Missy – Das popfeministische Frauenmagazin geht auf Tour

Aktuelles Missy Magazin

Aktuelles Missy Magazin

Nicht nur Männer können Pop-Magazine. Das beweist das popfeministische Magazin Missy. Frei nach dem Motto “Selbst ist die Frau” gründeten drei Journalistinnen die Missy. Nun geht es als erstes Magazin auf eine Deutschlandtour. Warum, das hat Katrin Gottschalk Gazelle verraten.

 

Für unsere LeserInnen, die Missy noch nicht kennen: Was ist Missy, wie kam es zur Gründung und was macht sie so besonders?
Das Missy Magazine ist eine Zeitschrift, die wir im Eigenverlag heraus geben. Das Heft erscheint viermal im Jahr. Wir haben mittlerweile aber auch eine sehr gut besuchte Facebook-Seite und ein frisch relaunchtes Blog. Zur Entstehung kam es, als sich Chris Köver und Stefanie Lohaus, zwei der Gründerinnen und Herausgeberinnen des Heftes, gefragt haben, warum es in Deutschland kein Heft wie die Bust oder das Bitch Magazine in den USA gibt. Im Herbst 2008 erschien dann die erste Ausgabe. Das Ziel von Missy ist, engagierte feministische Kritik und Auseinandersetzung mit Politik und Popkultur zu bieten und für eine gerechtere Welt ohne Diskriminierung einzutreten.

 

Nun geht ihr mit Missy auf Deutschland Tour. Dabei lernt ihr nicht nur eure Leserinnen kennen, sondern sprecht auch über Themen wie Feminismus, Sexualität und Popkultur. Wie kam es zu dieser Idee und was erhofft Ihr Euch davon?
Die Idee dahinter ist, dass wir uns dieses wahnwitzige Ziel gesetzt haben, unsere AbonnentInnenzahl zu verdoppeln. Wir wollen unseren LeserInnen dafür aber auch etwas bieten. Eine der Schwächen von Missy ist der Fokus auf Berlin, vor allem auf unserem Blog. Das liegt vor allem daran, dass wir alle in Berlin leben. Wir wollen aber unseren LeserInnen zeigen, dass Popfeminismus auch vor ihrer Haustür geht. Missy versteht sich als Teil der Community ihrer LeserInnen. Und um das auch physisch zu zeigen, kommen wir jetzt dort hin, wohin unsere LeserInnen uns eingeladen haben. Wir hatten dazu in der letzten Ausgabe aufgerufen, viele haben geantwortet – weshalb es im Frühjahr 2013 einer Extra-Tour für Süddeutschland und wahrscheinlich auch die Schweiz geben wird.

 

Die Resonanz auf Missy ist seit Erscheinen sehr positiv und die Fangemeinde wächst stetig. Trotzdem bleibt der hart umkämpfte Frauenzeitschriftenmarkt auch für Euch schwierig. Was macht Euch in diesem Zusammenhang besonders schwer zu schaffen?
Uns fehlt es an Anzeigen, eindeutig. Es gibt nicht viele KundInnen, die ihre Werbung in einem feministischen Magazin zeigen wollen. Und wir dagegen wollen uns auch nicht in unsere redaktionelle Arbeit reinreden lassen. Wollten wir ein wirtschaftlich rentables Magazin machen, müssten wir aussehen wir die Grazia oder andere Zeitschriften dieser Art. Wir müssten irgendwelche Pflegeprodukte redaktionell vorstellen, auf billigem Papier drucken und auf jeder zweiten Seite Werbung platzieren. Das wollen wir nicht. Wir wollen unabhängig bleiben und setzen daher immer mehr auf AbonnentInnen. Mit der aktuellen Ausgabe haben wir dazu eben diese Aktion gestartet: Miss no Missy! Dein Abo auf Popfeminismus – unser Abo auf inhaltliche Unabhängigkeit.

 

Hattet Ihr auch schon ein Angebot von einem Großverlag? Käme das für Euch in Frage?
Es gab schon mal eine Anfrage, ja. Aber das hat letztlich nicht gepasst. Ich weiß nicht, es ist schwer zu sagen, ob das für uns in Frage kommt. Wir hätten gerne selbst das letzte Wort bei wichtigen Entscheidungen.

 

Am 29.11. gibt es zudem eine Support-Party mit Peaches neuer MC Extravaganza Show und den Jolly Goods. Die Einnahmen wollt ihr für das Startkapital eines neuen Finanzkonzepts nutzen. Wo seht ihr Euch in den nächsten fünf Jahren?
In fünf Jahren würden wir mit Missy gerne auf finanziell sicheren Beinen stehen, selbst von dem Geld leben können, das wir durch das Heft dann hoffentlich verdienen. Es gibt viele Diskussionen, die wir gerne führen würden, für die aber mitunter durch diverse andere Jobs keine Zeit bleibt. Wir möchten auch viele neue LeserInnen und AbonnentInnen erreichen, die von uns womöglich noch nie gehört haben. Vielleicht auch sechsmal anstatt viermal im Jahr erscheinen, damit wir etwas aktueller berichten können und nebenbei natürlich der Weltherrschaft ein Stückchen näher kommen.

 

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin!

 

>>Missy Tour-Daten<<

19.11. Magdeburg: Frauenzentrum Courage, Diskussion „Das F-Wort: Brauchen wir den Feminismus?“
20.11. Erfurt: tba, Echauffier- Magazin, Radioworkshop mit Katja Röckl, abends Diskussionsveranstaltung
21.11. Gießen: 19 Uhr, Queere Ringvorlesung Uni Gießen, Vortrag „Geschichte feministischer Medien – von Courage bis Gazelle“
22.11. Würzburg: FemFest Würzburg, Diskussion „Brauchen wir den Feminismus?“
23.11. Frankfurt: 16 Uhr, Workshop Medienproduktion beim Fanzine Sztutenbisz 19 Uhr, KUSS41, Poetry Slam
24.11. Ladyfest Darmstadt: „100 Seiten Popfeminismus – Das Missy Magazine als Dritte Welle Praxis“
25.11. Köln: 19 Uhr, Baustelle Kalk, Lesung „Lieblingsstreberinnen und Nerds“
26.11. Münster: Seminar „Sexualität und Pop“ mit Moritz Basler und Frieda Berg von Radio Q, an der WWU Münster
27.11. Wismar: tba, Antigewaltwochen
28.11. Kiel: Uni Kiel, nachmittags auf dem Campus und ab 19 Ihr Podiumsdiskussion „Das F-Wort: Brauchen wir den Feminismus?“
29.11. Hamburg: Zu Gast an der Fakultät Wirtschaft und Soziales der HAW
Abschluss: 29.11. Berlin: 20 Uhr, Festsaal Kreuzberg, Support-Party mit Peaches, Jolly Goods, DJanes

 

Mehr zu Missy auf der Webseite: www.missy-magazine.de