„Mama, warum hast du mich nicht mit Locken gemacht?”

Das "Fragen fragen Heft" von Nadia Doukali

Das “Fragen fragen Heft” von Nadia Doukali

Was tun, wenn Mama, Papa, Oma oder Opa auf die Antwort der Kleinen mal auf Anhieb keine Antwort parat haben? Vergessen? Nein, dachte sich die Frankfurter Kinderbuchautorin Nadia Doukali und entwickelte das “Fragen fragen Heft”. Was es mit der neuesten Publikation der Autorin auf sich hat, hat sie Gazelle verraten.

 

Nach deinen Kinderbüchern “Krebsfänger” und “Muhammad, Prophet des Friedens” ist nun das “Fragen fragen Heft” von Dir erschienen. Was ist das und wer ist die Zielgruppe?
Das “Fragen fragen” Heft ist ein kleines Booklet, das die kleinen und großen Kinder mit sich rumtragen können und immer wenn ihnen ein Geistesblitz in Form einer Frage in den Sinn kommt, und weit und breit kein Erwachsener da ist, der die Frage beantworten könnte, einfach keinen Nerv hat oder keine Antwort parat, packt das Kind selbstbewusst das Heft aus, schreibt seine Frage rein und setzt dem Erwachsenen ein Zeitlimit bis wann dieser antworten kann. Somit geht keine Frage verloren und die Erwachsenen brauchen kein schlechtes Gewissen haben, weil keine Zeit, keine Ruhe, keine Antwort, nicht anwesend usw. Zudem ist es ein tolles Erinnerungsheft. Man kann die Hefte sobald sie voll sind sammeln. Kann sich leichter an eine bestimmte Zeit und Frage erinnern, wenn man zum Beispiel mit 15 das Heft rausholt, welches mit 7 ausgefüllt wurde und dann wieder daran erinnert wird – Ah ja! Da war Papa in Miami und hat mir auf meine Frage geantwortet. Der Mensch assoziiert sofort ein Gefühl, eine Situation, einen Geruch alles Emotionale aus dem vergangenen Moment. Alles kommt wieder hoch – das bekommst du mit Whatsapp, SMS oder Facebook nicht hin. Das geht nur über die Handschrift!  Rechtschreibung und Schönschrift ist hier nebensächlich. 

Das “Fragen fragen!” Hefte ist für alle Kinder gemacht, die schon schreiben können und natürlich auch für Kinder, die noch nicht schreiben können. Diese nehmen die Hefte und lassen sich von jemandem der schreiben kann, die Fragen einfach eintragen. Ob im Kindergarten, auf dem Spielplatz oder beim Wochenendbesuch bei Oma, Opa, Papa, Mama, Onkel, Tante, Freund usw. Für mich ist wichtig, dass die Kinder wahr- und ernstgenommen werden. Sich nicht mit gesellschaftlichen Normen beschäftigen müssen, sondern ihre Kindheit leben können! In der Welt der Kinder ist es egal, ob sie in einer Vater-Mutter-Bruder Konstellation leben, oder in einer Vater- Vater-Kind Familie oder einer Vater-Vater-Mutter-Mutter-Bruder-Schwester-neuer Bruder von Vater 1, Schwester von Mutter 2 usw. Wichtig ist ihnen nur, dass sie geliebt werden. 

 

Wie bist Du auf die Idee gekommen so etwas zu entwickeln?
Bei einer U-Bahn Fahrt. Wie viele wissen, bin ich leidenschaftliche U-Bahn Fahrerin und beobachte so gerne meine Mitmenschen. Bei einer dieser Fahrten erlebte ich ein kleines Mädchen, das singend und tanzend von einem Sitz zum anderen hüpfte und alle paar Sekunden Fragen stellte. Ihre Mutter saß mit ihr dort und nickte immer nur, oder antwortete „Weiß ich nicht. Später, nicht jetzt“ oder „Frag Papa“. In diesem Moment kam die Idee zum „Fragen fragen Heft“.

 

Kinderbuchautorin Nadia Doukali

Kinderbuchautorin Nadia Doukali

Wie war das bei Dir? Du selbst bist alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen.
Du meinst mit den Fragen? Oh ja, das war immer spannend. Auf viele Fragen kann man ja aus dem Stegreif antworten. Es ist nur sehr schwer auch wirklich eine Antwort zu geben, die das Kind nicht beeinflusst. Da hab ich mir manchmal schon mehr Zeit zum Antworten gewünscht. 

 

Was sagen deine Kinder zum “Fragen fragen Heft”?
Oh! Die finden es toll. Mein Jüngster, der mitten in der Pubertät steckt, hat gesagt, dass er sich so ein Heft zu seiner Fragen-Zeit gewünscht hätte. Es ist ja nicht zu spät und auch große Kinder haben Fragen. Andere, tiefer gehende Fragen, aber sie sind da und deshalb liegen in den Zimmern meiner Jungs „Die Oma, Opa, Papa, Mama fragen Hefte“.

