Chevrolet Camaro: Ökologischer Un- und Wahnsinn

Chevrolet Camaro im Gazelle-Autotest

Chevrolet Camaro im Gazelle-Autotest

Autotest von Solveig Grewe.

Mensch, ‘ne Frau! Eine Bemerkung, die zwischen Bewunderung oder Neid unklar hin und her schwingt. Vermutlich doch mehr Neid, denn ich fahre heute einen pechschwarzen Chevrolet Camaro. Der gut 4,80 Meter lange und beinahe 1,90 Meter breite Ami-Schlitten mit dem bösen Adlerblick, seinen wulstigen Hinterbacken und den knallroten Streifen auf der langen Motorhaube ist neben allem anderen auch noch ein Blick-Staubsauger der Extraklasse. Ein klassisches Muscle-Car aus den USA, das gar nicht erst versucht, seinen ökologischen Unsinn zu verbergen.

Langsam fahre ich an diesem Sonntagmorgen durch die ruhigen Seitenstraßen, ich will doch niemanden wecken. Vor mir brummelt der Achtzylinder schön friedlich vor sich hin. Aus den Lautsprechern säuselt dazu Frank Sinatra, die Automatik hält den Motor fein zwischen 1000 und 2000 Touren.

 

Chevrolet Camaro im Gazelle-Autotest

Chevrolet Camaro im Gazelle-Autotest

Born To Run
Doch wenn es dann jenseits der Stadtgrenze zur Sache geht, mutiert der Camaro zu einem Urgestein mit brachialer Gewalt. Aus Frankies „Strangers in the Night“ wird Springsteens Credo „Born to run“, wenn ich es wage, das Gaspedal endlich mit dem Bodenblech zusammenzuführen. Unwillig oder ist es vielleicht doch hocherfreut, schüttelt sich das Heck in solchen Momenten für einen Sekunden-Bruchteil. 432 PS reißen den Camaro nach vorne und in knapp sechs Sekunden durch die 100 km/h Marke. Der Sitz wird eins mit mir, minutenlang verflüchtigen sich erst einmal alle Gedanken um Verbrauch und Vernunft. Geschwindigkeit hat etwas rauschhaftes, an dem Augen und Ohren teilhaben.

 

Gefühl spart Sprit
Mein kurzer Blick auf den Tacho ernüchtert dann wieder sehr schnell. Unter 18 Litern geht da gerade gar nichts. Doch zum Trost: Der Motor für Halbstarke kennt auch zivilisierte Tricks. Eine Zylinderabschaltung sorgt dafür, dass aus dem Muscle-Car kein dauerhafter Spritfresser wird. Der Camaro kann dann sehr wohl sparsam als Vierzylinder unterwegs sein und belohnt meinen liebevollen und jetzt sehr gefühlvollen Gasfuß mit einem Verbrauch von etwas über zehn Liter. Löblich und brav, aber Spaß macht etwas anderes.

 

Daten & Fakten
Die technischen Daten des Chevrolet Camaro sind beeindruckend, wie sein Design: das Schaltgetriebe regelt einen 432 PS starken, 6,2-Liter-V8-Motor, der ein Drehmoment von 569 Nm bei 4.600 U/min entwickelt. Dadurch wird eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,2 Sekunden beim Coupé und 5,4 Sekunden beim Cabrio erreicht. Das automatische Getriebe ist an einen Achtzylinder mit 405 PS gekoppelt, dessen Drehmoment bei 556 Nm bei 4.300 U/min liegt. Das Automatik-Coupé erreicht 100 km/h in 5,4 Sekunden, das Cabrio braucht dafür 0,2 Sekunden länger. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Die Preise beginnen bei 39.900 Euro für das Coupé.