag vor einer atemberaubenden Kulisse geht langsam zu Ende.

 

Der-Ort-Tipp:
Mit dem Grünbodenexpress auf die Grünbodenhütte zwischen den Skipisten und auf der Terrasse bei Kaffee und Kuchen den Blick auf die Berge und die Sonne genießen.

Unterkunft:
Der Pfelderer Hof mit gemütlichen Zimmern, wohltuender Gastfreundschaft und einer ausgesprochen guten Südtiroler Küche (www.pfelders-pfeldererhof.it)

Pferdeschlittenfahrten und Reiten im Schnee bietet der „Reitstall Steinerhof“ an
Tel.: +390473646741

Allgemeine Informationen
Tourismusverein Passeiertal
Passeirer Str. 40 · 39015 St. Leonhard in Passeier
tel +39 0473 656188 · fax +39 0473 656624
info@passeiertal.it · www.passeiertal.it

www.alpine-pearls.com