 

Hast Du schon die ersten Rückmeldungen von deinen Kunden?
Von den Kindern kommt ein großes “Ja! Endlich!”. Die Väter sind etwas verzweifelt, die meisten Väter sind ganz froh, wenn sie sich den Antworten entziehen können. Jetzt müssen sie sich Gedanken machen und diese auch noch mit Hand schreiben. Nicht alle Vater verzweifeln daran, aber viele – sie sind eher der technische Typ (Google, App etc.) im Antworten.

und die Mütter sagen, dass sie endlich ein Licht am Ende des Tunnels sehen.  Mir kommen noch ein bisschen die Großeltern zu kurz. Dann ist noch der Wunsch nach, Onkel, Tante, Bruder, Schwester fragen aufgekommen. Sven Gabriel, mein Layouter, Illustrator, kreativer Partner und Freund sind schon dabei, diesen Wunsch zu erfüllen. Aber erstmal kommt die Webseite dran, wo es auch vieles zu entdecken geben wird.

 

Gibt es eine Frage deiner Kinder, die Dir bis heute in Erinnerung geblieben ist?
Mama warum hast du mich nicht mit Locken gemacht?” , fragte mein Jüngster, als er irgendwann merkte, dass seine Haare glatt sind und meine lockig.

 

Als Kinderbuchautorin möchten wir Dich gerne auch auf die kürzlich entfachte Debatte über rassistische Begriffe in Kinderbüchern befragen. Was denkst Du darüber und woran krankt deiner Meinung nach die Diskussion?
No comment! Nur Spaß… Ich frage mich, wie es überhaupt zu dieser Debatte kommen konnte. Ich halte sie für eine der am beschämendsten geführten Debatten, die es seit langem gab. In der wie immer keine Lösung aufkam sondern nur noch verbrannte Erde hinterlassen wurde. Ich meine, es geht um einen rassistischen Ausdruck, der aus der Sprache verbannt werden sollte. Es setzt sich ein Kinderbuchautor (Ottfried Preussler), der angeschrieben wurde, selbst dafür ein. Man wird gezwungen darüber nachzudenken, warum Rassismus in jeglicher Form überhaupt noch existiert usw. Warum muss man da so ein riesen Fass aufmachen, das zum Teil völlig an der Problematik vorbei ging? Das Ergebnis war, dass sich jeder zu Wort melden wollte um seinen Senf dazu zugeben und da ging es einigen nicht um Rassismus sondern darum Recht zu behalten. Und jetzt? Jetzt ist das Thema wieder out, aber Kinder, die anders aussehen oder anders leben, wie die von der Gesellschaft aufgestellte Norm, werden immer noch oder jetzt erst Recht, verletzt. 

Mein Kind soll kein Wort in den Mund nehmen, das ein anderes Kind auf dem Schulhof oder im Kindergarten verletzen kann. 
Ich habe schwarze Freunde und Familienmitglieder. Einige haben weiße Mütter, Frauen oder Männer und Kindern in den schönsten Hauttönen. Da fallen solche Worte nicht! Mein Kind soll wissen, dass es schön ist anderes zu sein. Dazu gehören auch Sätze, wie “Du Behinderter, Du Schlampe, Du Schwuchtel, Scheiß Jude, Drecksaaraber“ usw. Im übrigen finde ich deutschen Mitbürgern gegenüber – nur weil sie sich über die Treppenhausordnung beschwert haben – “Scheiß Nazi oder Hitler-Junge!” zuzurufen, genauso schlimm.
Watch Your Language! Was du als Erwachsener in deinen Reihen ablässt, dafür trägst du selbst die Verantwortung, aber ein Kind nimmt die Sprache auf und weiß nur: “Oh cool, damit kann ich jemanden auf die Palme bringen!” Wenn man den Kindern von klein auf erklärt, dass man den anderen ärgern, aber nicht verletzen darf, ihnen aufzeigt wo emotionale Grenzen liegen, dann hilft das mehr, als das was in der letzten Zeit passiert ist. Es braucht kein rassistisches Wort um ein Kind oder eine Ethnie zu verletzen – manchmal reicht schon ein Blick. 

 

Gibt es noch etwas, was Du unseren Gazelle LeserInnen mit auf den Weg geben möchtest?
Ja, hört mehr auf euch selbst, als auf die Anderen.

 

Die “Fragen fragen” Hefte sind überall im Buchhandel erhältlich oder direkt über den Onlinebuchhandel Thalia. Ein Exemplar nach Wunsch verlost Gazelle! Einfach Email mit “Fragen fragen Heft” im Betreff und Adresse an gewinn @ gazelle-magazin.de. Einsendeschluss ist der 04.03.13. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!